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08/01/2017 15:08 CET | Aktualisiert 27/02/2017 08:09 CET

Nobelpreis-Ökonom erklärt, weshalb Entwicklungshilfe wirkungslos ist

Antony Njuguna / Reuters
Nopelpreis-Ökonom erklärt: Darum ist Entwicklungshilfe wirkungslos

  • Der Nobelpreis-Ökonom Angus Deaton wirft dem Westen vor, mit Entwicklungsländern falsch umzugehen

  • Entwicklungshilfe wirke sich im Durchschnitt negativ auf die Länder aus

  • Außerdem warnte er die Wähler Donald Trumps vor einer Enttäuschung

Nobelpreis-Ökonom Angus Deaton wirft dem Westen schwere Fehler im Umgang mit den ärmeren Staaten der Welt vor. Gerade die Entwicklungshilfe würde eigentlich das Gegenteil dessen erreichen, was sie verspreche.

"Entwicklungshilfe wirkt negativ. Jedenfalls, wenn Sie es im Durchschnitt betrachten", sagt Deaton im Gespräch mit der "Süddeutschen Zeitung".

Gelder für Afrika hätten nichts gebracht

Die Hunderte Milliarden Dollar, die beispielsweise nach Afrika gegangen seien, hätten kaum etwas gebracht. "Es fließt viel Geld an Länder, in denen die Regierung zu einem großen Teil von ausländischen Geldgebern abhängt. Wir sollten niemals Entwicklungshilfe an ein Land zahlen, dessen Regierung sich zu mehr als sagen wir 25 Prozent aus dem Ausland finanziert", sagt Deaton zu Begründung.

Im Dezember 2015 hatte die europäische Union den afrikanischen Ländern rund zwei Milliarden Euro zugesagt, um Menschen von der Flucht nach Europa abzuhalten. Insgesamt sollen 23 Länder von den Mitteln profitieren. Darunter auch die Diktatur Eritrea.

Entwicklungshilfe für Dikaturen sei laut Deaton aber völlig nutzlos. Er findet im Interview einen anschaulichen Vergleich dafür:

"Stellen Sie sich vor, Sie leben in einem Haus in Deutschland. Ein ziemlicher schräger Typ kauft das Haus nebenan, er gehört einen merkwürdigen Kult oder einer Sekte an, die glaubt, dass Frauen Sklavinnen des Mannes sind. Der Nachbar unterdrückt seine Frau, die beiden haben kaum Geld. Was können Sie tun, um das Leben der Frau zu verbessern? Sollten Sie ihrem Mann Geld geben? Diese Analogie passt gut zu manchen Diktatoren in Afrika, die sich überhaupt nicht um ihre Bevölkerung scheren."

Das Geld komme also nicht bei denen an, die es am meisten bräuchten. Auch der Umweg über eine NGO könne den Missbrauch der Gelder nicht ausschließen, sagt Deaton.

Mohamed Yahya, der für die Vereinten Nationen Entwicklungsprogramme in Afrika koordiniert, bezweifelte gegenüber der Zeitung “Washington Post” im Sommer dann auch, ob das Projekt der EU für Afrika etwas bringe: “Die politische Situation in den afrikanischen Ländern treibt die Menschen in die Flucht. Wird das Geld aus der EU das beenden? Ich glaube nicht.”

Mehr zum Thema: BLOG: Warum Entwicklungshilfe grundlegend falsch ist

Die eine Hand zerstört, was die andere schafft

Die westlichen Staaten würden in ihren Bemühungen um die ärmeren Länder oft widersprüchlich handeln, sagt Deaton weiter der "Süddeutschen Zeitung".

"Ich habe nie verstanden, warum europäische Staaten an so viele Regime Waffen verkaufen, denen sie gleichzeitig Entwicklungshilfe zahlen", sagt er. "Oder warum sie Zölle auf deren Produkte erheben."

Der Irak ist ein Beispiel für die Aussage Deatons. Das Land gehörte in der ersten Jahreshälfte 2016 zu dem drittgrößten Bestimmungsland von deutschen Exporten für Kleinwaffen. Mit solchen Waffen werden in Bürgerkriegen wie in Syrien die meisten Zivilisten getötet - in einem Konflikt, der die gesamte Region destabilisiert.

Gleichzeitig stellte Deutschland dem Irak seit August 2014 mehr als 170 Millionen Euro für entwicklungspolitische Maßnahmen zur Verfügung. "Als würden sie mit der einen Hand zunichtemachen, was die andere schafft", sagt Deaton über ein solches Verhalten.

Mehr zum Thema: Die Ebola-Krise zeigt, wie wichtig Entwicklungshilfe für die ärmsten Länder der Welt ist

Trump wird die Wähler enttäuschen

Der Ökonom warnte auch die Wähler des neuen US-Präsidenten Donald Trump vor Enttäuschungen. "Seine Wähler genießen es vielleicht, dass er Präsident ist und das Establishment in Washington angeht. Aber einige Dinge kann er nicht schaffen: Jobs in der Kohleförderung zurückbringen, oder überhaupt Industriejobs in nennenswerter Zahl."

Außerdem gebe es viel Unsicherheit über das, was Trump vorhabe. "Bei einem Handelskrieg mit China etwa gewinnt keiner."

Vor Deaton haben auch schon andere Ökonomen Befürchtungen ausgesprochen, dass der Wirtschaftsplan des künftigen Präsidenten nicht aufgehen werde."Dinge versprechen, die man nicht einhalten kann, wird letztlich die Wählerschaft enttäuschen", sagte Jared Bernstein, ehemaliger Wirtschaftsberater von Vize-Präsident Joe Biden, der Huffington Post USA.

Er bezog sich dabei auf Trumps Schwur, Arbeitsplätze in den Kohle-Minen zurückzubringen. Dabei seien die Jobs in Wirklichkeit für immer verschwunden - und auch Trump könne sie nicht zurückbringen.

Mehr zum Thema: Donald Trump: Die Welt glaubt, dass er verrückt ist - und das ist Teil seines Plans

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