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01/01/2017 09:51 CET | Aktualisiert 01/01/2017 09:53 CET

Erzbischof von Wien: Ich kann es Muslimen nicht verübeln, wenn sie Europa islamisieren wollen

Der Wiener Erzbischof Christoph Schönborn
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Der Wiener Erzbischof Christoph Schönborn

Der Wiener Erzbischof Christoph Schönborn hält es für unangebracht, den Muslimen die Schuld an einer Islamisierung Europas zu geben. Gleichzeitig wünscht er sich, dass vormalige christliche Regionen wieder christlich werden.

In einem Interview mit der "Kronenzeitung" sagte der Erzbischof:

"Die Türkei war einmal zur Gänze christlich, bevor sie von den Türken erobert worden ist. Kleinasien war ein durch und durch christianisiertes Land. Natürlich würde ich mir als Christ wünschen, dass der Nahe Osten wieder christlich wird, wie er es einmal war, oder Nordafrika. Nordafrika war zur Gänze christianisiert."

"Dürfen uns nicht wundern, wenn Europa entchristlicht"

Gleichzeitig könne er verstehen, wenn Muslime versuchten, Europa zu islamisieren. "Ich kann Muslimen nicht verargen, wenn sie sich wünschen, dass Europa islamisch wird", sagte der Erzbischof.

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Schönborn hatte im September für Aufregung gesorgt, als er sagte, dass viele Muslime Europa erobern wollten. Was wie eine kriegerische Metapher scheint, erhält in den Augen eines Gläubigen eine andere Bedeutung. Religionen sind darauf aufgebaut, dass Nicht-Gläubige für den Glauben gewonnen werden sollen.

In den Worten Schönborns: "Wir haben in Spanien Moscheen, die Kathedralen geworden sind, und wir haben, etwa in Damaskus, die Kathedrale, in der Johannes der Täufer begraben ist, die jetzt eine Moschee ist, und wir haben in Indien Hindutempel, die früher Moscheen waren, und umgekehrt. Dass Religionen miteinander in Konkurrenz stehen, das ist so alt wie die Welt."

"Entchristlichung ist nicht Schuld der Muslime"

Auf die Sorgen mancher Bürger vor einer Islamisierung Europas antworte der Geistliche:

"Angst haben vor der Islamisierung Europas ist unsinnig, wenn man nicht selber etwas dazu beiträgt, dass Europa christlich bleibt. Aber natürlich, wenn in Holland eine Kirche nach der anderen verkauft wird und zu einem Supermarkt umgewandelt wird, wenn uns die Supermärkte wichtiger sind als die christlichen Wurzeln Europas, dürfen wir uns nicht wundern, dass Europa sich entchristlicht. Aber es ist nicht die Schuld der Muslime."

Auch an jene, die nach den Vorfällen von Flüchtlingsgewalt nun generell gegen Flüchtlinge hetzen, hat der Bischof eine Botschaft für das neue Jahr.

Er sagt: "Man sagt ja auch nicht, weil im Wiener Landesgericht derzeit über 1000 Häftlinge sitzen, dass Österreich ein Land von Kriminellen ist. Es gibt Verbrechen von Österreichern und es gibt Verbrechen vonseiten der Flüchtlinge, aber es gibt keinen Unterschied."

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