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29/12/2016 15:06 CET | Aktualisiert 29/12/2016 15:30 CET

Bruder eines Verdächtigen erklärt: Attacke auf den Obdachlosen lief völlig anders als dargestellt

Polizei
Sieben junge Flüchtlinge sollen an Heiligabend einen Obdachlosen in Berlin angezündet haben

Der Fall hat Deutschland entsetzt. Nach dem Brandanschlag auf einen Obdachlosen in Berlin hat der Bruder eines 15-Jährigen Verdächtigen mit dem "Spiegel"gesprochen.

Emad K. erzählte auch die Geschichte von der Flucht. Vor knapp eineinhalb Jahren kam er nach Deutschland. Emad K. ist der älteste von drei Brüdern, Bashar, der Verdächtige der Jüngste. Die Mutter schickte Emad auf die beschwerliche Reise, nachdem ihr Mann im Gefängnis gestorben war. Aus Sorge. Dass den Söhnen ein ähnliches Schicksal droht wie dem Vater, wenn sie in Syrien bleiben.

"Un­ser Va­ter war jahr­zehn­te­lang Leh­rer und wur­de plötz­lich ver­haf­tet. Wir wis­sen nicht, war­um, und wir wis­sen nicht, wor­an er ge­stor­ben ist“, sagte Emad.

Bashar kam vor 13 Monaten nach Deutschland

Bashar sei als Letztes angekommen, das war vor 13 Monaten. Er kam über die Balkanroute nach Mannheim, dann holte Emad ihn nach Berlin. Dort lebten die Brüder zunächst in einer Sammelunterkunft zusammen. Das Asylverfahren von Bashar sei in den Monaten seit seiner Ankunft kein Stück weitergekommen, sagt Emad dem "Spiegel".

Warten, Langeweile und Nichtstun hätten für Stress gesorgt in der Unterkunft. Es gab Streit zwischen den Flüchtlingen. Daraufhin wurde Bashar umgesiedelt. In eine Einrichtung für minderjährige Flüchtlinge in Berlin-Wedding. Dort habe Bashar die anderen syrischen Jugendlichen kennengelernt, mit denen er die Tat begangen haben soll.

Libyer war der Polizei als Drogendealer bekannt

Den Hauptverdächtigen, einen 21-jährigen Libyer, so denkt Emad, haben die Jungs irgendwo auf der U-Bahn-Linie 8 kennengelernt. Die Gruppe sei dann seine Bezugsgruppe geworden. Der Libyer soll laut Polizei zuvor bereits als Drogendealer bekannt gewesen sein.

Bashar stellt den Vorfall ganz anders da als die Polizei

Er habe seinen Bruder Bashar auf den Fahndungsfotos der Polizei sofort erkannt, sagte Emad K. dem "Spiegel". Anschließend habe er ihm sofort geraten sich zu stellen.

Bashar habe sich zwar gestellt, aber sofort seine Unschuld beteuert. Außerdem schildert der 15-Jährige die Vorfälle anders als die Polizei den Tathergang bisher vermutet.

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Die Freunde hätten den Obdachlosen nicht gezielt angezündet. Der 21-jährige Hauptverdächtige aus Libyen habe ein Taschentuch in Brand gesetzt und auf eine neben dem Obdachlosen liegende Tüte oder Tasche geworfen.

Außerdem habe der 37-jährige Obdachlose nicht geschlafen sondern sei auf dem Bahnsteig herumgelaufen und habe sich auch neben die Gruppe der jungen Flüchtlinge gesetzt.