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27/12/2016 07:45 CET | Aktualisiert 28/12/2016 08:25 CET

AfD-Gruppe postet widerliche Zeichnung von Angela Merkel - so reagiert Facebook

Es ist wohl die widerlichste Reaktion, die nach dem Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt erschienen ist, bei dem zwölf Menschen starben.

Am 23. Dezember postete eine Gruppe mit dem Namen "Patriotische Plattform" eine Collage auf ihrer Facebookseite, die Bundeskanzlerin Angela Merkel in dem Lastwagen zeigt, der für das Attentat auf den Weihnachtsmarkt genutzt wurde (das Bild ist inzwischen gelöscht).

Neben der Kanzlerin sitzt der mutmaßliche Attentäter Anis Amri. Über dem Bild steht: "Die Asylpolitik fuhr mit." Unter dem Laster ist eine Blutlache zu sehen.

merkel

"Patriotische Plattform" steht der AfD

Zu dem Post muss man wissen: Die "Patriotische Plattform" ist nicht irgendeine Vereinigung rechter Spinner, sondern eine Gruppierung, die der Alternative für Deutschland nahe steht.

Vorstand der Gruppe ist der Islamwissenschaftler Hans-Thomas Tillschneider, der auch AfD-Landtagsabgeordneter in Sachsen-Anhalt ist und als intellektueller Kopf der Rechten in der Partei gilt.

Pretzell: "Es sind Merkels Tote!”

Die "Patriotische Plattform" gilt zudem als "Fanclub" des AfD-Rechtsaußen Björn Höcke, der regelmäßig mit völkischen Thesen Schlagzeilen macht.

Die Collage ist eine weitere Eskalation der AfD-Rhetorik in Bezug auf den Anschlag in Berlin. Kurz nach der Tat hatte der AfD-Landesvorsitzende in Nordrhein-Westfalen, Marcus Pretzell, getwittert: "Es sind Merkels Tote!”

Der Pressesprecher der Bundes-AfD sagte der Huffington Post in Bezug auf die Zeichnung der "Patriotischen Plattform": "Es entspricht nicht unserem Duktus, Frau Merkel die unmittelbare, persönliche Verantwortung für die Anschläge durch Flüchtlinge zu geben. Mittelbar sind wir sehr wohl der Auffassung, dass Frau Merkel durch ihre verfehlte Asylpolitik den sozialen Frieden und die Sicherheit in Deutschland massiv gefährdet."

André Poggenburg, Fraktionsvorsitzender der AfD in Sachsen Anhalt, schrieb der Huffington Post auf eine Anfrage, ob die AfD in dem Bundesland zur Aussage des Posts stehe: "Dieser Post wurde nicht im Wissen und mit Auftrag durch die AfD Sachsen-Anhalt herausgegeben. Aus Gründen der Pietät werden wir diesen Post auch nicht teilen oder anderweitig vervielfältigen, auch wenn wir zu der Grundaussage ebenfalls stehen."

Eine Verurteilung hört sich anders an.

So reagierte Facebook auf den Post

Bedenklich ist auch, was Facebook nach Prüfung des Posts schrieb - ein Nutzer hatte in der Zeichnung wohl einen Verstoß gegen die Netiquette des Sozialen Netzwerks gesehen. Auch Scania hat bei Facebook eine Löschung des Beitrages beantragt, wie eine Unternehmenssprecherin der Huffington Post bestätigte.

Facebook antwortete: "Wir haben das Foto geprüft und festgestellt, dass es nicht gegen unsere Gemeinschaftsstandards verstößt."

Gepostet hat die Antwort von Facebook der Autor Jürgen Roth auf Twitter.

Die Antwort zeigt, wie ernst Facebook den Kampf gegen Hasskommentare Im Netz nimmt ...

Scania prüft derzeit rechtliche Schritte gegen die "Patriotische Plattform".

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(cho)