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09/01/2017 05:06 CET | Aktualisiert 09/01/2017 17:42 CET

"Tauber steht auf Abschussliste": Presse rügt CDU-Generalsekretär für AfD-Vergleich

Die Presse kanzelt CDU-Generalsekretär Peter Tauber für seine Kritik von FDP-Chef Christian Lindner ab
TOBIAS SCHWARZ via Getty Images
Die Presse kanzelt CDU-Generalsekretär Peter Tauber für seine Kritik von FDP-Chef Christian Lindner ab

  • Die Presse kritisiert CDU-Generalsekretär Peter Tauber für seine Kritik an FDP-Chef Christian Lindner

  • Der Vergleich von Lindner mit Gauland zeige Nervosität und sei kontraproduktiv

Die Kritik an CDU-Generalsekretär Peter Tauber wegen seiner Aussagen über den FDP-Chef Christian Linder wird lauter.

Tauber hatte Lindner in einem "Bild"-Interview mit dem AfD-Politiker Alexander Gauland verglichen.

Nicht nur in den eigenen Reihen kam das nicht gut an. Auch in den Medien ist das Echo eindeutig: Den Vergleich hätte sich Tauber besser sparen sollen.

"Ein bösartige Hirngespinst"

Das "Handelsblatt" kommt zu dem Fazit, mit der Aussage habe Tauber sich ein geistiges Armutszeugnis ausgestellt. "Gemeinsamkeiten zwischen dem Freigeist Lindner und dem AfD-Imam Gauland sind ein bösartiges Hirngespinst."

"Handelsblatt"-Herausgeber Gabor Steingart behauptet gar, Tauber stehe nun parteiintern auf der Abschussliste. Ohne Not habe der Generalsekretär einen möglichen Koalitionspartner brüskiert. "Eine Truppe, die mit diesem General ins Gefecht zieht, ist nicht tollkühn, sondern lebensmüde", schreibt er.

Der Vergleich ist kontraproduktiv

Auch in der "Süddeutschen Zeitung" heißt es, der Vergleich sei kontraproduktiv.

Tauber habe im Interview selbst erläutert, wie befremdlich den Menschen das Treiben der Berliner Politiker vorkomme. "Warum er meint, dass Geschwätz wie seines davon ausgenommen sei, bleibt sein Geheimnis", schreibt "SZ"-Journalist Nico Fried.

Gerade in der Auseinandersetzung mit der AfD sei der Vergleich nutzlos.

"Wenn alles irgendwie AfD ist, ist irgendwann nichts mehr speziell AfD.“ In dem besagten Interview hatte Tauber auch Linken-Chefin Sahra Wagenknecht mit der AfD verglichen. Die einfache Gleichsetzung sei das Gegenteil "der viel beschworenen inhaltlichen Auseinandersetzung mit dieser Partei", kommentiert die "SZ".

Nervosität vor dem "Superwahljahr"

Die Lüneburger "Landeszeitung" vermutet, dass hinter Taubers Vergleich Nervosität vor dem "Superwahljahr" stecke. Mit spöttischen Äußerungen wie diesen würden Politiker die Menschen aber nur nerven: "Tauber und Co. sollten endlich registrieren, dass weder Polemik noch Populismus in der Debatte über Sicherheit angebracht sind."

Die regionale Tageszeitung "Neue Westfälische" kommentiert den Schlagabtausch zwischen Tauber und der FDP überrascht, denn beide seien doch eigentlich mögliche Koalitionspartner. Nach dem Interview hatte FDP-Bundesvize Wolfgang Kubicki den CDU-Generalsekretär als "Taubernuss" verspottet.

Die "Neue Westfälische" vermutet: "Dem nicht gerade als Lautsprecher bekannten Tauber ist offenbar der Kamm geschwollen, als er den auf smart getrimmten Auftritt des FDP-Chefs auf dem traditionellen Drei-Königs-Treffen der Liberalen vernahm."

Lindner suche die gezielte Provokation – und Tauber ließ sich provozieren, und schoss ebenso überzogen zurück: "Lindner mag ein Blender sein, ein Gauland-Double ist er sicher nicht."

"Lindner hat ins Schwarze getroffen"

Hintergrund für Taubers Kritik am FDP-Politiker Lindner war dessen Auftritt beim Dreikönigstreffen der Liberalen in Stuttgart. Dort hatte Lindner seine Kritik an der Flüchtlings- und Sicherheitspolitik der Union bekräftigt.

Daraufhin sagte Tauber im Interview, Lindners Auftreten erinnere ihn an den stellvertretenden AfD-Parteichef Gauland. "Er redet teilweise wie Herr Gauland von der AfD. Der einzige Unterschied besteht darin, dass er statt eines abgewetzten Tweed-Sakkos einen überteuerten Maßanzug trägt", so Tauber.

Lindners Aussagen würden die Reaktion von Tauber aber nicht rechtfertigen, befindet ein Kommentar in der "Allgemeinen Mainzer Zeitung". Lindner habe nur etwas Selbstverständliches gefordert: "An deutschen Grenzen sollte wieder geltendes Recht angewandt werden."

Die "Welt" ist sich sicher: Taubers überempfindliche Antwort auf Lindners Kritik zeige, "wie sehr der FDP-Vorsitzende ins Schwarze getroffen hat." Auch bei der Union würden viele der Kanzlerin die Gefolgschaft verweigern.

Die Ironie an der Geschichte zwischen Tauber und Lindner liege darin, dass CSU-Chef Horst Seehofer die CDU-Vorsitzende Merkel in einer viel schärferen Weise politisch attackiert habe, als es Lindner je getan habe. Mit seinem Angriff versuche Tauber, "die offenkundige Spaltung zwischen den Schwesterparteien zu kaschieren, totzuschweigen", heißt es in der "Welt."

"Ich vergleiche ihn nicht mit Gauland"

Auf Facebook ruderte Tauber später zurück.

Die Aufregung über seinen Vergleich sei künstlich. Natürlich habe Lindner in der Flüchtlingskrise teilweise so geredet wie Gauland.

Allerdings habe Tauber seinen Vergleich eben nur auf Linders scharfe Kritik an der Politik der großen Koalition bezogen - nicht auf dessen Person. “Ich kritisiere ihn dafür, aber ich vergleiche ihn nicht mit Herrn Gauland“, schrieb er auf Facebook.

Die Zeitungen sind sich jedenfalls einig: Der Vergleich und seine Reaktion zeigen, dass der Wahlkampf nun endgültig losgegangen ist.

Mit Material der dpa

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