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28/12/2016 12:24 CET | Aktualisiert 30/12/2016 13:43 CET

Historikerin Applebaum: "Das Ende der Demokratie an vielen Orten Europas ist vorstellbar"

Historikerin Anne Applebaum kann sich das Ende der Demokratie in Europa vorstellen
Sean Gallup via Getty Images
Historikerin Anne Applebaum kann sich das Ende der Demokratie in Europa vorstellen

  • Die US-Historikerin hält es für möglich, dass die Demokratie in Europa - wie in den 1930er-Jahren - an vielen Orten untergeht

  • Es gebe laut ihr aber auch eine Chance für eine bessere Zukunft

Brexit, Donald Trumps Wahlsieg: Politiker und Medien im Rest der Welt lieferte 2016 einige Gründe für Befürchtungen, dass die Domino-Theorie zuschlagen könnte.

Die besagt, dass ein Staat nach dem anderen in die Hände von Populisten fällt - wie ein Domino-Stein den nächsten umwirft. Und die US-Historikerin Anne Applebaum hat eine düstere Vorahnung, dass in Zukunft genau das eintreten könnte.

Anlass für ihre Sorgen: Parallelen der Gegenwart zu den 1930er-Jahren, dem Jahrzehnt der Krisen und dem Aufstieg des Faschismus.

Radikal und revolutionär

Während der 1930er-Jahre hätten die Leute genauso wie jetzt am Kapitalismus und an der liberalen Demokratie gezweifelt. "Sie glaubten nicht mehr daran, glaubten, 'das System' sei schwach", sagt Applebaum der Schweizer Zeitung "Tagesanzeiger".

Denn die rechten und rechtspopulistischen Parteien hätten mit den damaligen Gruppierungen eine Sache gemein – die sie von den üblichen rechtsgerichteten Parteien unterscheide:

"Ihre Ideologie ist – ähnlich wie jene von Donald Trump – nicht konservativ oder rechts im traditionellen Sinne, sondern radikal und revolutionär", sagt die Historikerin. Sie würden sich eine Ära zurückwünschen, "die in ihren Augen ethnisch reiner und darum besser war."

Mehr zum Thema: 5 Dinge die wir von Europas Rechtspopulisten über Trump lernen können

Daher hält es Applebaum zumindest für möglich, dass sich die Rechtspopulisten durchsetzen und Europa für die nächste Dekade eine düstere Zeit bevorstehe: "Ich kann mir ein Europa vorstellen, das extrem intolerant wird und damit beginnt, Leute aus dem Land auszuweisen, die nicht einheimisch sind. Ein Europa, in dem an vielen Orten die Demokratie endet."

"Die Populistische Internationale"

Für den europäischen Kontinent spricht Applebaum gar von einer "Populistischen Internationalen", die sich diese Ideologie und auch bestimmte Unterstützer teilen würden. Manche der Parteien würden sogar von Russland unterstützt werden.

Applebaum glaubt zwar nicht, dass sich die Geschichte wiederhole. Aber ein nicht mehr demokratisches Europa sei für sie zumindest vorstellbar. Und höchst wahrscheinlich - zumindest wenn eine Sache eintritt: "Wenn Le Pen in Frankreich gewählt wird, ist das Ende der EU sogar so gut wie sicher."

Denn die Vorsitzende der rechtspopulistischen Partei Front National möchte im Falle ihres Wahlsiegs über einen EU-Austritt Frankreichs abstimmen lassen.

Das Revolutionsjahr 2017?

Die Historikerin ist nicht die erste Vertreterin der Wissenschaft, die Parallelen zu vergangenen Jahrzehnten sieht. Der renommierte Politologe Ivan Krastev warnte davor, dass 2017 ein Revolutionsjahr wie 1917 in Russland werden könnte.

Denn im nächsten Jahr stünden viele Entscheidungen an, die das Potenzial haben, "die Welt, wie wir sie kennen zu verändern."

Der Sieg Trumps könnte laut Krastev aber auch ein hoffnungsvolleres Szenario bringen: Er könnte identitätsstiftend sein. Eingeengt zwischen Putin und Trump könnte Europa so stark zusammenwachsen, wie es heute noch keiner zu träumen wagt.

Mehr zum Thema: Politologe Krastev: "2017 könnte für Europa ein Revolutionsjahr wie 1917 werden"

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Die Chance für eine bessere Zukunft

Auch Applebaum sieht noch Chancen für eine bessere Zukunft. Die Menschen müssten für Öffnung statt Abschottung, Internationalismus statt Nationalismus und freiem Handel statt Protektionismus kämpfen.

Wenn man in Demokratien etwas erreichen wolle, müsse man sich richtig engagieren. Die Menschen könnten Geld für eine Partei spenden, selber eine Partei gründen oder sich zur Wahl stellen.

"Es ist die einzige Möglichkeit, die uns bleibt: Wer sich Sorgen um die Welt von heute macht, der muss in die Politik", sagt die Historikerin.

Dann ließe sich das Ende der Demokratie in Europa noch aufhalten.

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