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01/01/2017 13:29 CET

"Silvesterparty mit 10 Polizeihundertschaften" – Reaktionen auf die Kölner Silvesternacht

dpa
Über 1700 Polizisten waren zur Silvesternacht in der Kölner Innenstadt im Einsatz.

"Kölle, du bes e Jeföhl", heißt es in einem Lied der Musikgruppe Höhner. Angesichts der drastisch verschärften Sicherheitsmaßnahmen in der letzten Silvesternacht, haben sich aber wohl viele Köln-Besucher gefragt, welches Gefühl das zurzeit eigentlich ist.

Über 1700 Polizisten waren in der Innenstadt im Einsatz – gut zehnmal so viel wie im vergangenen Jahr. Die Domplatte war mit Absperrgittern gesichert, Zugang gab es nur nach Einlasskontrollen. Zudem gab es mehrere Straßensperren und nach dem Anschlag auf dem Berliner Weihnachtsmarkt wurden unter anderem Betonklötze aufgestellt, um zu verhindern dass Lastwagen in Menschenmengen fahren können.

Wie die Polizei in einer ersten Bilanz mitteilte, wurden mehrere Hundert Personen kontrolliert – vorwiegend Männer nordafrikanischer Herkunft. Es gab insgesamt über 1000 Platzverweise, 27 Personen wurden wegen des Verdachts auf Straftaten vorläufig festgenommen und zehn Sexualdelikte wurden angezeigt, Vergewaltigungen waren nicht darunter.

Dieses erste Fazit legt nahe: Die erschreckenden Vorkommnisse des letzten Jahres haben sich in diesem Ausmaß nicht wiederholt.

"Im Großen und Ganzen ist der Plan aufgegangen"

"Im Großen und Ganzen ist der Plan aufgegangen", fasste der Kölner Polizeipräsident Jürgen Mathies um zwei Uhr nachts zusammen. "Ich hatte vorher bewusst eine niedrige Einschreitschwelle angeordnet", so Mathies, der betonte, dass die Polizei einen Spagat zu meistern hatte: Einerseits das Feiern zu ermöglichen, andererseits für Sicherheit zu sorgen. "Ich meine, dass uns das gelungen ist", sagte er am Sonntag.

Auch Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker zeigte sich zufrieden: "Wir haben die Sicherheitslage gut und richtig eingeschätzt." Sie betonte, dass sich die Schutzzone um den Dom bewehrt habe.

Am Silvesterabend erklärte sie gegenüber "Focus Online", dass die Ausschreitungen des vergangenen Jahres, die massenhaften sexuellen Übergriffe nicht Köln gewesen seien. "Köln ist das, was wir soeben auf der Domtreppe erlebt haben: Herzlichkeit, Offenheit, friedliches Miteinander aller Kulturen", sagte sie.

Wie zuvor auch schon der Kölner Erzbischof Rainer Maria Woelki betonte, sollte von Köln in dieser Silvesternacht eine friedliche Botschaft ausgehen.

"Unbeschwertheit", "Anstand" und "Erinnerung"

Dazu sollte auch eine Lichtinstallation des Berliner Künstlers Philipp Geist beitragen. Rund um den Dom wurden Wörter auf den Boden und an Häuser projiziert, die die Kölner in den Tagen zuvor vorgeschlagen hatten - etwa "Anstand" und "Erinnerung".

Wie die „Welt“ berichtet, soll "Unbeschwertheit" eines der am häufigsten eingereichten Wörter gewesen sein.

"Heute geile Silvesterparty mit 10 Polizeihundertschaften"

Aber nicht alle scheinen eine Silvesterfeier unter so stark verschärften Sicherheitsmaßnahmen als unbeschwert empfinden zu können.

Der Komiker Jan Böhmermann kommentierte am Samstag auf Twitter: „Heute geile Silvesterparty mit 10 Polizeihundertschaften, 370 Kamerateams, 20 besoffenen Nazis und 200 "Journalisten" am Hauptbahnhof Köln!“

Auch der Reporter Sebastian Dalkowski von der Rheinischen Post, kann sich der Zufriedenheit der Polizei und der Kölner Oberbürgermeisterin nicht ganz anschließen.

In einem Artikel auf "rp-online“ schreibt er: "Das sind die Bilder, von denen die Stadt hofft, dass sie am Ende bleiben. Das friedliche Beisammensein in Anwesenheit einer Lichtshow. Doch das ist schwer, denn es ist eben überall Polizei. Auf der Domplatte, mehr noch vorm Bahnhof, im Bahnhof. Polizeifahrzeug parkt neben Polizeifahrzeug.“

Mehrere User werfen der Polizei Racial profiling vor

In den sozialen Netzwerken löste das Vorgehen der Polizei in Köln derweil eine Diskussion aus. Auf Twitter teilte die Kölner Polizei am Silvesterabend mit, dass sie mehrere Hundert Nordafrikaner überprüfe. Sie schrieb: "Am HBF werden derzeit mehrere Hundert Nafris überprüft. Infos folgen."

Am Sonntag erklärte der Kölner Polizeipräsident zudem, dass etwa 98 bis 99 Prozent der überprüften Personen nordafrikanischer Herkunft seien.

Mehrere User kritisierten das Vorgehen der Polizei daher als Racial profiling:

Auch der NRW-Linken-Politiker Jasper Prigge äußerte Kritik und twitterte am Sonntag: "Hunderte Menschen ohne konkrete Anhaltspunkte aufgrund Aussehens kontrollieren ist racial profiling. Bezeichnung 'Nafris' geht gar nicht."

In einer Pressekonferenz am Sonntag reagierte der Kölner Polizeipräsident bereits auf diese Vorwürfe und wies die Kritik zurück. Er sagte: "Es ging hier eindeutig darum, konsequent zu verhindern, dass es nochmal zu vergleichbaren Ereignissen kommt wie im vergangenen Jahr.“

Die Einsatzkräfte hätten ihm zudem mitgeteilt, dass bei dem überwiegenden Teil der überprüften Personen mit Straftaten zu rechnen war. So sollen mehrere hundert junge Männer, die vorrangig in kleineren und größeren Gruppen am Hauptbahnhof ankamen, nach Einschätzung der Polizei eine Grundaggressivität gezeigt haben.

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