POLITIK
12/01/2017 02:13 CET | Aktualisiert 12/01/2017 07:58 CET

Nach der jüngsten Trump-Pressekonferenz erwarten US-Journalisten das Schlimmste

Nach der jüngsten Trump-Pressekonferenz erwarten US-Journalisten das Schlimmste
Lucas Jackson / Reuters
Nach der jüngsten Trump-Pressekonferenz erwarten US-Journalisten das Schlimmste

  • Trumps jüngste Pressekonferenz hat die schlimmsten Befürchtungen der US-Presse bestätigt

  • Bezahlte Klatscher und Trumps Ausfälle ließen die Veranstaltung wie ein Tribunal wirken

  • Besonders ein Wort Trumps weckt Ängste bei Journalisten

Am Tag, nachdem bekannt geworden war, dass Donald Trump die US-Präsidentschaftswahl gewonnen hatte, schrieb der "Game of Thrones"-Autor George R. R. Martin in seinem Blog: "Der Winter kommt. Ich habe es euch gesagt."

Sein Satz ist zum geflügelten Wort unter liberalen Journalisten geworden - sie befürchten das Schlimmste für ihren Berufsstand in einem von Trump geführten Amerika. Und seine gestrige Pressekonferenz im Trump-Tower zeigte, dass diese Sorgen berechtigt sind. Es war eher ein Tribunal als ein Gespräch mit Journalisten.

Trumps Angestellte jubelten und klatschten

Trump hatte nicht nur drei seiner Kinder sowie den designierten Vize-Präsidenten Mike Pence mitgebracht, sondern den Raum zudem mit bezahlten Angestellten gefüllt, die nach jedem seiner Sätze klatschten und jubelten, wie das Portal "Politico" schreibt. Pence erklärte den versammelten Journalisten, dass mit "Freiheit auch Verantwortung" einhergehe.

Mehr zum Thema: "Trump neben Obama ist wie Ballermann neben Elbphilarmonie"

Dann war Trump dran. Er suchte die Abrechnung. Am Tag zuvor hatte CNN über ein Papier berichtet, das die Geheimdienste dem Präsidenten Barack Obama und Trump vorgelegt hatten. Darin wurde gewarnt, dass Berichte im Umlauf seien, dass der russische Geheimdienst FSB kompromittierendes Material über Trump besitze, mit dem er erpresst werden könnte.

Die Website "Buzzfeed" veröffentlichte sogar das ganze Dokument, das ohnehin schon seit Monaten in Journalisten-Kreisen zirkulierte. Darin wurde behauptet, dass Trump in einem Moskauer Hotel Prostituierte auf ein Bett pinkeln ließ, in dem zuvor Obama geschlafen hatte. "Watersportgate" nannten US-Medien den Skandal.

"'Buzzfeed' ist ein scheiternder Müllhaufen"

Das seien "Fake News" wetterte Trump gestern. Die Berichte seien Unsinn, sagte der künftige Präsident. "Kranke Leute haben diesen Scheiß zusammengeschrieben." Das Portal "Buzzfeed" nannte er er einen "scheiternden Müllhaufen“.

Als der "CNN"-Journalist Acosta sich dazu äußern wollte, erteilte ihm Trump eine Abfuhr.

"Herr designierter Präsident, wenn Sie unser Medium angreifen, dann müssen Sie uns eine Frage erlauben!“

"Nein, ich lasse von Ihnen keine Frage zu", entgegnet Trump.

"Sie müssen uns eine Frage erlauben."

"Nein, Sie sind Fake News."

"Sie müssen uns eine Frage zulassen."

"Werden Sie nicht ungezogen!"

"Ungezogen" - das Wort dürfte alle Journalisten zusammenzucken lassen. Denn was ist eine Presse wert, die "gut erzogen" ist? Etwas bizarr an der aktuellen Situation ist, dass in Trump jemand Wahrheit und Klarheit für sich reklamiert, der seit Monaten wiederholt der Lüge überführt wurde. Durch "Watersportgate" wurde er zum Opfer einer Taktik, die er selbst gerne anwendet.

Irgendetwas behaupten, an dem vielleicht ein bisschen was dran ist - dann zwar widerlegt werden, aber irgendetwas bleibt schon hängen. In Stephen Bannon, dem Ex-Chef der stramm konservativen Webseite "Breitbart News", hat der Präsident einen versierten Chefstrategen an seiner Seite.

"Die dunkelste Zeit seit dem Ersten Weltkrieg"

"Die niedrigste Form des Daseins" hatte Trump Journalisten genannt. Auf seinen Veranstaltungen wurden T-Shirts gesichtet, auf denen die Worte prangten "Seil. Baum. Journalist". Es gibt US-Journalisten, die vorsichtig geworden sind, sich öffentlich zu ihrem Beruf zu bekennen.

"Für eine freie Presse und eine Kontrolle der Macht ist dies die dunkelste Zeit in der amerikanischen Geschichte seit dem Ersten Weltkrieg", schreibt Jay Rosen von der New York University.

Extremer ökonomischer Druck, massiver Ansehensverlust, zu viel Entertainment und ein schlingernder Politikjournalismus sind nur einige seiner Argumente. Die Zersplitterung der Meinungen durch soziale Medien und die Professionalisierung interessegeleiteter Kommunikation tun ein Übriges.

"Wie schlimm ist es?", fragte Rosen in einem Beitrag für den Blog "Pressthink.org" vom Dezember. "Ziemlich schlimm." Für die US-Presse ist der Winter schon lange da.

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Mit Material der dpa

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(sk)