POLITIK
27/12/2016 23:38 CET | Aktualisiert 28/12/2016 02:28 CET

Gerald Wagener: Warum ein Krefelder CDUler alles daran setzt, dass Merkel die Wahl verliert

JOHN MACDOUGALL via Getty Images
Kanzlerin Angela Merkel bekommt es zunehmend mit Gegnern aus ihrer eigenen Partei zu tun

  • Viele CDU-Mitglieder sind mit dem eingeschlagenen Weg ihrer Parteichefin und Kanzlerin Angela Merkel unzufrieden

  • Nun will ein CDUler noch weiter gehen - und die Partei mit drastischen Mitteln runderneuern

Der Krefelder Unternehmer Gerald Wagener will die CDU konservativ erneuern - und denkt dabei über drastische Mittel nach. Er kann sich vorstellen, die Merkel-treuen Kandidaten der CDU während des Wahlkampfs 2017 in einer eigenen Anzeigenkampagne bloßzustellen. Jetzt droht ihm ein Parteiausschlussverfahren.

Der 55-Jährige gründete im Oktober die Initiative K3 ("Konservativer Kreis Krefeld"). Das Ziel der Gruppe: die CDU zurück zu konservativen Werten führen. "Unter der Kanzlerschaft von Angela Merkel hat die CDU immer weiter ihren Markenkern verloren", heißt es in einem Thesenpapier zur Gründung der Vereinigung.

In dem Papier werden die Anhänger der Bundeskanzlerin klar als politische Gegner dargestellt. "Wir verstehen uns als Guerilla“, sagte Wagener im Gespräch mit der "Welt".

Insbesondere die Flüchtlingspolitik der Kanzlerin steht in der Kritik

Die Kritik richtet sich vor allem gegen die Geld- und Fiskalpolitik Europas und die Flüchtlingspolitik von Bundeskanzlerin Angela Merkels.

Die Initiative ähnelt anderen Merkel-kritischen Zusammenschlüssen innerhalb der CDU, wie zum Beispiel der Gruppe "Konrads Erben", einer Vereinigung ehemaliger Stipendiaten der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung die sich im November gegründet hat.

Der Zusammenschluss fordert unter anderem eine Obergrenze für Flüchtlinge, eine "weitestmögliche Einschränkung des Asylrechts" und eine Flüchtlingspolitik, die nicht von der Türkei abhängig ist.

Noch viel weiter geht Wegener. Er hofft, dass die CDU die kommenden Bundestagswahlen verlieren und sich dann in der Opposition durch eine "Katharsis" erneuern wird.

Anzeigenkampagne gegen die eigene Partei

Um dieses Ziel zu erreichen, denkt er über eine Anzeigenkampagne nach, in der die CDU-Bundestagskandidaten für Krefeld, Ansgar Heveling und Kerstin Radomski, auf sarkastische Weise lächerlich gemacht werden sollen.

Nach Angaben der "Rheinischen Post" sind bereits vier Anzeigenmotive in der engeren Auswahl. Eines davon sollte der Slogan sein: "Wählt mich, ich kann sonst nichts".

Verständlich, dass die Krefelder CDU-Spitze empört ist, dass gerade ein CDU-Mitglied eine Wahlkampagne gegen die Kandidaten der eigenen Partei führen will. Nach Angabe der "Welt" denkt der Vorstand des Kreisverbandes Krefeld daher über ein Parteiausschluss nach.

Parteivorstand sieht "Anti-CDU-Kampagne"

In einem Beschluss des Parteivorstands aus der vergangenen Woche wird Wagener vorgeworfen, "treibende Kraft“ einer "Anti-CDU-Kampagne" zu sei. Er habe bereits "schweren Schaden" verursacht, schreibt die Tageszeitung. Nun soll er bis zur nächsten Vorstandssitzung im Januar schriftlich erklären - sonst drohe das Parteiausschlussverfahren.

Krefelds CDU-Kreisvorsitzender Marc Blondin droht Wagener schon jetzt mit dem Rausschmiss: "Wer öffentlich ankündigt, alles dafür zu tun, dass die eigene Partei Wahlen verliert, und dazu gezielt Kampagnen gegen demokratisch gewählte Kandidaten in Aussicht stellt, hat in unserer Union nichts mehr zu suchen", sagte er gegenüber der "Welt". Wagener habe eine rote Linie überschritten.

Bisher sei noch nicht entschieden, ob K3 mit einer eigenen Kampagne gegen Merkel-Treue in den Wahlkampf ziehen wird oder ob die Initiative lieber konservative Kandidaten stärken will - oder beides. Eine Entscheidung soll im Februar fallen. Sicher ist: Für Merkel wird es ein schwieriger Wahlkampf.

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(mf)