NACHRICHTEN
02/01/2017 11:51 CET | Aktualisiert 02/01/2017 12:58 CET

Kölner Polizeipräsident Mathies: "Ich hatte Sorgen, dass der Einsatz noch kippt"

Polizeipräsident Jürgen Mathies verteidigte das Vorgehen der Polizei
dpa
Polizeipräsident Jürgen Mathies verteidigte das Vorgehen der Polizei

  • Der Kölner Polizeipräsident Mathies hat auf einer Pressekonferenz das Vorgehen der Beamten an Silvester gerechtfertigt

  • Ohne die starke Präsenz der Polizei hätte eine Situation wie an Silvester 2015 gedroht

  • Die Polizisten hätten außerdem nach Verhalten, nicht nach Aussehen hin Personen kontrolliert

In einer Pressekonferenz hat der Kölner Polizeipräsident Jürgen Mathies erneut das Vorgehen der Beamten in der Silvesternacht verteidigt. Auch die Rassismus-Vorwürfe, die Polizisten hätten junge Nordafrikaner aufgrund ihres Aussehens kontrolliert, wies er zurück.

Mathies sagte in der Konferenz, er sei zwischen elf Uhr und Mitternacht selbst am Kölner Dom gewesen. Sein persönlicher Eindruck der Situation war: "Ich habe mir Sorgen gemacht, dass der Einsatz noch hätte kippen können."

Er ist überzeugt: Das Auftreten der Polizei in der Kölner Innenstadt hat Schlimmeres verhindert. Wie an der vergangenen Neujahrsnacht hätte die Situation eskalieren können.

Das Konzept der Kölner Polizei sei dieses Mal jedoch aufgegangen, sagte Mathies: "Wir haben drohende Gefahren im Keim erstickt."

Mehrere potentielle Zielgruppen für Überprüfungen

Die Kölner Polizei wird seit ihrem Einsatz dafür kritisiert, massenhaft Kontrollen von Nordafrikanern durchgeführt zu haben. Mathies widersprach den Vorwürfen, die Polizei hätte damit institutionellen Rassismus betrieben.

Die Vorgabe für die Polizisten sei gewesen, sehr schnell und konsequent gegen "potentielle Zielgruppen" einzuschreiten. Dazu gehörten nicht nur Nordafrikaner, sondern auch Hooligans, Rechtsextremisten und Rocker.

Nach den Ereignissen von Silvester 2015 seien auch die Reaktionen des rechten Spektrums im Fokus gewesen.

Mathies erklärte auch noch einmal den Begriff "Nafri", mit dem die Polizei nordafrikanische Männer bezeichnet, die durch Straftaten auffällig werden.

Die Begriffe sei nicht nur innerhalb der Polizei geläufig, sondern auch im politischen Raum und in den Medien benutzt worden. Auf dem Kurznachrichtendienst Twitter hatte die Polizei den Begriff auch nach außen hin verwendet.

Mehr zum Thema: Internes Polizeidokument verrät, was "Nafri" wirklich bedeutet

Mathies hatte zuvor bereits eingeräumt, der Begriff sei "sehr unglücklich verwendet hier in der Situation" verwendet werden. Auch das Bundesinnenministerium sieht den Begriff kritisch. Dies sei "keine offizielle Sprachregelung oder ein offizieller Begriff, den wir verwenden würden", sagte ein Sprecher der Deutschen Presse-Agentur am Montag in Berlin.

Nicht Aussehen, sondern Verhalten

Nicht das Aussehen der jungen Männer, sondern ihr Verhalten habe Ausschlag für das Einschreiten der Polizisten gegeben. "Die Polizei ist mit Augenmaß vorgegangen", sagte Mathies. Die Beamten hätten sehr genau darauf geachtet, wie sich die Personen verhalten hätten.

Ab 19 Uhr hätten sich Gruppen von jungen Männern am Hauptbahnhof aufgehalten, die durch aggressiven Verhalten auffällig geworden seien. "Wo klar war: Da passiert etwas, wenn wir nicht einschreiten", sagte Mathies.

Die meisten Personen seien nach einer intensiven Überprüfung in die Innenstadt begleitet worden. Manche seien auch zurückgefahren.

Die Polizei habe bereits am Nachmittag gewusst, dass eine größere Anzahl von Nordafrikanern in Köln zu erwarten gewesen sei und habe dementsprechend sich darauf vorbereitet.

Mehr zum Thema: Polizei rätselt über Silvesterphänomen: Wieder versammeln sich Tausende Nordafrikaner in deutschen Städten

"So wie es einmal gewesen ist, wird es nicht mehr bleiben"

Mathies nannte auch noch einmal die aktualisierten Polizeizahlen zur Silvesternacht. So seien im unmittelbaren Bereich des Hauptbahnhofs 48 Platzverweise ausgesprochen worden.

Im Bereich Bahnhof und Dom sei es zu zwei Sexualdelikte gekommen, im angrenzenden Bereich, den sogenannten Ringen, seien es zwei gewesen. Im gesamten Zuständigkeitsbereich der Kölner Polizei hätten die Beamten demnach 12 Sexualdelikte am gesamten Wochenende gezählt.

Dazu kämen neun Taschendiebstähle und 28 Körperverletzungen.

Mehr zum Thema: "Gewaltgeile Männerhorden": WDR greift mit Kommentar zu Köln daneben

Für das nächste Jahr empfiehlt Mathies die sogenannte Schutzzone um den Kölner Dom deutlich auszudehnen. Auch für das nächste Jahr erwarte er, dass die Polizei an Silvester wieder stark Präsenz zeigen werden müsse.

"So wie es einmal gewesen ist, wird es nicht mehr bleiben", sagte Mathies.

Mit Material der dpa

Auch auf HuffPost:

Ein junger Muslim rechnet mit Sachsen ab

Pointiert und meinungsstark: Der HuffPost-WhatsApp-Newsletter

2016-07-22-1469180154-5042522-trans.png

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2016-07-11-1468249306-1333267-umfrage.jpg

Hier geht es zur Umfrage.


Jedes Kind braucht die Chance auf Bildung

Egal wo auf der Welt: Ohne Bildung haben Kinder aus armen Familien in der Regel keine Chance. Doch die ist mitunter teuer - und so vergrößert sich vielerorts das Ungleichgewicht. Dieses Problem versuchen Organisationen in aller Welt zu lösen.

Was für die meisten völlig selbstverständlich ist, bedeutet für Menschen mit körperlicher Behinderung enorme Anstrengung: einen Schulabschluss erreichen, einen Job finden und selbstständig in einer eigenen Wohnung leben.

Die Stiftung Pfennigparade setzt sich dafür ein, die Lebenswelten von Menschen mit körperlicher Behinderung nachhaltig zu verbessern. In ihren Einrichtungen lernen, leben und arbeiten über 3000 Menschen mit und ohne Behinderung zusammen.

Unterstütze das Projekt jetzt und spende auf betterplace.org!

Willst auch Du Spenden für Dein soziales gemeinnütziges Projekt sammeln? Dann registriere Dich und Dein Projekt jetzt auf betterplace.org.

(lp)