POLITIK
16/01/2017 08:19 CET

Liebe Politiker, wacht endlich auf! Trump formatiert die Welt - und wir schauen zu

Liebe Politiker, wacht endlich auf! Trump formatiert die Welt - und wir schauen zu
Shannon Stapleton / Reuters
Liebe Politiker, wacht endlich auf! Trump formatiert die Welt - und wir schauen zu

  • Trump macht Ernst - das ist die nüchterne Bilanz aus seinem ersten ausführlichen Interview über Deutschland, Europa und die Nato

  • Die deutsche Politik ist darauf sträflich schlecht vorbereitet

Wer bislang glaubte, dass der designierte US-Präsident Donald Trump ein rein amerikanisches Problem bleiben würde, ist seit heute schlauer. Trump hat das erste Mal seit der Wahl in einem Interview ausführlich sein Verhältnis zu Deutschland, Europa und der Nato dargelegt.

Es ist ein Großangriff auf das, was bislang den Westen zusammenhielt.

Die Hoffnung, die transatlantischen Beziehungen - also die Beziehungen zwischen Deutschland, Europa und den USA - könnten durch historisch gewachsene Grundfeste und im Schutze der Diplomatie auch unter Trump unerschütterlich sein, ist ein Trugschluss.

Trump wird sich nicht um Diplomatie scheren

Trump wird sich in den kommenden vier Jahren weder um Grundfeste noch um Diplomatie scheren.

Die Nato nennt er in seinem Interview obsolet. Dem Autohersteller BMW droht er mit einem Strafzoll von 35 Prozent. Einreisebeschränkungen für EU-Bürger schließt er nicht aus. Und Merkel wirft er „katastrophale Fehler“ in der Flüchtlingspolitik vor.

All das sagte er schon im Wahlkampf, hat aber wenige Tage vor seiner Vereidigung eine größere Sprengkraft.

Es beinhaltet einen gewisse Ironie, dass Trump seine Drohungen ausgerechnet der „Bild“ ins Mikrofon diktierte, die jeden neuen Redakteur auf die transatlantischen Beziehungen schwören lässt.

Wer bei Springer arbeiten will, muss ein größerer Verfechter der deutsch-amerikanischen Beziehungen sein als der künftige US-Präsident.

Das ist besorgniserregend.

The art of the deal, bei der Amerika immer an erster Stelle steht, das zentrale Wahlkampfversprechen von Trump, macht auch nicht vor dem Halt, was bislang heilig war.

Nur, um einige Beispiele zu nennen:

  • Die Nato, das westliche Verteidigungsbündnis, hat ohne die USA keine Zukunft. Europa und Deutschland müssen sich überlegen, wie sie ohne die Atomwaffen und Streitmächte der USA die russische Bedrohung abwehren können.

  • Die guten Handelsbeziehungen, eine bislang unverrückbare Größe zwischen Deutschland und den USA, haben wenig Zukunft, wenn Schutzzölle erhoben werden.

  • Die Sprache der Diplomatie – sie ist sinnlos, wenn sie nur von einer Seite gesprochen wird. Trumps Kommunikation ist aggressiv, unmissverständlich und unberechenbar. Was er heute sagt, kann morgen schon wieder in 140 Zeichen zurückgenommen werden.

Die deutsche Politik ist darauf schlecht vorbereitet. Immer noch!

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Das zeigen schon die Reaktionen, die auf Trumps Interview folgten. Vize-Kanzler Sigmar Gabriel (SPD) etwa glaubt immer noch, es sei die beste Strategie, erstmal abzuwarten. Ja hallo? Auf was will man noch warten? Dass Trump nicht Ernst macht?

Diese Illusion zieht sich seit dem US-Wahlkampf durch die deutsche Politik.

Als Trump seine Stinkbomben gegen Kanzlerin Angela Merkel („verrückt!“) und die Nato („die sollen zahlen!“) losließ, redete man sich das als Wahlkampfgetöse schön.

Alles wird neu verhandelt

Als Trump gewählt wurde, hoffte man, dass er zumindest seine Verbündeten schonen würde. Der Kitt könnte schon halten.

Liebe Politiker, wacht auf!

Alles wird neu verhandelt. Trump formatiert die Welt neu.

Und wir schauen zu.

Es wäre schon ein Anfang, sich einzugestehen, dass Trump sich nicht um Tradition schert, sondern um seinen Vorteil.

Er könnte im Rekordtempo alles einreißen, was über Jahrzehnte gewachsen ist. Er könnte aber auch daran festhalten, wenn er darin einen Nutzen erkennt, der die Kosten aufwiegt.

Denn er denkt wie ein Unternehmer, nicht wie ein Staatschef.

Flüchtlingskrise: Helft den Helfern!

Die Flüchtlingskrise bewegt die Deutschen wie kein anderes Thema. Viele blicken fassungslos auf das, was sich an Europas Grenzen abspielt. Auf das Leiden und die Nöte der Hilfesuchenden.

Dabei gibt es zahlreiche Menschen und Organisationen, die vor Ort helfen, die Probleme zu lösen. Wie ihr selbst aktiv werden könnt, erfahrt ihr bei unserem Kooperationspartner Betterplace.

(sk)