POLITIK
30/12/2016 01:03 CET | Aktualisiert 30/12/2016 01:08 CET

Unbearbeitete Asylanträge: Bamf-Chef scheint neusten Stand nicht zu kennen

Bamf-Chef Weise scheint nicht auf dem neusten Stand zu sein, was die Zahl der unbearbeiteten Asylanträge angeht
Michael Gottschalk via Getty Images
Bamf-Chef Weise scheint nicht auf dem neusten Stand zu sein, was die Zahl der unbearbeiteten Asylanträge angeht

  • Der scheidende BAMF-Präsident Frank-Jürgen Weise verspricht, den Rückstau bei Asylanträge bald abzubauen

  • Doch offenbar ist er selbst nicht genau über die Zahl der unbearbeiteten Asylanträge informiert

Nachdem das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) in den vergangenen Monaten eine hohe Zahl an unbearbeiteten Asylanträgen angehäuft hat, will die Behörde den Rückstau jetzt bis zum Frühjahr 2017 abbauen.

Doch offenbar weis der scheidende BAMF-Präsident Frank-Jürgen Weise selbst nicht so genau, wie viele Fälle seine Behörde noch auf der To-do-Liste hat.

In einem Gespräch mit der "Bild"-Zeitung sagt er: "Wir haben einen Rückstau von rund 400.000 Verfahren. Etwa 100.000 davon sind sehr spezielle und langwierige Fälle, bei denen entweder keine Dokumente vorliegen oder wir weitere Informationen aus dem Ausland brauchen.“

Weise ist offenbar nicht auf dem neusten Stand

Diesen Rückstau "an unbearbeiteten Asylanträgen" wolle die Behörde "im Frühjahr 2017 weitgehend abbauen", sagte Weise weiter. Zudem müssten die Arbeitsprozesse im BAMF weiter optimiert und die Abläufe noch stärker digitalisiert werden, sagte Weise.

Offenbar ist Weise selbst nicht auf dem neusten Stand, was den Rückstau im BAMF angeht. Nach einem gleichzeitig erschienenen Bericht der "Rheinischen Post" hat das BAMF derzeit mehr anhängige Asylverfahren als am Jahresende 2015 - obwohl es viel effektiver geworden ist.

Mehr zum Thema: BAMF-Studie: Flüchtlinge besser ausgebildet als gedacht

Demnach startet die Behörde mit mindestens 450.000 nicht abgeschlossenen Asylverfahren ins neue Jahr 2017, berichtet die Zeitung auf der Grundlage von Daten der Nürnberger Behörde. Ende 2015 lag die Zahl demnach deutlich unter 400.000.

Warum die Verfahrensdauer ansteigt

Die durchschnittliche Bearbeitungsdauer der zwischen Januar und November 2016 gestellten Asylanträge liegt nach Auskunft der Behörde bei 6,9 Monaten. 2015 waren es dem Bericht zufolge 5,2 Monate.

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge begründe die längere Dauer damit, dass es sich 2016 zunehmend komplexeren Altfällen widme, etwa solchen, in denen die Identität schwer nachweisbar sei, hieß es.

"Die Verfahrensdauer wird wieder deutlich sinken, wenn die Altfälle abgeschlossen sind", sagte ein Behördensprecher der Zeitung. Für Anträge, die seit dem 1. Juni 2016 neu gestellt worden seien, liege die Verfahrensdauer nur noch bei zwei Monaten.

Mit Material der dpa

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