POLITIK
28/12/2016 23:16 CET | Aktualisiert 29/12/2016 03:46 CET

Silvester 2015: Stadt Köln ließ Flüchtlinge als Wachleute einsetzen

In der Silvesternacht 2015 kam es zu zahlreichen sexuellen Übergriffen
dpa
In der Silvesternacht 2015 kam es zu zahlreichen sexuellen Übergriffen

  • Im Auftrag der Stadt wurden in der Silvesternacht 2015 59 Flüchtlinge als Wachleute in der Innenstadt eingesetzt

  • Die Männer aus Nordafrika, Syrien und Afghanistan wurden in einer Erstunterkunft eingesammelt und erhielten keinerlei Vorbereitung

Bei der Silvesterfeier in Köln 2015, während der es zu massenhaften sexuellen Übergriffen gekommen ist, sollen Flüchtlinge aus Nordafrika, Syrien und Afghanistan als Wachleute eingesetzt worden sein.

Aufgabe der 59 Männer soll es unter anderem gewesen sein, die Rheinbrücken zu sperren. Das berichtet die "Bild"-Zeitung.

Auch wenn keine Berichte vorliegen, dass die von der Stadt bestellten Wachleute an Übergriffen beteiligt waren, zeigt der Text der "Bild" äußerst fragwürdige Praktiken der Sicherheitsfirmen, mit denen die Stadt Köln zusammenarbeitet.

Flüchtlinge bekamen 5 Euro die Stunde - die Firma 15,40 Euro

Demnach habe die Wachschutzfirma "Rheinischer Sicherheitsdienst“ im Auftrag der Stadt Köln im Dezember 2015 Wachleute gesucht. Dabei sollen auch die 59 Flüchtlinge als Wachmänner eingesetzt worden sein. Die Flüchtlinge seien nach Dokumenten, die der Zeitung vorliegen, erst unmittelbar vor dem Einsatz in Erstaufnahmelagern angeworben worden.

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Die einzigen Kriterien im Stellenangebot seien die "Beherrschung der deutschen Sprache, zumindest mittelmäßig“ und "warme Kleidung mitbringen“ gewesen. Den Auftrag habe der Sicherheitsdienst an die Firma "Westturm" als Subunternehmen weitergegeben.

Ihr Stundenlohn habe bei fünf Euro gelegen. Das sei kaum mehr als die Hälfte des gesetzlich vorgeschriebenen Mindestlohns. Der Stadt Köln seien vom Sicherheitsdienst später jeweils 15,40 Euro pro Stunde und Wachmann in Rechnung gestellt worden.

"Wir wussten nicht genau, wer diese Leute sind"

Ein ehemaliger leitender Angestellter von "Westturm" sagte "Bild": "Unsere Mitarbeiter haben die Flüchtlinge einfach in drei Erstaufnahmeeinrichtungen in Ratingen eingesammelt und sie in Kleinbussen zu den Brücken gebracht. Wir wussten überhaupt nicht genau, wer diese Leute sind. Die bekamen eine Security-Weste und teilweise Funkgeräte."

Beim Einsatz kam es zu verheerenden Folgen. Die Rheinbrücken seien schnell völlig überfüllt gewesen. Auf der Hohenzollernbrücke soll in der Nacht Panik geherrscht haben. Um 23.56 Uhr habe der Polizeiführer der Bundespolizei auf der Brücke die Gleise für den Zugverkehr gesperrt, weil Passanten im Chaos von Zügen erfasst werden könnten. 56 Züge seien ausgefallen.

Erst durch die ausfallenden Züge seien die Menschenansammlungen und der Rückstau auf dem Vorplatz des Bahnhofs immer größer geworden, wo es zu den zahlreichen sexuellen Übergriffen kam.

Asylbewerber verließen ihre Posten und verschwanden

Laut des Einsatzplans kam es beim Wachdienst der Flüchtlinge zu mindestens neun Zwischenfälle: Demnach verschwanden auf der Kölner Zoobrücke unmittelbar nach Dienstbeginn gegen 20 Uhr fünf von 20 eingesetzten Flüchtlingen mit ihren Leuchtwesten. Auf der Deutzer Brücke habe ein Wachmann alkoholisiert Dienst geschoben. Sein Kollege habe gegen 22 Uhr seinen Einsatz nach zwei Stunden abgebrochen.

Auf der Hohenzollernbrücke ließ ein Wachmann laut Einsatzprotokoll das Funkgerät mitgehen, ein Asylbewerber habe unmittelbar nach Dienstbeginn seinen Posten verlassen.

Die Kölner Stadtverwaltung soll erst gestern durch die Anfrage der "Bild" vom Einsatz der Flüchtlinge auf den Rheinbrücken erfahren haben. Sie erklärte auf Anfrage, in der Vergangenheit habe sich die Zusammenarbeit mit der Sicherheitsfirma "grundsätzlich unproblematisch" gestaltet.

Von Fehlverhalten der eingesetzten Flüchtlinge auf den Rheinbrücken sei bisher nichts bekannt gewesen. Vor dem Einsatz sei lediglich die Anzahl der Wachleute überprüft worden, nicht aber deren Qualifikation. Da habe man sich auf den beauftragten Sicherheitsdienst verlassen.

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(mf)