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08/01/2017 08:32 CET | Aktualisiert 08/01/2017 08:41 CET

Grünen-Politikerin kann sich vorstellen, Pflegebedürftigen Prostituierte auf Rezept zu bezahlen

  • Eine Grünen-Politikerin würde es Pflegebedürftigen und Schwerkranken ermöglichen, sich Prostituierte per Rezept bezahlen zu lassen

  • In den Niederlanden gibt es die Möglichkeit bereits

  • Die sogenannte Sexualassistenz ist seit 2004 in Deutschland erlaubt - aber umstritten

Pflegeberdürftige und Schwerkranke könnten die Dienste von Prostituierten in Zukunft per Rezept bezahlt bekommen. Jedenfalls, wenn es nach der Grünen-Politikerin Elisabeth Scharfenberg geht, der Sprecherin für Pflege- und Altenpolitik der Bundestagsfraktion.

Scharfenberg sagte der "Welt am Sonntag": "Eine Finanzierung für Sexualassistenz ist für mich vorstellbar." Sie ist der Meinung: "Die Kommune könnte über entsprechende Angebote vor Ort beraten und Zuschüsse gewähren."

Niederlande sind das Vorbild

Vorbild für diesen Vorschlag sind die Niederlande: Dort haben Pflegebedürftige die Möglichkeit, sich die Dienste von sogenannten Sexualassistenten und –assistentinnen bezahlen zu lassen. Sie müssen dazu mit einem Attest nachweisen, dass sie sich nicht selbst befriedigen können und auch nicht genug Geld haben, um die Leistung selbst zu bezahlen.

Auch in Deutschland gibt es bereits sexuelle Dienstleistung in Altersheimen, unter anderem hatte die Huffington Post darüber berichtet. Allerdings müssen die Menschen die Dienste selbst bezahlen.

Das Konzept ist umstritten

Seit 2004 ist Sexualassistenz in Deutschland erlaubt. Die Dienstleistung ist aber noch immer umstritten. Es ist beispielsweise nicht klar, wo die Grenze zwischen Prostitution und Sexualbegleitung verläuft und welche Ausbildung die Anbieter benötigen. Unter anderem hatte sich Pro Familia dem Thema mit einer ausführlichen Analyse gewidmet.

Der Pflegeforscher Wilhelm Frieling-Sonnenberg bezeichnete das Konzept im Gespräch mit der "Welt am Sonntag" als "menschenverachtend": "Da geht es allenfalls darum, Menschen durch sexuellen Druckabbau wieder funktionstüchtig machen zu wollen."

Die Sexualberaterin für Pflegeheime Vanessa del Rae sagte dem Blatt dagegen, die Dienstleistungen seien ein "Segen" für die Heimbewohner.

Kommt der Vorschlag zur rechten Zeit?

Egal, wie man das Konzept bewertet, stellt sich die Frage: Kommt dieser Vorschlag der Grünen zur rechten Zeit?

Die Partei hat nach dem Terroranschlag in Berlin und der Debatte rund um dem Polizeieinsatz an der Silvesternacht in Köln andere Sorgen: Sie muss versuchen, ein überzeugendes Profil für die Bundestagswahl zu finden. Zu einer einheitlichen Linie zum Thema Sicherheit konnten sich die Politiker der Grünen bisher jedoch nicht durchringen.

Mehr zum Thema: BLOG: Freiheit ohne Sicherheit gibt es nicht

Überzeugen konnte das die Wähler bisher nicht - im Gegenteil. Nach den kritischen Worten der Grünen-Chefin Simone Peter zum Polizeieinsatz in Köln wurden die Grünen in einer Umfrage abgestraft: Zwei Prozentpunkte weniger, die Partei landete bei mageren neun Prozent.

Der Oberbürgermeister Tübingens, Boris Palmer (Grüne), warnt nun auch am Sonntag davor, dass die Grünen bei der Bundestagswahl Wechselwähler verlieren könnten.

Der Vorschlag Scharfenbergs könnte heftige Diskussionen auslösen, obwohl er vermutlich nur eine überschaubare Zielgruppe betrifft.

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