POLITIK
30/12/2016 00:38 CET

Zentralrat der Muslime: "Nationalität sollte bei Tätern nicht verschwiegen werden"

DPA
Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime kritisiert die deutschen Sicherheitsbehörden

  • Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime kritisiert die deutschen Sicherheitsbehörden

  • Er könne nicht verstehen, warum Menschen, die für den IS rekrutieren, nicht im Gefängnis sind

  • Auch zu unbegleiteten Flüchtlingen spricht er überraschend klar

Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, äußert nach dem Anschlag auf den Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz in Berlin scharfe Kritik an den Sicherheitsbehörden.

"Es gibt berechtigtes Unverständnis", sagt er im Interview mit "Faz.net". "Ich verstehe nicht, warum Menschen, die für den IS rekrutieren, nur beobachtet werden. Die müssen ins Gefängnis. Das wird auf Kosten unserer Sicherheit nicht gemacht.“

Er findet es richtig, wenn Medien bei Verbrechen die Herkunft der Täter nennen. "Die Nationalität sollte beim Tatprofil nicht verschwiegen werden“, sagte Mazyek.

"Aber Verkürzungen, die nur aus der Nationalität bestimmte Kausalzusammenhänge schließen, sind meist Bestätigungen von Vorurteilen und helfen kaum, die Tat zu verstehen."

Auch um minderjährige Flüchtlinge müsse sich der Staat besser kümmern. "Unter den minderjährigen unbegleiteten Flüchtlingen gebe es auch einen Anteil, „der verwahrlost und kriminell wird“.

Die jungen Menschen würden oft alleine gelassen. Es gebe sogar Fälle, in denen die Aufenthaltserlaubnis bewusst bis zum 18. Lebensjahr nicht erteilt würde, damit sie ihre Verwandten nicht über den Familiennachwuchs nachholen könnten.

"Solche Jugendlichen stehen dann weinend vor mir, weil ihre Eltern in Syrien sitzen", sagte Mazyek.

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