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07/01/2017 04:20 CET | Aktualisiert 10/01/2017 15:52 CET

Russischer Soziologe: "Putin will Merkel stürzen"

  • Der russische Soziologe Igor Eidman behauptet, Russland wichtigstes Ziel sei es, Bundeskanzlerin Angela Merkel zu stürzen

  • Der Kreml wolle dazu Einfluss auf die nächste Bundestagswahl nehmen

Der russische Präsident Wladimir Putin selbst hat angeordnet, den Ausgang der amerikanischen Präsidentschaftswahl zu beeinflussen. Diese Einschätzung machten die US-Geheimdienste am Freitag öffentlich.

Auch Deutschland muss sich darauf einstellen, dass der Kreml sich massiv bei der nächsten Bundestagswahl einmischt, glaubt der russische Soziologe Igor Eidman. Und er geht noch einen Schritt weiter: Deutschland sei das Hauptziel der russischen Propaganda.

Russland versucht die öffentliche Meinung zu beeinflussen

Eidman ist ein Cousin des 2015 ermordeten Oppositionsführers Boris Nemzow. Seit mehreren Jahren lebt er im Exil in Deutschland und beobachtet die Tätigkeiten des Kremls.

Er behauptet, Russland versuche gezielt Einfluss auf die öffentliche Meinung zu nehmen - mit nur einem Ziel: "Die Situation in Deutschland zu destabilisieren, Extremisten zu helfen, den Feinden der Demokratie ermöglichen, in die Köpfe der Deutschen einzudringen", sagt Eidman in einem Interview dem Nachrichten-Portal "Focus Online".

Um das zu erreichen, würde Moskau die Stimmung gegen Immigranten weiter anheizen. Das Ziel dahinter ist für Eidman offensichtlich: "Wichtigste taktische Aufgabe ist der Sturz Merkels."

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Bestechung und Propaganda

Sollte Putin Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit ihm gegenüber loyalen Kräften ersetzen können, würden die Russland-Sanktionen höchstwahrscheinlich abgeschafft und die EU-Politik gegenüber Moskau sich grundlegend ändern.

Um das zu erreichen würde der Kreml einmal Politiker bestechen und "Moskau-freundliche Kandidaten bei Wahlen" unterstützen. Und andererseits eine besondere Informations-Kampagne auf die drei bis vier Millionen russischsprachigen Menschen in Deutschland richten.

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Eidman nannte als bekanntestes Beispiel für die gezielte Einflussnahme aus Russland auf die öffentliche Meinung in Deutschland die erfundene Vergewaltigung der 13-jährigen Lisa in Berlin. Damals hatte ein Mädchen behauptet, von Migranten vergewaltigt worden zu sein.

Der russische Außenminister warf den deutschen Medien und Politikern vor, sie würden Probleme mit Migranten vertuschen wollen. 700 überwiegend russischstämmige Menschen demonstrierten daraufhin in Berlin gegen Ausländerkriminalität.

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"Der Putinismus will das Rad der Zeit zurückdrehen"

Eidman geht davon, dass der Kreml "eine ganze Armee von Internet-Trollen" auf die Beine stellen wird, um im deutschsprachigen Internet seine Position zu verbreiten.

"Der Kreml gibt viel Geld aus, um die öffentliche Meinung in Deutschland zu beeinflussen", sagt er. Laut seinen Informationen habe die russische Regierung in Berlin ein größeres PR-Budget als in Moskau.

Eidmann warnt davor, dass sich der von ihm sogenannte "Putinismus" 2017 in Europa weiter verbreite. Es sei kein Zufall, dass der russische Präsident und die rechten Kräfte in Europa an vielen Orten zusammenarbeiten könnten.

"Der Putinismus und die Ultrarechten haben den Wunsch gemeinsam, das Rad der Geschichte zurückzudrehen. Weg von der Globalisierung zurück zur nationalen Isolation, von Toleranz zurück zu Xenophobie, Nationalismus statt Multikulti", sagt er.

Bereits seit Monaten wird davor gewarnt, dass Russland in den Wahlkampf eingreifen könnte.

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