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04/01/2017 05:27 CET | Aktualisiert 04/01/2017 06:48 CET

Chef des Zentralrats der Muslime: "Frauen mit Kopftuch werden bespuckt, beleidigt, drangsaliert"

Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek, beklagt das teilweise beschämende Verhalten der Deutschen gegenüber Muslimen (siehe auch Video oben).

“Frauen mit Kopftuch”, klagt Mazyek, “werden bespuckt, beleidigt, drangsaliert.”

Die zunehmende Feindseligkeit, wie Mazyek der Zeitung der "Welt" sagte, sei schon nach den Anschlägen von Paris und Nizza verstärkt aufgetreten und nähmen nun weiter zu.

Studie zeigt: Islamfeindlichkeit in Deutschland gestiegen

Eine Studie der Universität Leipzig kam schon im Juni 2016 zu dem Ergebnis, dass sich die Islamfeindlichkeit in Deutschland während der letzten zwei Jahre deutlich verstärkt hat.

Die Umfrage zeigt: 41,4 Prozent der Deutschen sind der Meinung, dass muslimische Zuwanderung nach Deutschland untersagt werden sollte.

Vor sieben Jahren machte lediglich jeder Fünfte eine solche Aussage.

Unter den Wählern der AfD ist die Zustimmung für ein Einwanderungsverbot für Muslime mit 85,9 Prozent am größten. Grüne Wähler stimmten nur zu 24,7 Prozent zu.

Die Islamfeindlichkeit zeigt sich auch in anderen Zahlen.

Nach Informationen des deutschen Innenministeriums, die der "Taz" vorliegen, gab es 2016 insgesamt 24 politisch motivierte Angriffe auf islamische Gebetshäuser.

Rechtsstaatlichkeit muss verteidigt werden

Die Untersuchungen zeigen: Mazyeks Besorgnis ist begründet. Er fürchtet, dass es vor allem Trittbrettfahrer seien, Rechtsextremisten und Populisten, die jetzt versuchten "ihren Schritt zu machen" und die Gesellschaft zu spalten.

Mazyek stellte jedoch klar: Man dürfe jetzt nicht das Geschäft der Terroristen betreiben. Stattdessen gelte es zusammen zu stehen und die Freiheit und Rechtsstaatlichkeit zu verteidigen, die wir genießen.

"Ich bin sehr froh und danke Gott, dass wir in Köln und anderswo in Deutschland friedlich Silvester feiern konnten - auch weil unsere Polizei und Rettungskräfte großartige Arbeit geleistet haben", sagte Mazyek der Welt.

Schrille Empörungsdebatten wie nach dem Polizeieinsatz am Kölner Hauptbahnhof seien jetzt nicht angebracht.

Gleichzeitig gesteht Mazyek ein, dass auch auf muslimischer Seite noch einiges getan werden könne, um die Situation zu verbessern. Zum Beispiel mit professioneller Präventionsarbeit.

Ein zentrales Problem sei mittlerweile, dass ein Großteil der aus Syrien und dem Irak stammenden Flüchtlingen, die nun nach Deutschland kommen, nicht in einer Demokratie, sondern in Diktaturen sozialisiert worden seien.

“Das kriegt man so schnell nicht aus dem Kopf”, meint Mazyek.

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