POLITIK
29/12/2016 23:40 CET | Aktualisiert 30/12/2016 16:19 CET

Falsch Verdächtigter gibt an, von der Polizei geschlagen worden zu sein

Polizisten auf dem Weihnachtsmarkt auf dem Breitscheidplatz in Berlin
Sean Gallup via Getty Images
Polizisten auf dem Weihnachtsmarkt auf dem Breitscheidplatz in Berlin

  • Der Pakistani Naved B. wurde fälschlicherweise verdächtigt, den Anschlag vom 19. Dezember ausgeführt zu haben

  • In einem Interview berichtet er, misshandelt worden zu sein

  • Der Bericht wirft weitere unangenehme Fragen an die Ermittler auf

Der falsche Verdächtige des Attentats auf einen Weihnachtsmarkt in Berlin, Naved B. gibt an, dass er von der Polizei nach seiner Festnahme misshandelt worden sei.

In einem Interview mit der britischen Zeitung "The Guardian" sagt der Pakistani, er sei geschlagen worden und habe tagelang nur Kekse und Tee zu essen bekommen.

Gefesselt, ausgezogen und geohrfeigt

In der Nacht des Anschlag am 19. Dezember habe er gerade die Wohnung eines Freundes in Berlin verlassen, als eine Polizeistreife ihn angehalten habe. Er habe der Polizei alle Papiere gezeigt, die er bei sich gehabt habe.

Zuerst hätten die Polizisten ihn laufen lassen, aber bereits nach Sekunden zurückgerufen. Sie hätten ihm die Arme auf den Rücken gebunden, ihn auf den Rücksitz des Polizeiwagens gesetzt und seien mit ihm zu einer Polizeiwache gefahren.

Sie hätte ihn ausgezogen und Fotos von ihm gemacht. "Als ich mich weigerte, ohrfeigten sie mich", sagt er der Zeitung. Zwei Tage und Nächte lang habe er nur Tee und Kekse zu essen bekommen. "Aber ich konnte nichts essen. Die Kekse waren ekelhaft und der Tee kalt." Er habe in der ersten Nacht auf einem hölzernen Bett ohne Matratze geschlafen, die Arme hinter seinem Rücken gefesselt.

"Guardian"-Bericht wirft Fragen an die Ermittler auf

In der Nacht der Festnahme gab es ein Verhör mit einem Übersetzter, der allerdings Urdu und Panjab sprach, aber nicht seine Muttersprache Baluchi. Er sei gefragt worden, ob er wüsste, was passiert sei. Die Polizisten sagten ihm, dass jemand einen Lastwagen in eine Menschenmenge gefahren habe. Sie hätten ihm gesagt: "Und am Steuer des Lastwagens warst du - oder nicht?"

Er habe ruhig geantwortet, dass er nicht Autofahren könne. Er könne noch nicht einmal einen Wagen starten. Nach seinen Angaben sagen ihm die Ermittler bereits in der Tatnacht, dass sie Zweifel hätten, ob er der Täter sei. Sie würden ihn aber weiter festhalten, da er vielleicht "ein Krimineller" sei.

Der Bericht des "Guardian" wirft die Frage auf, warum Naved B. nach dem Anschlag als Verdächtiger präsentiert wurde und sein Name und seine Herkunft der Presse zugespielt wurden, wenn die Beamten bereits in der Nacht der Festnahme Zweifel an seiner Täterschaft hatten.

Naved B. lebt jetzt versteckt, da er nach dem Attentat Todesdrohungen erhalten hat. Auch seine Familie in Pakistan sei bedroht worden.

Die Berliner Polizei hat die Vorwürfe mittlerweile abgestritten.

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