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29/12/2016 12:08 CET | Aktualisiert 29/12/2016 12:13 CET

Ihr Name klang nicht "deutsch" genug: Behörde fordert Einbürgerungsurkunde von deutscher Frau

Die Behörden in Buxtehude müssen sich Diskriminierungsvorwürfen stellen
Eivaisla via Getty Images
Die Behörden in Buxtehude müssen sich Diskriminierungsvorwürfen stellen

Weil ihr Name "nicht deutsch genug" klang, sollte eine Deutsche in Niedersachsen nach der Geburt ihrer Tochter dem Standesamt eine Einbürgerungsurkunde vorlegen - und klagte wegen Diskriminierung. Davon berichtete die Nachrichtenseite "taz.de".

Nach der Geburt ihrer Tochter im Mai 2016 habe das Ehepaar Ferdaouss Adda und Tobias Lasner ein Schreiben einer Standesbeamtin im niedersächsischen Buxtehude bekommen. Neben Glückwünschen habe es dort geheißen: "Zur Beurkundung der Geburt bitte ich Sie noch um Vorlage der Einbürgerungsurkunde von Frau Adda" - obwohl diese Deutsche sei, berichtet die Nachrichtenseite.

Adda sei Tochter marokkanischer Migranten und in Offenbach geboren. Sie habe ein hessisches Abitur, Studium und Promotion, einen deutschen Pass und "südhessisches Temperament", beschreibt ihr Ehemann seine Frau gegenüber der "taz".

"Ihr Name ist offensichtlich nicht deutsch"

Das Ehepaar habe sich gewundert, warum nur Adda einen Nachweis der deutschen Staatsbürgerschaft erbringen sollte - denn das Standesamt hatte zuvor bereits die Personalausweise beider Eltern erhalten.

Die Standesbeamtin habe geantwortet, dass eine Verwaltungsvorschrift sie anhalte, nach der Einbürgerungsurkunde zu verlangen, wenn der Name der betreffenden Person "offensichtlich nicht deutsch sei".

Das Ehepaar habe sich bei der Bürgermeisterin von Buxtehude, Katja Oldenburg-Schmidt, beschwert und dann an die Antidiskriminierungsstelle des Bundes gerichtet, berichtet "taz.de".

Diskriminierung aufgrund ethnischer Herkunft

"Es wird ein überflüssiger amtlicher Unterschied zwischen meiner Frau und mir in Bezug auf unser Deutschsein gemacht, obwohl in unseren Personalausweisen die deutsche Staatsbürgerschaft belegt ist", zitiert die Nachrichtenseite aus Lasners Beschwerde.

Die Antidiskriminierungsstelle habe dem Ehepaar Recht gegeben.

"Bei dem von Ihnen vorgetragenen Sachverhalt handelt es sich allem Anschein nach tatsächlich um eine Diskriminierung aufgrund ethnischer Herkunft", schrieb ein Referent demnach.

Von Seiten der Behörden blieb eine Entschuldigung allerdings wohl aus. Buxtehudes Bürgermeisterin Oldenburg-Schmidt wies demnach lediglich darauf hin, dass ein Personalausweis mit der Angabe "Staatsangehörigkeit: deutsch" keinen Nachweis über die deutsche Staatsangehörigkeit darstelle, sondern lediglich eine Vermutung begründe. Diese solle durch die Einbürgerungsurkunde bestätigt werden.

Behörden wiesen Vorwürfe zurück

Im Gespräch mit "taz.de" wies Adda darauf hin, dass genau darin die Diskriminierung läge. "Sie verlangt eine weitere Urkunde, weil sie weder mir noch meinem Personalausweis in Bezug auf die deutsche Staatsangehörigkeit glaubt", sagte sie der Nachrichtenseite. Bei ihrem Mann habe die Vermutung schließlich nicht belegt werden müssen.

Auch das Standesamt wies die Diskriminierungsvorwürfe zurück. Ausschlaggebend für die Frage nach weiteren Papieren sei nicht der ausländisch klingende Nachname gewesen, sondern Addas Geburtsurkunde - aus dieser gehe hervor, dass Addas Eltern aus Marokko stammten.

Für Adda sei es nicht das erste Mal, dass sie rassistische Diskriminierung im Alltag erlebe. "Fälle von Diskriminierung begleiten mich mein Leben lang", sagte sie der "taz". Aber dass eine Behörde so offensichtlich anders mit Bürgern umgehe, die einen nicht deutsch klingenden Nachnamen hätten, habe sie schockiert. "Sie behandeln mich wie eine Bürgerin zweiter Klasse", sagte Adda der Nachrichtenseite.

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