POLITIK
13/01/2017 15:15 CET | Aktualisiert 13/01/2017 15:50 CET

Warum Deutschland das "Dschungelcamp" gerade jetzt braucht

Das sind die 12 Glücklichen, die RTL für einen zweiwöchigen Pauschalurlaub in den australischen Dschungel schickt - oder zumindest so tut
RTL / Stefan Menne
Das sind die 12 Glücklichen, die RTL für einen zweiwöchigen Pauschalurlaub in den australischen Dschungel schickt - oder zumindest so tut

Nein: Es kann kein Zufall sein, dass die diesjährige Staffel des „Dschungelcamps“ ausgerechnet an einem Freitag, den 13. beginnt.

Ein Tag, an dem über Deutschland ein Schneesturm namens Egon tobt. Eine Woche, in der Amerika kurz vor der Amtseinführung eines gelbgesichtigen, großmäuligen Egomanens steht, der schon als „President-Elect“ so liebenswert wie ein nächtlicher Streubombenangriff ist.

Das letzte Jahr war ein Arschloch vor dem Herrn. Und das stimmt nicht nur mit Hinblick auf die verstorbenen Prominenten. Der Blick in die Zeitung ist schon seit längerer Zeit kein Grund mehr zum Lachen.

Auf der ganzen Welt blubbert die Hassbrühe. Wir diskutieren nicht mehr, wir schreien einander nur noch an. In den Niederlanden könnte mit Geert Wilders schon bald ein rechtsradikaler Politiker regieren, in Frankreich gewinnt seine Gesinnungsschwester Marine Le Pen derzeit wieder an Popularität.

Es gibt schon genug Probleme

Wir werden in diesem Jahr noch oft genug über die Probleme dieser Welt reden. Über Wahlen, Kämpfe und politische Erdrutsche.

Wie schön, dass an diesem Freitag endlich wieder das letzte noch existierende TV-Lagerfeuer der Nation angezündet wird.

Die RTL-Show „Ich bin ein Star, holt mich hier raus!“ ist alles andere als anspruchsvolles Bildungsfernsehen. Lassen wir uns vom Feuilleton nichts vormachen, wo Autoren diese Sendung seit Jahren als kulturelles Großereignis feiern.

Aber das muss sie auch nicht sein, um den Zweck zu erfüllen und diesem Land einen wichtigen Dienst zu erweisen: Wir werden in den kommenden zweieinhalb Wochen über Kakerlaken, Badeszenen und sonderliches Promiverhalten reden, statt uns über die politische Großwetterlage die Schädel einzuhauen.

Ein Wiedersehen mit bekannten Gesichtern

Die etwas älteren Zuschauer werden sich über ein Wiedersehen mit altbekannten Gesichtern feiern.

Zum Beispiel Thomas Häßler, den alle Welt seit 30 Jahren nur „Icke“ nennt, weil er aus Berlin kommt und als junger Spieler einen harten Dialekt gesprochen hat. Der Mittelfeldspieler war Weltmeister und Europameister, hat über 100 Länderspiele absolviert und würde heute wohl am Pool sitzen und die Früchte seines märchenhaften Reichtums auskosten - wenn er fünfzehn Jahre später zur Welt gekommen wäre.

Häßler ist Teil einer Nationalmannschaft-Ära gewesen, die trotz aller Erfolge auf rätselhafte Weise in Vergessenheit geraten ist . Weder Guido Buchwald, noch Pierre Littbarski, noch Bodo Illgner, noch Thomas Berthold, noch Jürgen Kohler, noch Andreas Brehme, noch Karlheinz Riedle, noch Klaus Augenthaler stehen heute im Licht der Öffentlichkeit.

Was man von Uli Hoeneß, Sepp Maier, Paul Breitner, Franz Beckenbauer, Berti Vogts, Wolfgang Overath, Günther Netzer und vielen anderen aus dem WM-Kader 1974 nun wirklich nicht sagen kann.

Taugt „Icke“ noch als Idol? Ist er noch der witzige Typ von früher? Oder entfaltet sich in den kommenden Tagen vor unser aller Augen ein Fußballer-Drama?

Markus Majowski ist dabei, ein Fernseh-Komiker, dessen Gesicht vor zehn Jahren so ziemlich jeder kannte, und dessen bloßes Wiederauftauchen im australischen Dschungel schon einen Nachrichtenwert hat.

Und was hat eigentlich „Fräulein Menke“ dazu gebracht, einen Vertrag bei RTL zu unterschreiben? Eine Sängerin, deren große Zeit vorbei war, als der Ministerpräsident von Bayern noch Franz Josef Strauß hieß?

Philosophen und Playboy-Models

Und dann sind da die jüngeren Teilnehmer, deren Auftritt eine Menge Diskussionsstoff verspricht.

Gina-Lisa Lohfink etwa, die im vergangenen Jahr für ein paar Wochen zur Ikone der netzfeministischen Bewegung avancierte.

Nicole Mieth: Sie war in diesem Jahr für den obligatorischen Auftritt einer Dschungelcamperin im anerkannten Anatomie-Fachblatt „Playboy“ zuständig.

Ist Hanka Rackwitz in diesem Januar insgeheim für die Rolle der Camp-Mama gebucht? Und wird Sarah Connors Ex Marc Terenzi zum Dschungel-Philosophen werden?

Einfach mal das Hirn ausschalten

Natürlich ist das alles Klatsch. Und Boulevard. Andererseits ist es immer wieder spannend, wie die Camp-Mitglieder spätestens nach der ersten Woche aus ihrer Promi-Rolle fallen und sich in sozialen Extremsituationen beweisen müssen.

Dann ist die Sendung einfach nur gut gemachte Fernsehunterhaltung. Eine Gelegenheit, das Hirn für ein paar selige Stunden auf dem Wohnzimmersofa zu parken und sich einer scheinbar unwichtigen Nebensächlichkeit hingeben, über die Deutschland am nächsten Tag trotzdem reden wird.

Genießen wir also die Zeit. Das Leben ist schon ernst genug.

Mehr zum Thema: "Dschungelcamp 2017" im Live-Stream: "Ich bin ein Star - holt mich hier raus" online sehen - so geht's

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