POLITIK
31/12/2016 11:10 CET | Aktualisiert 31/12/2016 11:12 CET

FDP-Chef Lindner: "Große Ko­ali­ti­on hat so viel Scha­den an­ge­rich­tet wie sel­ten eine Re­gie­rung zuvor"

FDP-Chef Lindner: "Große Ko­ali­ti­on hat so viel Scha­den an­ge­rich­tet wie sel­ten eine Re­gie­rung zuvor"
Wolfgang Rattay / Reuters
FDP-Chef Lindner: "Große Ko­ali­ti­on hat so viel Scha­den an­ge­rich­tet wie sel­ten eine Re­gie­rung zuvor"

FDP-Chef Chris­ti­an Lind­ner hat in einem Interview scharf mit der derzeitigen Bundesregierung abgerechnet. Linder sagte der "Bild am Sonntag": "Die Große Ko­ali­ti­on hat so viel Scha­den an­ge­rich­tet wie sel­ten eine Re­gie­rung zuvor. Das muss enden."

Nach­drück­lich warn­te er je­doch auch vor einer Rot-rot-grünen Regierung: "Bei einem rot-rot-grü­nen Bünd­nis haben wir nur die Wahl, ob wir mit dem Kopf oder mit den Füßen voran in Rich­tung Mos­kau be­er­digt wer­den."

Für seine eigene Partei werde des Jahr schicksalhaft werden, glaubt Lindner. "2017 wird das wich­tigs­te Jahr in der Ge­schich­te der FDP", sagte Lind­ner der "Bild am Sonntag“. "Es geht darum, dass unser Land mit den schwar­zen, roten und grü­nen So­zi­al­de­mo­kra­ten im Bun­des­tag und der au­to­ri­tä­ren AfD vor der Tür nicht al­lei­ne ge­las­sen wird."

Kritik an schwarz-grünen Gedankenspielen

Eine Ko­ali­ti­on sei­ner Par­tei mit Union und Grü­nen sieht der FDP-Chef skep­tisch: "Mir fehlt die Fan­ta­sie, wie das mit Union und Grü­nen funk­tio­nie­ren soll­te. Bei den Grü­nen gibt es kluge Leute wie Cem Öz­de­mir. Der steht aber nicht für seine Par­tei", so Lind­ner. "Wenn man nichts än­dern kann, geht man in die Op­po­si­ti­on."

Beim Drei­kö­nigs­tref­fen sei­ner Par­tei in der kom­men­den Woche will Lind­ner zum Auf­takt des Wahl­jah­res "eine Mut- und Wut­re­de" hal­ten. Wü­tend sei er dar­über, "dass unser Rechts­staat in atem­be­rau­ben­der Weise an Au­to­ri­tät ver­liert".

Lindner: "Die Prioritäten stimmen nicht"

Lind­ner wei­ter: "Meine Fri­seu­rin er­zählt mir, dass bei ihr der Zoll in den Laden ein­fällt. Da wer­den alle be­fragt, ob die Ar­beits­zeit sau­ber do­ku­men­tiert ist. Gleich­zei­tig wer­den Ban­ken in Ita­li­en mit Mil­li­ar­den ge­ret­tet. Wer mal einen Ki­lo­me­ter zu schnell Auto fährt, be­kommt so­fort sein Knöll­chen zu­ge­stellt. Auf der an­de­ren Seite kann ein Ter­ro­rist im Vi­sier der Si­cher­heits­be­hör­den mit ge­fälsch­ter Iden­ti­tät So­zi­al­leis­tun­gen er­gau­nern, sich be­waff­nen und Men­schen um­brin­gen. Da stim­men die Prio­ri­tä­ten nicht!"

Auch die Wirt­schafts­po­li­tik der Gro­ßen Ko­ali­ti­on ver­är­gert den Chef der Li­be­ra­len: "Wir leben in Zei­ten einer bei­spiel­lo­sen Um­ver­tei­lung von Pri­vat zu Staat. Wer Im­mo­bi­li­en oder wert­vol­le Ge­mäl­de be­sitzt, der pro­fi­tiert von den nied­ri­gen Zin­sen. Aber die Mil­lio­nen in der Mitte haben nichts vom Auf­schwung."

Lind­ner wei­ter: "Zur guten wirt­schaft­li­chen Lage trägt Mario Draghi mit sei­nen Nied­rig­zin­sen mehr bei als An­ge­la Mer­kel und Sig­mar Ga­bri­el zu­sam­men. Wir leben in einer Zeit der Wohl­standshal­lu­zi­na­ti­on. Die Re­gie­rung er­zählt, unser Wohl­stand sei si­cher. Dabei leben wir auf brü­chi­gem Grund. Nied­rig­zin­sen, schwa­cher Euro, die ar­bei­ten­den Ba­by­boo­mer - un­se­re Wirt­schaft müss­te viel mehr wach­sen."