LIFE
05/01/2017 10:41 CET

Forscher lösen Geheimnis der "Blutfälle" in der Antarktis

Ein blutender Gletscher? Ja, den gibt es wirklich! Dunkelrote Ströme, die sich aus dem Eis der Antarktis ergießen, galten lange als ein Mysterium. Die sogenannten "Blood Falls", die an fließendes Blut erinnern, sind seit 1911 bekannt.

Die frühen Polarforscher vermuteten, dass rote Algen für das Phänomen verantwortlich sein könnten.

Von Zeit zu Zeit brechen sie wie ein Wasserfall aus der Wand des Taylor-Gletschers hervor

Forscher scheinen jetzt endlich eine Antwort auf das Geheimnis zu haben. (Mehr über ihre Entdeckung erfahrt ihr auch im Video oben.)

Nicht Algen, sondern Eisen hat das Wasser rötlich gefärbt.

Kaum vorstellbar: Unter dem dicken Eis tummelt sich Leben. Freigesetzt – und jetzt wird es spannend – wurde es nämlich von uralten Mikroorganismen, die in einem eingeschlossenen unterirdischen See 1,5 bis 4 Millionen Jahre isoliert von der Umwelt überlebten.

Wie kommt es jedoch zu den Blutströmen?

Ganz einfach: Weil es in ihrer unterirdischen Heimat kein Tageslicht gibt, können die Mikroben keine Photosynthese betreiben.

Die Bakterien unter dem Eis müssen sich deswegen mit Kohlenstoff, vor allem aber Schwefel und Eisen begnügen. Mit Hilfe der Elektronen aus dem Eisen wandeln die Bakterien dann Sulfat zu Sulfit um. Aus diesem Prozess gewinnen sie die Energie, die sie zum Überleben benötigen.

Forscher entdecken ein unterirdisches System

Und es kommt noch besser: Nun scheint sogar herausgekommen zu sein, dass die Blutströme Teil eines, bisher unerforschten, unterirdischen Systems von salzigen Seen und Grundwasserträgern sind.

Die Mikrobiologin Jill Mikucki von der Universität Tennessee war Teil eines Teams von internationalen Forschern, die flüssiges Wasser 300 Meter unterhalb der gefrorenen Oberfläche entdeckten.

Die Wissenschaftler erwarten, dass das Ökosystem ähnliche mikrobielle Gemeinschaften wie das im Grundwasser gefundene Leben beherbergt.

Mehr zum Thema: Forscher entdecken blaue Wolken über der Antarktis - sie deuten auf eine Katastrophe hin

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(lk)