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27/12/2016 09:20 CET | Aktualisiert 27/12/2016 09:31 CET

Polizei-Gewerkschafter warnt: "Polizisten wenden sich von etablierten Parteien ab"

Eine Polizeibeamtin mit ihre Dienstwaffe am Gürtel
dpa
Eine Polizeibeamtin mit ihre Dienstwaffe am Gürtel

  • Der Chef der hessischen Polizei-Gewerkschaft warnt, dass sich die Beamten von den etablierten Parteien abwenden

  • Gründe dafür seien die hohe Belastung und die zunehmende Gewalt und Respektlosigkeit gegenüber Polizisten

Immer mehr Polizisten sind frustriert - und das hat Folgen für die Politik.

Der Chef der hessischen Gewerkschaft der Polizei, Andreas Grün, warnt in einem Interview mit der Tageszeitung "Welt" davor, dass sich immer mehr Polizisten von der schwarz-grünen Landesregierung in Hessen im Stich gelassen fühlten – und sich generell von den etablierten Parteien abwenden würden.

Als Grund dafür sieht Grün zum einen die "nach wie vor sehr, sehr hohe Belastungen" der Beamten. In fast jeder Dienststelle würden Kollegen fehlen. Die Folge sei ein immenser Berg an Überstunden.

Hinzu komme, dass die Gewalt und die Respektlosigkeit gegenüber Polizisten zunehme. "2015 gab es in Deutschland jeden Tag im Durchschnitt 170 tätliche und verbale Angriffe auf Polizeibeamte. Und jeden Tag werden in Deutschland 30 Polizisten Opfer einer gefährlichen oder schweren Körperverletzung", sagt Grün.

Die Belastung zeige sich auch bei den Krankheitstagen der Beamten. Die Rate steige weiter. Die Enttäuschung und die Wut der Beamten wachse, berichtet Grün.

Mehr zum Thema: "Die Zustände machen mich wütend und traurig!": Die Frau eines Polizisten klagt an

Vertrauensverlust gegenüber der Politik

Und die Polizisten haben einen Schuldigen ausgemacht: die Politik.

"Gründe sind ein großer Vertrauensverlust gegenüber der Politik, weil diese das enorme Arbeitspensum der Polizei nicht entsprechend wertschätzt, sondern im Gegenteil durch Gehaltsabkopplungen und Leistungseinbußen bei der Krankenversorgung deutliche Verschlechterungen herbeiführt", erklärt Grün.

Grün sieht diese Entwicklung mit großer Sorge. Denn das führe dazu, "dass sich zunehmend Polizeibeschäftige von den etablierten Parteien abwenden."

Reichsbürger und Pegida

Grün benennt im Interview nicht konkret, in welche Richtung sich die politischen Sympathien der Polizisten entwickeln.

In anderen Bundesländern zeigt sich jedoch eine Tendenz: Die Beamten sympathisieren mit rechten und rechtsradikalen Bewegungen.

In Bayern laufen etwa 15 Disziplinarverfahren gegen Polizisten, die in Verdacht stehen, der Reichsbürger-Szene nahezustehen. Die Mitglieder dieser Bewegung lehnen den Rechtsstaat als illegitim ab.

Über die Polizei in Sachsen wurde in der Vergangenheit ebenfalls berichtet, dass den Beamten die Distanz zur fremdenfeindlichen Pegida-Bewegung fehle.

Die Polizisten in Deutschland scheinen also nach rechts zu rücken - ihrer Arbeit im Dienste des Staates kann das nicht gut tun.

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