POLITIK
05/01/2017 01:43 CET | Aktualisiert 05/01/2017 01:46 CET

Anis Amri: Berlin-Attentäter hatte offenbar Unterstützer

Die Ermittlungen weisen darauf hin, dass der Berlin-Attentäter Unterstützer hatte
DPA
Die Ermittlungen weisen darauf hin, dass der Berlin-Attentäter Unterstützer hatte

Die Ermittlungen nach dem Attentat auf den Weihnachtsmarkt auf dem Breitscheidplatz am 19. Dezember zeigen, dass der Angreifer Anis Amri offenbar auf die Hilfe von Unterstützern zurückgreifen konnte. Der IS-Attentäter wurde anscheinend von einem professionellen Islamisten-Netzwerk unterstützt.

Die Gruppe um den Prediger Abu Walaa, zu der auch Amri Kontakt hatte, bot laut Insidern ein "Full-Service-Paket" für selbst ernannten Gotteskrieger an. Das berichtet der "Kölner Stadtanzeiger" unter Berufung auf Informationen des Landeskriminalamts Düsseldorf.

"Gefälschte Ausweise, Kontaktnummern, Unterschlupfmöglichkeiten"

Die Islamisten erhielten gefälschte Ausweise, Kontaktnummern von Schleusern und Hinweise zu als Taxifahrer getarnten Verbündeten sowie zu Unterschlupfmöglichkeiten an der türkisch-syrischen Grenze.

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Auch ein "IS-Bürge", ohne den man bei der Terrororganisation nicht anheuern kann, werde Ausreisewilligen vermittelt, heißt es in Unterlagen, die der Zeitung vorliegen. Für die Reisen sei auch Geld zur Verfügung gestellt worden, das vom NRW-Netzwerk durch Einbrüche sowie Betrügereien mit Handy- oder iPad-Verträgen sowie aus Spenden generiert worden sei.

Der Attentäter Amri hat NRW-Ermittlern zufolge mehrfach Anschläge angekündigt. So erhielt das Landeskriminalamt Düsseldorf im Frühjahr 2016 Berichte darüber, dass der 24-Jährige andere Personen auffordere, mit ihm gemeinsam Attentate in Deutschland zu begehen.

Amri wollte sich "großkalibrige Schnellfeuergewehre" beschaffen

Im Internet soll Amri nach Anleitungen zum Bombenbau gesucht haben. Außerdem wolle er sich "großkalibrige Schnellfeuergewehre" beschaffen, notierten die Fahnder. Im Juli 2016 berichtet ein Undercover-Agent dem LKA Düsseldorf, Amri habe damit geprahlt, ein Blutbad anzurichten. Erneut habe er "mehrfach davon gesprochen, Anschläge zu begehen".

Die Polizei hat unterdessen einen möglichen Helfer Amris festgenommen. Der Tunesier sei nach dem Anschlag vom 19. Dezember als "Gefährder" eingestuft worden, berichten "Süddeutsche Zeitung", WDR und NDR. Der 26-Jährige hatte mit Amri am Vorabend des Attentats in einem Restaurant zu Abend gegessen.

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Nach RBB-Informationen war der Mann zuvor als "relevante Person" eingestuft worden. Das bedeute, die Behörden hielten ihn nicht für einen potenziellen Attentäter, sondern für einen Unterstützer und radikalen Islamisten.

Nach Angaben der "Süddeutschen" war er zusammen mit Amri aus Tunsien eingereist und galt als radikaler Salafist. Amri soll bei ihm in einer Flüchtlingsunterkunft in der Berliner Motardstraße gelegentlich übernachtet haben. Dort wurdeder Tunesier auch vorläufig festgenommen.

Verdächtiger Tunesier war bereits polizeibekannt

Gegen den Mann war am Mittwoch Haftbefehl ergangen - allerdings nur wegen des Verdachts auf Betrug beim Bezug von Sozialleistungen. Der Tunesier wird verdächtigt, von Amris Plänen für den Anschlag gewusst zu haben, bei dem zwölf Menschen getötet wurden.

Die Anhaltspunkte reichten aber "derzeit nicht für einen dringenden Tatverdacht aus", sagte die Sprecherin der Bundesanwaltschaft, Frauke Köhler, am Mittwoch.

Der Tunesier ist bereits polizeibekannt. Er war im November 2015 schon einmal in Berlin festgenommen worden. Der Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft, Martin Steltner, sagte der RBB-Abendschau, gegen ihn sei wegen einer schweren staatsgefährdenden Straftat ermittelt worden.

Er habe damals gemeinsam mit zwei weiteren Männern im Verdacht gestanden, Sprengstoff für einen Anschlag in Düsseldorf besorgt zu haben. Bei der Durchsuchung eines Fahrzeugs in Berlin-Britz und einer Moschee in Berlin-Charlottenburg hätten die Ermittler jedoch keine Beweise gefunden.

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