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16/01/2017 13:42 CET | Aktualisiert 17/01/2017 07:06 CET

Forscher gruben ein Loch in einem Vernichtungslager – und enthüllten eine bewegende Geschichte

Ein in Sobibór gefundener Anhänger könnte weitere Hinweise auf das frühe Leben von Anne Frank liefern.
Yoram Haimi, Israel Antiquities Authority
Ein in Sobibór gefundener Anhänger könnte weitere Hinweise auf das frühe Leben von Anne Frank liefern.

In einem ehemaligen Vernichtungslager der Nazis haben Forscher einen historischen Fund gemacht. Bei Ausgrabungen fanden sie einen Anhänger, der neue Erkenntnisse über das frühe Leben von Anne Frank geben könnte, die für ihre Tagebücher weltberühmt wurde.

Nach einem Bericht von Yad Vashem haben Archäologen bei Ausgrabungen nahe des ehemaligen Vernichtungslagers Sobibór ein Gebäude gefunden. Yad Vashem in Israel ist die bedeutendste Gedenkstätte, die an die nationalsozialistische Judenvernichtung erinnert und sie wissenschaftlich dokumentiert.

Bei dem ausgegrabenen Gebäude handelt es sich um einen Ort, an dem vor mehr als 70 Jahren Häftlinge ihre Kleidung ablegen und sich den Kopf kahl rasieren lassen mussten.

Der Anhänger gehörte vermutlich einem Mädchen aus Frankfurt

Bei den Ausgrabungen wurde ebenfalls ein Anhänger gefunden, der vermutlich einem Kind aus Frankfurt gehörte, das am 3. Juli 1929 geboren wurde.

Auf die einen Seite des Anhängers sind die hebräischen Worte “Mazal Tov” sowie ein hebräischer Buchstabe ("ה") graviert, der Gott bedeutet. Auf der anderen Seite sind drei Davidsterne abgebildet.

Experten von Yad Vashem haben nun festgestellt, dass Anne Frank den einzig ähnliche Anhänger, welcher bisher bekannt ist, besaß. Das jetzt gefundene Stück gehörte vermutlich einem Mädchen namens Karoline Cohn, das 1941 von Frankfurt am Main nach Minsk deportiert worden war.

Anne Frank wurde ebenfalls in Frankfurt geboren, was eine mögliche Verbindung zwischen den zwei Familien andeuten könnte.

Mehr zum Thema: Anne Frank - Kaum jemand schrieb so authentisch über sein Leben

Der Fund zeigt erneut die Wichtigkeit von Forschungsarbeit auf dem Gebiet

Im Bericht des Museums, das seit 2007 gemeinsam mit der zuständigen Behörde zum Schutz israelischer Denkmäler die Ausgrabungen betreut, heißt es weiter:

“Während nicht bekannt ist, ob Cohn die schlimmen Bedingungen im Ghetto von Minsk überlebte, hat ihr Anhänger Sobibór vermutlich zwischen November 1941 und September 1943 erreicht.

Dann wurde das Ghetto aufgelöst und die 2.000 jüdischen Gefangenen, die dort lebten, in das Vernichtungslager gebracht. Dort wurde der Anhänger von Karoline Cohn genommen und auf den Boden geworfen und lag an dieser Stelle nun für mehr als 70 Jahre vergraben.”

“Der gefundene Anhänger beweist erneut die Wichtigkeit von archäologischer Forschungsarbeit in den Bereichen ehemaliger Vernichtungslager”, erklärt Yoram Haimi in dem Bericht.

"Die Geschichte ist stellvertretend für viele gleiche schlimme Schicksale von Juden in den Vernichtungslagern"

“Die bewegende Geschichte von Karoline Cohn ist stellvertretendes Symbol für die vielen gleichen Schicksale, die Juden in dem Lager erlitten haben.”

Sobibór war eines verschiedener Vernichtungslager der Nazis. Juden wurden dorthin deportiert, um getötet zu werden. Auch wenn dieses Lager nur etwas mehr als ein Jahr geöffnet war - von März 1942 bis Oktober 1943 - starben dort mehr als 165.000 Juden.

Das Lager wurde von den Nazis geschlossen, die anschließend versuchten jede Spur davon verschwinden zu lassen.

Die Experten wollen nun versuchen mit Cohns Verwandten in Kontakt zu treten, um mehr Informationen zu erhalten, heißt es in dem Bericht weiter.

Dieser Text ist zuerst auf The World Post erschienen und wurde von Tabea Schäffer ins Deutsche übersetzt.

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(mf)