POLITIK
17/01/2017 15:56 CET

Was Donald Trump 2014 über Russland gesagt hat, zeigt, wie unberechenbar er ist

Der gewählte Präsident Donald Trump ändert seine Meinung zu Russland und dem Präsidenten Vladimir Putin
Shannon Stapleton / Reuters
Der gewählte Präsident Donald Trump ändert seine Meinung zu Russland und dem Präsidenten Vladimir Putin

  • Trump kritisierte Russland noch vor 3 Jahren scharf

  • Jetzt spricht er sich plötzlich dafür aus, die Sanktionen zu lockern

Donald Trump mag jetzt davon schwärmen, dass Russland "tolle Sachen" macht - aber noch im Jahr 2014 hat er das Land als Amerikas "größtes Problem" bezeichnet

Infolge der beginnenden Krimkrise im Februar 2014 schlug Trump erstaunlich harte wirtschaftliche Sanktionen gegen Russland vor. Er spottete verächtlich über die Medien, die die Drohungen Russlands ernst nahmen.

Aber damit nicht genug: Trump nannte Putin einen "Lügner" und "nicht vertrauenswürdig".

Als Trump über den Überfall Russlands auf die Krim sprach, wies er damals auf die gebrochenen Versprechen Russlands hin. Trump zitierte Putin mit den folgenden Worten: "Wir werden nicht in die Ukraine gehen, wir werden das nicht tun, es wird nie passieren." Trump schrieb weiter: "Zwanzig Minuten später, sind sie eingedrungen".

Trump kritisiert Russland scharf

Der Fernsehsender CNN berichtete außerdem, dass Trump in zwei Telefoninterviews im März 2014 Russland stark kritisiert hatte.

In den Gesprächen stimmte Trump dem ehemaligem Kandidaten der Republikanischen Partei, Mitt Romney, zu, der die These aufgestellt hatte, Russland sei ein zentraler geopolitischer Feind.

"Mitt hatte Recht, und er hatte auch Recht als er in den Debatten erwähnte, Russland sei unser größtes Problem und Russland ist, das wissen Sie, wirklich so etwas", sagte Trump gegenüber dem Sender "Fox".

"Er meinte, es wäre ein großes Problem und jeder hat über ihn gelacht - übrigens auch einige Medien", fügte Trump hinzu. "Sie haben gelacht. Aber es hat sich gezeigt, dass er absolut richtig lag." Trump erwähnte Russlands Aktivität im Iran und Syrien ("Syrien ist jetzt zu 100 Prozent zurück in seinen Schranken") und an "praktisch jedem anderen Ort".

Trump fügte damals hinzu: "Verspottet und herumgeschubst zu werden, in der Art, wie wir herumgeschubst werden, ist absolut undenkbar."

In der NBC Fernsehshow "Today" sagte Trump auch: "Wir sollten definitiv Sanktionen durchführen" gegen Russland. Trump beschwerte sich, dass Präsident Obama keine harte Linie mit Russland gefahren sei. "Wir müssen Stärke zeigen", fügte er hinzu.

Eine seltsame Achtung vor Putin

Die Kommentare stammen noch aus der Zeit, bevor Trump ins Auge fasste, Präsidentschaftskandidat für die Republikaner zu werden. Allerdings waren die Anfänge seiner seltsamen Achtung vor dem ehemaligen KGB-Chef Putin bereits offensichtlich.

Putins "Wahlergebnisse gehen durch die Decke. Die Menschen lieben ihn. Sie lieben, was er tut", merkt Trump in einem Interview mit dem Sender FOX vom 24. März 2014 an. Obwohl er gleichzeitig auch durchblicken ließ, dass die Wahlergebnisse möglicherweise nicht vertrauenswürdig seien.

Er lobte Putin am 3. März in einem Interview mit dem TV-Sender Fox als "intelligenten, berechnenden Typen". "Wir reden über eine andere Liga von – ich weiß nicht, ob es Raffinesse ist oder Intelligenz oder was auch immer."

Wann bei Trump der Sinneswandel einsetzte, ist nicht klar. Jedenfalls klingen seine Aussagen über Russland jetzt ziemlich anders.

In einem Interview mit der Zeitung "The Wall Street Journal", das letzten Freitag veröffentlicht wurde, sprach sich Trump auf einmal gegen die bestehenden Russland-Sanktionen aus.

Trump sagte, er ziehe in Betracht, die Sanktionen fallen zu lassen, sofern Russland "gute Sachen macht" – und das, obwohl die Nachrichtendienste der Vereinigten Staaten herausgefunden hatten, dass Putin zum Beispiel für den Hackerangriff im US-Wahlkampf verantwortlich war. Der 70-Jährige präzisierte nicht weiter, was genau er unter "gute Sachen" versteht.

"Wenn man miteinander klarkommt und falls Russland uns wirklich hilft, warum sollte irgendjemand Sanktionen verhängen, fragte er im "Wall Street Journal".

In einem am Sonntag in der "Times of London" veröffentlichten Interview, macht Trump auch klar, unter welchen Umständen er die nach der Krim-Annexion beschlossenen Sanktionen des Westens gegen Russland noch fallen lassen würde: Im Austausch müsste ein Abkommen mit Putin zustande kommen, das die Verringerung der Anzahl der nuklearen Waffen festlegt.

Starke Kritik an Russland

Eine Antwort auf Trumps Sinneswandel bezüglich Russland gab es bisher nicht von seinem Team.

Schließlich ist es nicht das erste Mal, dass Trump seine Meinung ändert, sobald er in Bedrängnis gerät. Nachdem Meryl Streep Trump in ihrer Golden Globe Rede vom 8. Januar kritisierte, beschimpfte der designierte Präsident Streep als überbewertet.

Dabei hatte er sie noch ein Jahr zuvor als "exzellente" Schauspielerin und einer seiner Lieblinge bezeichnet.

Ein weiteres Beispiel: Im Jahr 2010 plädierte er auf Todesstrafe für den WikiLeaks Gründer Julian Assange. Vor zwei Wochen jedoch pries Trump Assanges Meinung zum russischen Hackerangriff auf das U.S. Internet gegenüber den Chefs des nationalen Nachrichtendienstes an.

Mehr zum Thema: Russland setzt Hoffnung auf Anti-Terror-Kampf mit Trump

Der Artikel ist erschienen auf "The Huffington Post.com" und wurde von Anke Waschneck übersetzt.

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