POLITIK
08/01/2017 10:36 CET | Aktualisiert 08/01/2017 10:48 CET

Rechter Terror: Expertin warnt vor "fürchterlicher Explosion" von Attentaten

Wolfgang Rattay / Reuters
Rechter Terror: Expertin warnt vor "fürchterlicher Explosion" von Anschlägen

Der islamistische Terror ist in Deutschland angekommen. Spätestens seit dem Anschlag in Berlin im Dezember herrscht darüber traurige Gewissheit.

Dass Deutschland noch immer ein ganz anderes verheerendes Terror-Problem hat, gerät dabei dieser Tage fast in Vergessenheit. Journalistin Andrea Röpke will das verhindern. Sie veröffentlicht kommende Woche ihr "Jahrbuch rechte Gewalt".

Darin zeichnet sie ein verstörendes Bild eines rechten Terrors von neuer Qualität, der Deutschland abseits des großen Medienechos überzieht.

Dem Deutschlandradio Kultur sagte Röpke: "Wir haben die fürchterliche Explosion rechter Anschläge auf Flüchtlingseinrichtungen. Wir haben Angriffe auf Helfer, die erschreckend sind, Parteibüros und so weiter. Dieser Alltagsterror ist längst da, nur gerät er natürlich immer wieder in den Schatten der aktuellen Ereignisse."

Schlimme Ereignisse der 90er-Jahre könnten sich wiederholen

Die Expertin sieht eine Wiederholung der Ereignisse der 90er-Jahre, als Neonazis bei Brandanschlägen gegen Asylbewerberheime im Osten der Bundesrepublik mehrere Menschen, darunter Kinder, töteten.

Besonders besorgniserregend: Röpke glaubt, die bürgerliche Mitte lasse sich mittlerweile von Rechtsextremen zu Straftaten motivieren. Die Journalistin erklärt: "Wir haben Brandstifter zum Beispiel in Schleswig-Holstein, tatsächlich ein bürgerlicher Familienvater, ein Finanzbeamter, der auf einmal eine Flüchtlingsunterkunft ansteckt."

Für das neue Jahr befürchtet Röpke ein Anhalten der Gewaltwelle – die Verantwortung dafür trügen auch die Politik und die Behörden. Der Verfolgungsdruck sei nicht groß genug.

Bereits bei den Aufmärschen der rechten Bürgerbewegung Pegida zeige sich dies. Gerade jüngere Polizisten, wie sie in der Bereitschaftspolizei arbeiteten, seien "überhaupt nicht informiert". "Die haben ganz, ganz wenig Grundkenntnisse, sprich, von Prävention schon mal gar keine Ahnung."

(sk)