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02/01/2017 14:33 CET | Aktualisiert 02/01/2017 18:17 CET

Warum Trumps Versprechungen für die Wirtschaft nach hinten losgehen könnten

Die optimistischen Erwartungen an seine Präsidentschaft könnte für Trump zum Stolperstein werden
dpa
Die optimistischen Erwartungen an seine Präsidentschaft könnte für Trump zum Stolperstein werden

  • Viele Amerikaner hoffen, dass der künftige US-Präsident Trump die Wirtschaft beflügelt

  • Experten dämpfen diese Hoffnungen nun allerdings

In den USA herrscht Optimismus. Die aktuellen Zahlen der Wirtschaft sind positiv und versprechen ein gutes Jahr 2017.

Auch an den künftigen US-Präsidenten Donald Trump richten sich optimistische Erwartungen. Im Wahlkampf hatte er angekündigt, Unternehmer mit Steuersenkungen zu helfen und die Konjunktur mit Investitionen in die Infrastruktur anzukurbeln.

Die aktuelle Stimmung und seine eigenen Ankündigungen könnten für den künftigen Präsidenten aber auch zum Stolperstein werden – sollte sich die Wirtschaft nicht positiv weiterentwickeln und seine Versprechen nicht wahr werden.

Bei einigen seiner Ankündigungen sei die Wahrscheinlichkeit sogar groß, dass Trump seine Wähler enttäuschen werde, glauben Experten.

"Danke Donald!"

Trump wird erst in einigen Wochen ins Weiße Haus einziehen. Aber das hat ihn nicht davon abgehalten, die aktuellen positiven Wirtschaftszahlen bereits für sich zu reklamieren.

"Der Index für das Verbrauchervertrauen im Dezember stieg um vier Punkte auf 113.7, den höchsten Wert in mehr als 15 Jahren! Danke Donald!", schrieb er vollmundig nach den Feiertagen.

In einem fast biblischen Ton berichtete Trump einen Tag zuvor seinen Followern: "Die Welt war düster, bevor ich gewonnen habe – es gab keine Hoffnung. Jetzt hat die Börse fast 10 Prozent zu gelegt und die Weihnachts-Einkäufe liegen bei über einer Billion Dollar."

Große Versprechen, große Enttäuschung

Trump blieb sich selbst treu – und übertrieb bei den Zahlen: Der Umsatz der Weihnachts-Einkäufe wird auf 656 Milliarden statt einer Billion Dollar geschätzt. Und der Index für das Verbrauchervertrauen hat den höchsten Wert in 13 Jahren erreicht – nicht in 15 Jahren.

Mehr zum Thema: "An meine vielen Feinde": Donald Trump twittert provokante Neujahrsbotschaft

Tatsächlich aber scheint in den USA eine optimistische Erwartung an Trumps Präsidentschaft zu herrschen. Die Zinsen sind nach vielen Jahren wieder angezogen. Auch die Erwartungen an die Inflation bewegen sich nahe dem Zielwert der US-Notenbank Fed – ein weiteres positives Zeichen.

Aber große Versprechen erhöhen auch die Chance auf große Enttäuschungen, sollten sie nicht eingehalten werden. Das sagte Jared Bernstein, ehemaliger Wirtschaftsberater von Vize-Präsident Joe Biden, der Huffington Post USA.

"Dinge versprechen, die man nicht einhalten kann, wird letztlich die Wählerschaft enttäuschen", sagte er in Bezug auf Trumps Schwur, Arbeitsplätze in Kohle-Minen zurückzubringen – die in Wirklichkeit endgültig verschwunden sind.

"Auswirkungen könnten gering ausfallen"

Julian Zelizer, Politologe an der Princeton Universität, glaubt, der Schaden könnte am Größten bei Anhängern der Demokraten sein, die für Trump gestimmt hatten.

"Wenn er keine Ergebnisse liefern kann, kann das vor allem diejenigen Wähler verärgern, die bis vor Kurzem noch Demokraten waren", sagte Zelizer der Huffington Post USA.

Besonders Trumps Plan, eine Billion Dollar für die Infrastruktur auszugeben, könnte die Erwartungen enttäuschen. Denn der soll laut Bernstein viele Steuer-Erleichterungen für private Investitionen bei Projekten vorsehen, die sowieso enthalten wären.

"Die Auswirkung auf die Steuern von Trumps Wirtschaftsplan könnten um ein Vielfaches geringer ausfallen, als die Börsianer erwarten", sagte Bernstein.

Mehr zum Thema: Der Trump-Effekt: Die OECD feiert den US-Präsidenten als Retter der Weltwirtschaft

Zu diesem Fazit kommt auch die "Süddeutsche Zeitung". Sollten die Steueranreize nur den privaten Investoren gelten, dann würden die öffentlichen Güter davon keinen Schub bekommen. Denn sie würden keinen monetären Gewinn abwerfen und seien daher für Investoren nicht lukrativ.

Kein negativer Vergleichspunkt

Anders als Obama hat Trump zudem keinen negativen Vergleichspunkt, von dem er sich absetzen kann. Obama hatte stets betont, dass er das Land während einer der schlimmsten wirtschaftlichen Krisen der amerikanischen Geschichte von George W. Bush übernommen habe.

Ein Beispiel: Als Obama im Januar 2009 das Amt übernahm, war der Index des Verbrauchervertrauens auf dem niedrigsten Wert seit seiner Einführung 1967. Der aktuell höchste Wert der letzten 13 Jahren ist Obamas achtjähriger Amtszeit zu zusprechen, während der der Index stetig stieg.

Insofern könnte Trump auch "Danke Barack" twittern, anstatt sich selbst zu loben.

Nur Inflation und Staatsschulden?

"Die Kurve der Wirtschaft zeigte schon nach oben, bevor Trump gewählt wurde", sagte Bernstein. "Er übernimmt eine Wirtschaft, die sich wie Tag und Nacht von derjenigen unterscheidet, die Obama übernehmen musste."

Genau das könnte laut der "Süddeutschen Zeitung" zu einem Problem für Trump werden. Anschub-Maßnahmen in einer voll ausgelasteten Wirtschaft würden vor allem die Inflation anheizen, heißt es dort.

Die künftige US-Regierung setze daher darauf, die Kapazität der US-Wirtschaft zu erhöhen – also durch mehr Investitionen ein größeres Angebot zu schaffen, statt die Nachfrage anzukurbeln. Der gleiche Plan sei aber bereits unter Präsident Ronald Reagan in den 80er-Jahren gescheitert. Statt die Kapazität zu erhöhen, seien damals die Staatsschulden explodiert.

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"Blinde Ergebenheit"

Außerdem bleibt die Frage, ob die wirtschaftlichen Gewinne bei denjenigen Menschen ankommen werden, denen Trump Besserung versprochen hatte: den Gering- und Normalverdienern.

Daran werde man Trump messen, glaubt Adam Green, Mitgründer des Progressive Change Campaign Committee.

"Er bestritt seinen Wahlkampf mit Wirtschaftsthemen. Also wird er dafür verantwortlich gemacht werden, wie sich seine Politik auf die Wall Street und die internationalen Großkonzerne auswirkt – im Vergleich zu den amerikanischen Arbeitern", sagte Green der Huffington Post USA.

Larry Sabato, Leiter für Politik an der Universität von Virginia, ist dagegen davon überzeugt, dass das Vertrauen von Trumps Anhängern in ihn so stark ist, dass eine schwache Wirtschaftsbilanz das Verhältnis nicht trüben würde.

"Wir sind so polarisiert, das wird nur die erreichen, die ihn sowieso nicht mögen", sagte er der Huffington Post USA.

"Ich glaube, er könnte twittern, dass der Mond aus grünem Käse sei – und seine Follower würden ihm um eine Scheibe fragen", sagte er. "Das ist blinde Ergebenheit, die ich so noch nicht gesehen habe."

Dieser Artikel erschein zuerst auf der Huffington Post USA und wurde von Leonhard Landes übersetzt und ergänzt.

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