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04/01/2017 12:31 CET | Aktualisiert 01/06/2017 07:25 CEST

In Frankreich ist jetzt jeder Mensch Organspender – warum auch Deutschland diesen Schritt gehen muss

In Frankreich ist jeder Mensch Organspender.
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In Frankreich ist jeder Mensch Organspender.

In Frankreich ist ein neues Gesetz in Kraft getreten, das für Aufsehen sorgt. Es soll den Menschen helfen, die auf eine Organspende angewiesen sind, um überleben zu können: Seit dem 1. Januar dieses Jahres gelten alle Franzosen nach ihrem Tod automatisch als Organspender, wenn sie zuvor keine Widerspruchserklärung abgegeben haben.

Dafür müssen sich die französischen Bürger vor ihrem Tod in das Widerspruchsregister eintragen oder ihren Angehörigen gegenüber ausdrücklich mitteilen, dass sie nicht wünschen, dass ihre Organe gespendet werden.

Frankreich hat beim Thema Organspende den Spieß umgedreht

Bis jetzt haben sich laut der britischen Nachrichtenseite "Guardian“ 150.000 Personen in das Register eingetragen. Das heißt im Klartext, dass unserem Nachbarland ab jetzt viel mehr potentielle Organspender zur Verfügung stehen als vorher, weil die Regierung den Spieß einfach umgedreht hat.

Frankreich hofft, mithilfe des neuen Gesetzes den Menschen das Leben retten zu können, die dringend eine Organspende brauchen. Denn in ganz Europa gibt es tausende Menschen, die ein neues Organ benötigen – und keines bekommen.

In Deutschland warten 10.000 Menschen auf ein Spender-Organ

In Deutschland warten etwa 10.000 Menschen auf ein Spender-Organ. "Alle acht Stunden stirbt ein Mensch, weil kein passendes Organ gefunden werden kann. Vielen von ihnen könnte geholfen werden, wenn mehr Menschen einen Organspendeausweis mit sich tragen würden“, sagte Gesundheitsminister Hermann Gröhe laut der "Augsburger Allgemeinen Zeitung“.

Zwar sind laut der Zeitung 81 Prozent aller Deutschen dem Thema Organspende gegenüber aufgeschlossen – jedoch besitzt nur gut ein Drittel der Bevölkerung einen Spendeausweis. Deutschland liegt damit weit unter dem Durchschnitt in der Europäischen Union.

Frankreich als Vorbild?

Das kann auch an dem Transplantationsskandal im Jahre 2012 liegen, bei dem Transplantationszentren in Betrugsfälle verwickelt waren. Seitdem wurde das Gesetz reformiert und die Regierung hofft nun, dass in der Bevölkerung das Vertrauen zum Organspende-Prozess wieder wächst. "Es hilft, das Geschenk des Lebens weiterzugeben, wenn es darauf ankommt“, so Gröhes Appell.

Für Deutschland wäre es deshalb auch ein wichtiger Schritt, darüber nachzudenken, es Frankreich gleich zu tun – und Menschenleben zu retten. Allerdings muss vorher in der Bevölkerung wieder Vertrauen in das Vergabesystem von Organspenden und in die Todesdiagnose aufgebaut werden - sonst könnten viele Bürger das Gefühl bekommen, überrumpelt zu werden.

Bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung könnt ihr euch über Organspenden informieren.

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(lk)