NACHRICHTEN
06/01/2017 09:29 CET

Schluss mit den Fahrscheinen: Dobrindt fordert digitale Tickets als bundesweiten Standard

Schluss mit den Fahrscheinen: Dobrindt fordert digitale Tickets als bundesweiten Standard
Pacific Press via Getty Images
Schluss mit den Fahrscheinen: Dobrindt fordert digitale Tickets als bundesweiten Standard

  • Das Verkehrsministerium will die Papiertickets im Nahverkehr abschaffen

  • Laut Ministerium haben 370 Verkehrsunternehmen bereits zugestimmt

  • Bis 2019 sollen Papierfahrkarten in öffentlichen Verkehrsmitteln überflüssig sein

Handytickets und elektronische Chipkarten für Busse und Bahnen sollen laut Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) zukünftig zum Standard in Deutschland werden.

Das Ziel sei, "Insellösungen" einzelner Unternehmen oder Verbünde des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) zu vermeiden, die hinterher gar nicht mehr oder nur zu hohen Kosten vernetzbar seien. Das teilte das Ministerium am Freitag in Berlin mit.

Obwohl die Zuständigkeit für Planung, Organisation und Finanzierung des ÖPNV bei Ländern und Kommunen liege, mache Mobilität aber nicht vor Verbund- und Landesgrenzen halt, betonte das Ministerium.

Daher brauche man "deutschlandweit nutzbare Mobilitätsplattformen, die überregional und länderübergreifend Fahrgastinformationen verknüpfen und die Buchung von eTickets ermöglichen", erklärte Dobrindt.

Ein 16-Millionen-Euro-Projekt

Sein Haus fördert diese digitale Vernetzung im ÖPNV mit einem eigenen Programm. Von Januar 2017 bis September 2018 seien für zwölf neue Verbundprojekte insgesamt 16 Millionen Euro vorgesehen.

Bis 2019 sollten Nutzer von Bussen und Bahnen in nahezu allen deutschen Städten keine Papierfahrscheine mehr ziehen müssen, schrieben die Zeitungen der "Funke Mediengruppe" am Freitag unter Berufung auf einen Aktionsplan des Verkehrsministeriums.

Die Initiative ziele darauf ab, dass Fahrgäste mit einem elektronischen Ticket im Scheckkartenformat oder mit einer Handy-App Bus und Bahn fahren könnten und öffentliche Verkehrsmittel so attraktiver werden.

Derzeit haben nach Angaben des Ministeriums bundesweit etwa 370 Verkehrsunternehmen einen Teilnahmevertrag für die Initiative "(((eTicket Deutschland" unterzeichnet. Rund 14 Millionen Chipkarten auf Basis der gemeinsamen Standards seien an Kunden ausgegeben worden.

Dobrindt: "Wir müssen die Digitalisierung voranbringen"

Laut dem Verband Deutscher Verkehrsunternehmen sei es in 239 der 402 Kreise und kreisfreien Städte in Deutschland (knapp 60 Prozent; gemessen an der dortigen Wohnbevölkerung 72 Prozent) möglich, ein eTicket mit einer Chipkarte oder einem Mobiltelefon zu nutzen.

"Der Nahverkehr wird täglich von vielen Millionen Menschen genutzt. Wir müssen die Digitalisierung und die Vernetzung in diesem Bereich voranbringen", sagte Dobrindt.

Eine Evaluierung habe ergeben, dass es das eTicket als standardisierte und technologieoffene Lösung ohne die 2008 gestartete Förderinitiative des Bundes nicht geben würde, hieß es aus dem Ministerium. Ansonsten hätten sich nur zahlreiche voneinander isolierte Einzelsysteme herausgebildet.