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31/12/2016 08:03 CET | Aktualisiert 31/12/2016 15:25 CET

"Dinner for one": Geschichten hinter den Details, die kaum einer wahrnimmt

"Dinner for one" ist ein Silvester-Klassiker. Nicht immer fallen einem aber die Details auf
WDR/NDR/Annemarie Aldag
"Dinner for one" ist ein Silvester-Klassiker. Nicht immer fallen einem aber die Details auf

Der Sketch "Dinner for one" ist für viele in Deutschland ein echter Silvester-Klassiker - und so schalten sie zu jedem Jahreswechsel mindestens einmal ein. Nachahmer gibt seitdem es viele - zuletzt die neue Netflix-Parodie. Doch für manchen reicht nichts ans Original in Englisch und Schwarz-Weiß.

Doch auch nach Hunderte Wiederholungen: Manche Geschichten hinter dem Sketch kennt vielleicht auch der größte Fan nicht.

1. Bei Admiral von Schneider fragt James "must I" - ein Hinweis?

Zu Gast sind bekanntermaßen Sir Toby, Admiral von Schneider, Mister Pommeroy und Mister Winterbottom - also eigentlich. Da Miss Sophie mit 90 Jahren bereits alle überlebt hat, übernimmt ihr Butler James die Rollen der Gäste. Bei Schneider aber wohl mit Widerwillen. Denn bevor er die Hacken zusammenschlägt, wie der Admiral, fragt James: "must I?" - also "muss ich?" Und zwar immer.

Mancher sieht das als versteckten Hinweis von James-Darsteller May Warden gegen eine deutsche Fassung des Stücks. Denn auch knapp 20 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg hatte der Schauspieler keine besonders hohe Meinung von Deutschland. Deshalb gibt es auch keine deutsche Fassung des Sketches - obwohl "Dinner for one" in Deutschland aufgezeichnet worden ist.

2. James stolpert über Tigerfell - wisst ihr, wie oft?

Elf Mal in 18 Minuten stolpert James über den Tiger am Boden. Dabei wollte der NDR Frinton übrigens ein Eisbärenfell hinlegen.

Aber der Schauspieler brachte sein eigenes Tigerfell mit. Denn: Sein Stolpern war einstudiert, die Kopfhöhe des Tiers entscheidend.

Frinton hatte das Fell übrigens einst selbst auf dem Trödel erstanden und es ist bis heute in Familienbesitz. Es liegt auf dem Dachboden, erzählte Frintons Sohn Steve einst der "Berliner Zeitung".

"Dinner for one" im Live-Stream und im Online-Video sehen - so geht's

3. James ist ein Wiederholungstäter

Das Versicherungsunternehmen Allianz geht übrigens davon aus, dass die Reparaturkosten des Tigerfells nach diesem Abend sich heute auf rund 2000 Euro belaufen würden. Und diese wären nicht versichert.

"Als Angestellter von Miss Sophie sind die Missgeschicke von Butler James als Eigenschäden der Arbeitgeberin anzusehen und damit nicht versichert", sagt Allianz-Expertin Mirjana Hasdorf-Achatz. Da sich der Butler während des Menüs betrinkt, gelte er zudem als Wiederholungstäter.

Der stark ramponierte Teppich und die mit Wein und Speisen befleckte Tischdecke sind dagegen Lappalien. Die Versicherung geht ihr von Schäden in Höhe von 120 Euro aus.

4. James ist betrunken - dabei mochte er keinen Alkohol

Frinton spielt den betrunkenen Butler James einfach unvergesslich gut. “Als Charakter-Komödiant wurde er oft als Betrunkener besetzt. Es war seine Paraderolle, obwohl er Alkohol kaum anrührte”, wie Frintons Sohn Steve der "Berliner Zeitung" einmal verraten hatte. “Ich glaube, er mochte Alkohol einfach nicht.”

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5. Gegessen wird natürlich auch – aber nur von Miss Sophie

Besonders James muss in den 18 Minuten ordentlich bechern. Sherry, Weißwein, Champagner und Portwein. Wo von James jedoch nichts abbekommt (er muss ja arbeiten), ist das Essen.

Miss Sophie hingegen genießt ein britisches Festessen. Zunächst reicht ihr der Butler eine Mulligatawny Soup. Das ist eine scharfe Curry-Suppe aus Karotten und Kokosmilch.

Danach gibt es North Sea Haddock, also Schellfisch, gefolgt von Hühnchen. Früchte bilden das Dessert. Der "Dinner for one"-Sender NDR hat die Rezepte für die Gerichte im Sketch hier veröffentlicht.

6. Am Ende geht es nur um das Eine

Am Schluss zieht sich Miss Sophie dann in ihr Schlafzimmer zurück - gemeinsam mit ihrem Diener. Dieser fragt am Fuße der Treppe noch: “Same procedure as last year? I’ll do my very best.” Er will im Bett also sein Allerbestes geben. Die Anspielung versteht nicht jeder sofort. So auch Frintons Kinder, wie sein Sohn Steve verriet.

7. Schwarz-Weiß ist der Hit

"Dinner for one" ist ein Klassiker in Schwarz-Weiß. Selbst in Zeiten von HD. An sich war das auch anders geplant. Der NDR wollte Ende der 1960er Jahre "Dinner for one" mit Farb-Kameras aufnehmen. Doch der plötzliche Tod von Freddie Frinton, drei Wochen vor der geplanten Aufzeichnung, verhinderte das.

Der Sender kolorierte stattdessen 1999 das Original nach. Das kam aber gar nicht gut an, deswegen wird bis heute meistens die originale Schwarz-Weiß-Version ausgestrahlt. Wer die Farbfassung trotzdem sehen will, findet sie hier.

8. Einen Versprecher bekommen wir nicht mehr zu sehen

Ein Detail bleibt uns heutzutage verborgen: Es handelt sich dabei um einen Versprecher des Moderators Heinz Pipers.

Als er den legendären Satz von Miss Sophie zitiert, sagte er bei der Aufzeichnung: "The same procedure than every year". Richtig gewesen wäre: "as every year". Und dafür setzten sich die Zuschauer auch immer wieder ein. Im Jahr 1988 lenkte der NDR ein, ersetzte die Tonspur mit der aus einer Probeaufnahme. Seitdem spricht der Erzähler fehlerfrei.

9. "Dinner for one" war rekordverdächtig

"Dinner for one" feierte seine Premiere nicht an Silvester, sondern im März. Erst knapp zehn Jahre nach der Aufzeichnung, im Jahr 1972, bekam "Dinner for one" seinen traditionellen Sendetag zum Jahresende.

"Dinner for one" wurde seitdem schon mehr als 230 Mal ausgestrahlt. Ein Rekord, den das Guiness-Buch der Rekorde seit 1996 nicht mehr führt. Es war langweilig geworden.

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