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10/01/2017 13:31 CET | Aktualisiert 10/01/2017 13:39 CET

VW-Abgasskandal: Kronzeugen belasten Konzernspitze schwer

Eine Werkstatt von Volkswagen
dpa
Eine Werkstatt von Volkswagen

Im Abgas-Skandal bei Volkswagen ermittelt die Staatsanwaltschaft bereits seit Monaten gegen Ex-VW-Boss Martin Winterkorn und den amtierenden VW-Markenchef Herbert Diess.

Nun kommt heraus: Beide sollen sollen bereits Ende Juli 2015 von den Abgasmanipulationen gewusst, aber wochenlang geschwiegen haben. Nach Informationen von "Süddeutscher Zeitung", NDR und WDR werden Winterkorn Diess schwer belastet.

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Mindestens fünf VW-Beschäftigte haben als Kronzeugen zur Verfügung gestellt

Zwei VW-Beschäftigte aus dem mittleren Management haben als Kronzeugen bei der US-Justiz ausgesagt, dass beide im Sommer 2015 über die Manipulation von Schadstoffmessungen bei Diesel-Fahrzeugen in den USA informiert worden.

Die Konzernspitze habe daraufhin aber keine Initiative ergriffen, um die US-Behörden über die Manipulationen aufzuklären und reinen Tisch zu machen. Vielmehr sei die Vertuschung wochenlang weitergegangen.

Mindestens fünf VW-Beschäftigte haben sich den US-Behörden als Kronzeugen zur Verfügung gestellt. Träfen die Aussagen der beiden Manager zu, die Winterkorn und Diess belasten, dann bekäme die Abgas-Affäre eine neue Dimension.

Zudem hätten Aktionäre von Volkswagen, die den Wolfsburger Autokonzern auf mehr als acht Milliarden Euro Schadenersatz für den Kursverlust ihrer Papiere verklagen, mehr Aussicht auf Erfolg.

Kronzeuge wollte Behörden nicht länger anschwindeln

Bisher hat VW den Fall ganz anders dargestellt. Der damalige Konzernvorstand um Winterkorn habe Ende August, Anfang September 2015 von den gefälschten Abgasmessungen erfahren. Daraufhin seien die Manipulationen den US-Behörden am 3. September 2015 offengelegt worden.

Insbesondere die Aussage des Kronzeugen Nummer 1 bei der US-Justiz steht dem entgegen. Dieser VW-Manager war damals Abteilungsleiter im Bereich Dieselmotoren.

Er hat nach Angaben von Kennern des Falles den US-Ermittlern berichtet, er habe die dortigen Behörden bei einem Termin am 19. August 2015 in den Vereinigten Staaten auf eigene Faust und entgegen den Anweisungen seiner Vorgesetzten über den Betrug informiert. Er habe die Behörden nicht länger anschwindeln wollen.

Jegliches Fehlverhalten wird abgestritten

Nach seiner Rückkehr zu VW nach Wolfsburg seien ihm dort Vorwürfe gemacht worden. Die Aussagen der beiden Kronzeugen, die von der US-Justiz jetzt teilweise veröffentlicht wurden, sollen Winterkorn bekannt sein.

Der Ex-Konzernchef soll die Vorwürfe zurückgewiesen haben. Winterkorn war im September 2015 wegen der Abgas-Affäre zurückgetreten und hatte bereits damals jegliches Fehlverhalten bestritten. Aus Volkswagen-Kreisen heißt es, auch die Anschuldigungen gegen Diess seien falsch. Diess war am 1. Juli 2015 von BMW nach Wolfsburg gewechselt. Er ist für die Marke VW zuständig.

Volkswagen beharrt auf der bisherigen Darstellung, wonach die Manipulationen in den USA dort umgehend bei den Behörden zugegeben worden seien, nachdem der Vorstand davon erfahren habe. "Daran hat sich nach jetziger Kenntnis bis heute auch nichts Wesentliches geändert", erklärte VW am Dienstag auf Anfrage.

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