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27/12/2016 09:59 CET | Aktualisiert 27/12/2016 10:23 CET

Ökonom erhebt schwere Vorwürfe gegen die Banken: "Wie die DDR im Endstadium"

Professor Max Otte erhebt schwere Vorwürfe gegen die Banken
ullstein bild via Getty Images
Professor Max Otte erhebt schwere Vorwürfe gegen die Banken

  • Der Ökonom Max Otte erhebt schwere Vorwürfe gegen Notenbanken und Kreditinstitute

  • Sie würden nebenbei den Überwachungsstaat einführen und betrieben Planwirtschaft, sagt er

  • Ein Ereignis macht ihm aber Hoffnung für die Zukunft

Im Jahr 2006 kündigte der Ökonom Max Otte einen Börsencrash an. Schon kurze Zeit später gab ihm die Finanzkrise Recht – und machte ihn zum bekannten Prognostiker.

Jetzt hat Otte eine weitere düstere Vorhersage. Für ihn ist die Welt in einem desolatem Zustand und Europa auf dem Weg in die Planwirtschaft.

Im Interview mit der "Wirtschaftswoche" spricht er über Entwicklungen innerhalb der Finanzwelt, die ihm Sorgen machen.

"Nebenbei setzt man den Überwachungsstaat durch"

Da ist zum einen die Zins-Politik der Notenbanken in den USA und Europa. In den USA steigen die Zinsen bereits, während die EZB sie auf Rekordtief beließ. Aber das könne für Otte eines nicht verbergen:

"Wir haben das große Problem, dass die Notenbankpolitik an ihre Grenzen stößt. Das System der manipulierten Märkte zeigt immer mehr Ermüdungserscheinungen und Sollbruchstellen."

Zum anderen sieht Otte eine Reaktion auf die Situation der Notenbanken besonders kritisch: In einer global konzertierten Initiative würden die Banken versuchen, weltweit das Bargeld abzuschaffen.

So hat John Cryan, der Chef der Deutschen Bank, auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos prophezeit, dass das Bargeld in zehn Jahren verschwunden sein wird. Auch die Europäische Zentralbank (EZB) geht einen ersten Schritt in diese Richtung. Gegen Ende 2018 soll der 500-Euro-Schein eingestellt werden.

"Nebenbei setzt man den Überwachungsstaat durch"

Mitte der Abschaffung des Bargelds könnte das marode Bankensystem besser saniert werden. Für die Menschen hätte das jedoch einen gewaltigen Nachteil: "Nebenbei setzt man auch noch den Überwachungsstaat durch und eröffnet den E-Commerce-Unternehmen riesige Datenmengen, weil die Bürger nur noch elektronisch bezahlen", kritisiert Otte.

Für diese düstere Zukunftsvision findet der Wirtschaftsprofessor noch einen entsprechend finsteren Vergleich: "Das ist wie die DDR im Endstadium."

Viele Ökonomen sehen die weitgehende Abschaffung des Bargeld aber auch positiv. Der Wirtschaftsprofessor Kenneth Rogoff plädiert dafür, weil sich Steuerbetrug damit effektiver bekämpfen ließe.

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Manche würden es Planwirtschaft nennen

Otte erhebt jedoch noch weitere schwere Vorwürfe gegen die Politik der EZB: Die Zentralbank tue alles, um die Länder in der Krise zu retten oder zu stabilisieren. Sie hat daher die Zinsen nicht erhöht und kaufe seit dem Sommer sogar Unternehmensanleihen. "Das ist direkter sozialistischer Staatsinterventionismus", sagt Otte.

Seine Professoren in den achtziger Jahren hätten dafür nur einen Begriff gewählt: "Was wir jetzt haben, hätten sie schlicht Planwirtschaft genannt." Die Folgeschäden dieser in seinen Augen fehlerhaften Politik seien nicht absehbar.

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Trump könne Amerika aus der Spaltung führen

Es gibt jedoch ein Ereignis, dass Otte Mut für die Zukunft macht: der Wahlsieg Donald Trumps. "Mit Blick auf die Weltwirtschaft und das kommende Jahr würde ich sagen: 'Gebt Trump eine Chance'", sagt Otte.

Der künftige US-Präsident stehe außerdem für eine größere Autorität des Staates gegenüber den großen Konzernen, was Otte befürwortet. Trump sei von der Militär- oder Öl-Lobby unabhängig.

Daher habe er einen Gestaltungsspielraum, sich zu den Konzernen anders zu verhalten. Denn die hätten mit Marktwirtschaft nichts zu tun. "Das sind große Oligopole, das sind Herrschaftsstrukturen", sagt Otte über Apple und Microsoft.

Ob Trump das wirklich gelingt, werden die nächsten vier Jahre zeigen. Manche seiner Ernennungen geben zumindest Anlass zu zweifeln, ob Trump tatsächlich unabhängig von der Wirtschaft regieren wird. Denn sein künftiger Außenminister Rex Tillerson ist Geschäftsführer des Erdöl-Konzerns ExxonMobile. Der designierte Finanzminister Steven Mnuchin arbeitete für die Investment-Bank Goldman Sachs.

Mit Trump sieht Otte trotzdem die Chance, aus dieser "chaotischen Welt" herauszukommen. "Auch wenn der Mann kein Engel ist, könnte er es schaffen, Amerika aus einer Phase der Spaltung und der institutionalisierten Korruption heraus zu mehr Einigkeit zu führen", glaubt er.

Für den künftigen US-Präsidenten sind die ersten positiven Auswirkungen seines Schaffens schon eingetreten. Auf dem Kurznachrichtendienst Twitter schrieb Trump: "Die Welt war düster, bevor ich gewonnen habe - es gab keine Hoffnung. Jetzt gehen die Kurse nach oben und die Weihnachts-Ausgaben liegen bei über drei Billionen Dollar!"

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