POLITIK
16/01/2017 14:19 CET | Aktualisiert 16/01/2017 16:34 CET

"Er denkt wie ein Pokerspieler": Politikprofessor Jäger erklärt, wie Merkel jetzt mit Trump umgehen muss

DON EMMERT via Getty Images
(COMBO) This combination of file photos created on January 16, 2017 shows US President-elect Donald Trump (R, November 19, 2016 in Bedminster, New Jersey) and German Chancellor Angela Merkel (July 28, 2016 in Berlin). Chancellor Angela Merkel made a 'catastrophic mistake' in letting migrants flood into Germany, US President-elect Donald Trump said in a newspaper interview on January 15, 2017. / AFP / Don EMMERT AND Tobias SCHWARZ (Photo credit should read DON EMMERT,TOBIAS SCHWARZ/AFP/Getty Images)

  • Nach Trumps Interview rätselt Deutschland über seine Absichten

  • "Das inhaltliche ist aber im Moment zweitrangig", sagt der Kölner Politikprofessor Thomas Jäger

Ein bisschen wirkt es so, als habe das Trump-Interview von "Bild" und "Times" mehr Fragen als Antworten gebracht.

Will Trump nun aus der Nato raus - oder nicht? Einerseits nennt er das westliche Militärbündnis "obsolet", andererseits wichtig.

Bricht Trump nun die guten transatlantischen Beziehungen - oder nicht? Bundeskanzlerin Merkel lobt er einerseits als "großartige, großartige Anführerin", andererseits kritisiert er ihre Flüchtlingspolitik als "katastrophal".

Spannende Fragen, das ist klar. Aber es gibt noch eine weitaus spannendere.

"Das Inhaltliche ist im Moment zweitrangig", sagt der Kölner Politikprofessor Thomas Jäger im Gespräch mit der Huffington Post. "Viel wichtiger ist die Strategie dahinter", sagt er.

Sowohl Trump als auch alle Mitglieder seines Kabinetts hätten ein Leben lang nach der Strategie gelebt, für möglichst viel möglichst wenig zu bezahlen.

"Er wird selbstsüchtige Politik betreiben"

Der künftige Außenminister war jahrzehntelang Vorstand eines Ölkonzerns, der künftige Finanzminister erfolgreicher Banker. Trump und sein Team sind darauf geschult, das meiste für sich herauszuschlagen.

"Er wird eine sehr selbstsüchtige Politik betreiben - und das spielt meines Erachtens noch eine viel zu geringe Rolle in der Auseinandersetzung mit Trump", sagt Jäger.

Das erklärt dann auch, warum sich Trump bei so vielen Fragen nicht festlegen will. "Er klammert sich nicht an die Traditionen amerikanischer Außenpolitik und hält sich alle Optionen offen", sagt Jäger.

Seine wahren Ziele verrät er nicht. "Man zeigt seine Hand nicht", sagte Trump im Interview. "Das bringt seine Strategie ziemlich gut auf den Punkt", sagt Jäger. "Er denkt wie ein Pokerspieler."

"Jeder ist in Trumps Welt auf seinen Vorteil aus"

Trump ist deswegen für deutsche und europäischer Politiker so schwer zu greifen, weil in ihrer Welt nicht gegeneinander, sondern miteinander gespielt wird.

"In Trumps Welt hingegen ist jeder auf seinen eigenen Vorteil aus" - und das ist ein Problem für die Europäer.

Denn das amerikanisch-europäische Verhältnis ist tatsächlich in einigen Feldern ein Verlustgeschäft für die USA. Zumindest in den Augen von Trump: Die Nato kostet Geld, das Handelsdefizit stört die USA.

Anders gesagt: Trump denkt nicht wie ein Staatschef, sondern wie ein Unternehmer, der die Geschäftsgrundlage in Frage stellt.

Was bedeutet das für die Bundesregierung?

"Trump macht Politik wie ein Unternehmer"

"Alle, die mit ihm ins Geschäfts kommen müssen, müssen sich die Frage stellen: Was will er dafür?", sagt Jäger. Merkel müsse sich überlegen, wo Deutschland den USA Geld kostet - und wo die USA den geringsten Nutzen daraus schlägt.

"Die Bundesregierung muss sich fragen, an welcher Stelle die Trump-Administration die größten Vorteile herausschlagen will", sagt Jäger.

Und genau dort müsse die Bundesregierung den USA etwas entgegensetzen.

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(mf)