WIRTSCHAFT
08/01/2017 17:39 CET | Aktualisiert 08/01/2017 17:47 CET

Immer mehr Rentner arbeiten bis ins hohe Alter weiter – die Gründe sind oft anders, als man denkt

Immer mehr Rentner arbeiten bis ins hohe Alter weiter – die Gründe sind oft anders, als man denkt
Andrew Hetherington via Getty Images
Immer mehr Rentner arbeiten bis ins hohe Alter weiter – die Gründe sind oft anders, als man denkt

Es ist eine Zahl, die auf den ersten Blick beunruhigt.

Die Anzahl der Beschäftigten in Deutschland, die auch jenseits der gesetzlichen Altersgrenze einer sozialversicherungspflichtigen Tätigkeit nachgehen, ist auf über 200.000 gestiegen. Dies ist ein Anstieg von über 52 Prozent seit dem Jahr 2011, schreibt die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" unter Berufung auf die jüngsten Daten der Agentur für Arbeit in Nürnberg.

Doch die Gründe dafür sind oft anders, als man vermuten könnte. Es ist nicht so, dass alle Senioren, die über die Pflichtdauer hinaus arbeiten, dies tun, um der Altersarmut zu entkommen. Denn: Studien zeigen, dass viele der Länger-Arbeiter es wirtschaftlich gar nicht nötig haben.

Das Deutsches Zentrum für Altersfragen zeigte so im vergangenen Jahr mit einer Studie, dass unter den arbeitenden Senioren viele höher Gebildete sind. Während von den 40- bis 65-Jährigen mit niedriger Bildung nur 50,6 Prozent erwerbstätig waren, lag der Anteil bei Personen mit mittlerem Bildungsniveau im Jahre 2014 bei 70,8 Prozent – bei Menschen mit hohem Bildungsabschluss sogar bei 81,5 Prozent.

Daran hat sich in den vergangenen Jahren offenbar wenig geändert: Bereits 2012 kam das Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zu ähnlichen Ergebnissen.

Deutlich mehr Rentner arbeiten als Selbstständige

Neben den sozialversicherungspflichtigen Normalarbeitsverhältnissen spielen vor allem sogenannte Minijobs und die Selbstständigkeit eine große Rolle. Laut der Agentur für Arbeit gehen zusätzlich zu den 200.000 Arbeitenden über 899.000 Menschen im Rentenalter einen Minijob nach.

Im zurückliegenden Jahr gab es nach Informationen des europäischen Statistikamtes Eurostat in Deutschland insgesamt 350.000 Selbständige im Alter von 65 bis 74 Jahren. Der deutliche Anstieg von 40 Prozent bei den Selbstständigen erklärt sich nicht mit Unternehmern, die Probleme haben Nachfolger zu finden. Viel eher will die Mehrzahl der Rentner auch im Ruhestand weiter beruflich aktiv bleiben.

Altersarmut bleibt ein Problem

Kaum Auswirkungen zeigt bislang das kürzlich beschlossene Gesetz zur Flexirente. Die Neuregelungen treten stufenweise erst im Lauf dieses Jahres in Kraft. Von den insgesamt 5,2 Millionen Menschen zwischen 60 und 65 Jahren gehen laut Agentur für Arbeit 37,5 Prozent einer sozialversicherungspflichtigen Arbeit nach, inklusive aller Erwerbsformen liegt sie bei rund 60 Prozent.

Obwohl oft andere Gründe als wirtschaftliche Not für eine verlängerte Arbeitszeit verantwortlich sind, das Problem der Altersarmut in Deutschland bleibt akut. Mehr als eine halbe Million Rentner in Deutschland sind wie Weiß auf die Grundsicherung angewiesen, die meisten von ihnen sind Frauen. Die Zahl dieser Bedürftigen ist in den vergangenen zehn Jahren massiv gestiegen, um weit mehr als die Hälfte.

In der Huffington Post hat eine Betroffene ihre Geschichte geschildert