LIFE
13/01/2017 11:40 CET | Aktualisiert 15/01/2017 07:20 CET

Vogelfreies Deutschland? Experten beobachten eine beunruhigende Entwicklung

Vogelsterben in Deutschland: Die Gründe sind vielfältig.
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Vogelsterben in Deutschland: Die Gründe sind vielfältig.

Amsel, Grünfink, Kohlmeise oder Zaunkönig: Insbesondere zur Winterzeit erfreuen sich viele Menschen in Deutschland am Anblick der bunten Singvögel. Doch den Vögeln in Deutschland geht es schlecht. Bereits seit Jahren ist ein klarer Rückgang der Vogelarten zu beobachten.

"Wir bekommen täglich kistenweise Einsendungen und sind noch nicht am Ende der Auswertung", kommentiert Markus Erlwein, Pressesprecher des Landesbundes für Vogelschutz (LBV), die jüngste Zählung der Wintervögel in Bayern. Noch bis zum 16. Januar werden Einsendungen erwartet.

Bisher konnte der LBV über 30.000 Teilnehmer aus Bayern verzeichnen. Für den LBV ein "Rekordniveau". Die ersten Erkenntnisse sind alarmierend: Es gibt weniger Vögel und die Tendenz sinkt weiter.

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Die Kohlmeise könnte es bald nicht mehr geben; Credit: Getty

"Genau können wir es noch nicht sagen, aber lokal scheint es bei Kohl- und Blaumeisen einen großen Ausfall der Brut zu geben“, erklärt Erlwein. Dazu gibt es Hinweise, dass dieses Jahr weniger Kohlmeisen als üblich aus Nord- und Nordosteuropa bei uns überwintern.

Ob die milde Witterung in den Herkunftsgebieten, der geringe Bruterfolg oder die reiche Baumsamenmast in den Herkunftsgebieten Gründe dafür sind, können die Experten derzeit noch nicht bestätigen.

Drastischer Rückgang der Kohlmeise

Deutschlands bekannteste Meise ist derzeit nur noch die am vierthäufigsten beobachtete Vogelart in Bayern. Dies geht aus der letzten vom LBV durchgeführten Vogelzählung hervor.

"Auch wenn dieses Jahr insgesamt weniger Vögel gezählt werden, kommen sie nun zur Futtersuche bei Schnee wieder vermehrt zu uns in den Siedlungsraum", erklärt Erlwein. Im Durchschnitt wurde trotzdem ein Viertel weniger Vögel pro Garten beobachtet.

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Eine beunruhigende Entwicklung, nicht nur für den LBV. Die Gesamtzahl der Vögel ist in ganz Europa in den vergangenen 30 Jahren um 421 Millionen gesunken. Das hat ein britisches Forschungsteam der Universität Exeter herausgefunden.

Schuld hierfür ist allerdings nicht ausschließlich der Mensch. Auch Krankheitserreger und einzellige Parasiten sind dafür verantwortlich.

Hipster-Gärten und Glyphosat

Die Unkrautbekämpfung mit Glyphosat ist nur ein Teil-Aspekt der Problematik. Das Herbizid wird bereits seit Jahren als Unkraut- und Schädlingsbekämpfungsmittel in der Landwirtschaft, aber auch für Privatgärten eingesetzt.

Im Vergleich mit anderen Herbiziden weist Glyphosat eine geringe Toxizität gegenüber Tieren auf. Doch durch das Bekämpfen der "Schädlinge" entzieht man den Vögeln ihre natürlichen Nahrungsquellen.

Das Resultat: Die Vögel emigrieren verstärkt in die Siedlungsräume. Doch genau hier gibt es ein großes Problem: "Unsere Gärten verarmen immer mehr", erklärt Erlwein.

"Die Leute machen sich einen Feng-Shui Garten, hängen da eine Futtersäule rein und denken, sie tun was für die Natur. Das ist natürlich totaler Quatsch!“

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Credit: Getty

Aber auch wenn Gartenfreunde normale Erde durch Torf ersetzen und ihre Gärten mit fremden Gehölzen ausstatten, haben sie einen erheblichen Einfluss auf den Vogelrückgang in Deutschland. Durch das Anlegen von Steingärten entreißt man den Vögeln Möglichkeiten für Unterschlupf und Brutstätten.

Mit diesen einfachen Gegenmaßnahmen kann jeder etwas tun

"Wir müssen den Garten als ein kleines Naturschutzgebiet ansehen“, so Erlwein. Wer den Garten als Biotop nutzt, kann signifikant etwas gegen das Vogelsterben unternehmen.

Laut Zahlen des Statistikportals Statista beträgt allein die Fläche von Haus- und Nutzgärten in Deutschland über 7412 Hektar. Ein kleiner Hoffnungsschimmer, der bedrohlichen Entwicklung etwas entgegenzusetzen.

Doch nur mit dem Aufstellen von Futterstellen ist es noch nicht getan. "Wöchentlich den Rasen mähen oder das Verwenden vom Gift im eigenen Garten muss nicht sein", sagt Erlwein.

Für die häufigsten Vogelarten, die auch gerne in die Siedlungen kommen, kann man sehr viel tun. "Legt eure Gärten naturnah an und handelt mit Verstand", rät er.

Kältehilfe für Obdachlose

In den Wintermonaten ist die Situation derer, die ganz ohne Unterkunft sind, besonders schwierig. Obwohl inzwischen einige Städte zur kalten Jahreszeit die Zahl der Notunterkünfte erhöhen, gibt es immer wieder Kältetote. Viele andere Wohnungslose benötigen intensive ärztliche Behandlung.

Hilf auf betterplace.org mit, dass es gar nicht erst so weit kommt. Spende hier für warme Bekleidung, Schlafsäcke und Notunterkünfte!

(lk)