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03/01/2017 14:15 CET | Aktualisiert 01/09/2017 21:58 CEST

Trump und die Bombe: Warum seine Pläne für den Iran so gefährlich sind

Anadolu Agency via Getty Images
Der designierte US-Präsident Donald Trump hat gefährliche Pläne für den Iran

"Der schlechteste Deal, der jemals verhandelt wurde." So nannte der zukünftige US-Präsident Donald Trump das Mitte 2015 in Wien erreichte Abkommen zum Atomprogramm des Iran.

Während des Wahlkampfes erklärte er, es habe für ihn Priorität, das Abkommen mit dem Iran schnellstmöglich rückgängig zu machen. Sein Vorwurf: Washington hat sich von Teheran hinters Licht führen lassen.

Nun, da Trumps Amtsantritt näher rückt, steht auch das Thema Iran wieder auf der Tagesordnung. Wie Trump vorgeht, könnte Folgen für uns alle haben: Sollte die USA den Atomdeal aufkündigen könnte das eine Kettenreaktion auslösen an dessen Ende beängstigendes Szenario steht.

Amerikanische Top-Wissenschaftler sprechen sich für eine Beibehaltung des Abkommens aus

Vor einem solchen Szenario warnen jetzt 37 der renommiertesten US-Wissenschaftler in einem offenen Brief an Trump. Unter ihnen sind Nobelpreisträger, ehemalige Wissenschaftsberater des Weißen Hauses und Entwickler der amerikanischen Nuklearwaffen.

Iran wird schnell keine Atombombe produzieren können

Laut den Wissenschaftlern hat der Deal schon jetzt positive Folgen - die zunichte gemacht würden, sollte der Vertrag aufgekündigt werden.

Schon jetzt habe der Iran, wie im Abkommen festgelegt, zwei Drittel seiner Uran-Anreicherungs-Kapazität heruntergefahren. Dazu werden hochentwickelte Zentrifugen verwendet, deren Betrieb nun zum Großteil gestoppt wurde.

Zudem habe der Iran Teile des bereits geringfügig angereicherten Materials exportiert. Weiteres Material würde nicht bis zu einem kritischen Punkt angereichert.

Somit habe das Land zwar seine Fähigkeit, in Zukunft eine Bombe zu bauen, nicht vollständig aufgegeben, konstatieren die Experten. Jedoch sei es extrem unwahrscheinlich geworden, dass die Islamische Republik zu einem "Surprise Breakout" fähig wäre. Damit wird die schnelle und überraschende Herstellung waffenfähigen Materials bis hin zu einer Atombombe bezeichnet.

Im Klartext: Sollte der Iran in Zukunft entsprechende Anstrengungen unternehmen, bliebe der Weltgemeinschaft genügend Zeit, um zu reagieren.

Zukünftige Trump-Berater sind unentschlossen

Die erste Frage, die sich nach dem Brief der Experten stellt: Werden sich Trump und seine Berater von dem Brief der Forscher beeindrucken lassen?

Unter den wichtigsten Beratern im zukünftigen Trump-Kabinett lässt sich zum Thema keine klare Tendenz erkennen. Während Trumps Kandidat für Nationale Sicherheit, der ehemalige General James Mattis, sich für eine Einhaltung des Vertrags aussprechen könnte, gilt Trumps zukünftiger Nationaler Sicherheitsberater, Michael Flynn, als Kritiker des Abkommens.

Die zweite Frage ist: Würde es wirklich so schlimm kommen, wenn Trump den Deal kündigt?

Sieht man sich den "Joint Comprehensive Plan of Action", wie der Deal offiziell heißt, genauer an, erkennt man sowohl dessen Grenzen als auch essentielle Vorteile. Und: Eine große Gefahr, sollte Trump seine Versprechungen tatsächlich wahr machen.

Mehr zum Thema: Atomdeal mit Iran: Die Hardliner werden nicht stillhalten

Das Abkommen besteht, vereinfacht gesagt, aus zwei zentralen Maßnahmen, mit denen es dem Iran unmöglich gemacht werden soll, in kurzer Zeit waffenfähiges Nuklearmaterial zu erzeugen.

Punkt eins betrifft den Abbau des angereicherten Urans und die Kapazitäten zu dessen Erzeugung. Der zweite und entscheidende Punkt des Abkommens sind die sogenannten Safeguards, also die Überwachung über die Einhaltung von Punkt eins.

Eine Folge des Abkommens ist tatsächlich, dass aktuell rund um die Uhr die iranischen Atomanlagen überwacht werden. Zuvor hatte der Iran den internationalen Beobachtern nur äußerst begrenzten Zutritt gewährt.

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Wo besteht die Gefahr im Falle eines Trump-Durchgriffs?

Trumps Argument, der Iran würde an einer Entwicklung von Atomwaffen nicht gehindert, ist also gar nicht so falsch. Der Deal überwacht nur, dass dies nicht passiert.

Doch hier liegt auch der Knackpunkt: Der Vertrag enthält eine Reihe automatischer Klauseln, die im Falle eines Bruches seitens des Iran den Status-Quo wiederherstellen. Das heißt der komplette UN-Sanktionsmechanismus würde erneut starten, ohne dass China oder Russland ein Veto einreichen könnten.

Würde der Vertag aber nun einseitig von den USA gekündigt, stellt sich die Frage, ob die international einheitlichen Sanktionen gegen den Iran so einfach wieder eingeführt werden könnten.

Es scheint unwahrscheinlich, dass sich die Europäische Union und andere Verbündete im Falle eines amerikanischen Alleingangs kurzfristig erneut zu starken Sanktionen bereiterklären würden.

Auch eine UN-Resolution für neue Sanktionen gegen den Iran ist mit den Veto-Mächten Russland und China ist äußerst unwahrscheinlich.

Kündigt die USA das Abkommen also einseitig wäre der Iran wohl fein raus - er könnte ungestört und unbeobachtet an der Bombe bauen und hätte keine Sanktionen zu fürchten.

Das Resultat: Washington bliebe nur eine Option

Macht Trump seine Wahlkampfversprechungen war und kündigt den Deal, den er als "Desaster" bezeichnete, dann steht die Welt den nuklearen Ambitionen des Iran nicht nur völlig blind gegenüber - Trump würde damit eine militärische Konfrontation deutlich wahrscheinlicher machen, weil die Sanktionen vom Tisch sind.

Eine Gefahr, die nicht nur den Iran und die umliegenden - mit Israel, Pakistan und Indien ebenfalls atomare - Staaten bedroht, sondern uns alle.

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