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26/12/2016 13:21 CET | Aktualisiert 26/12/2016 13:25 CET

Rückschlag für Schulz: Mehrere SPD-Ministerpräsidenten fordern Gabriel als Kanzlerkandidaten

Sigmar Gabriel, Vize-Kanzler und SPD-Parteichef
ODD ANDERSEN via Getty Images
Sigmar Gabriel, Vize-Kanzler und SPD-Parteichef

  • Die SPD debattiert derzeit, wer sie in den Bundestagswahlkampf führen soll

  • Spitzenpolitiker der Partei haben sich nun erneut für Sigmar Gabriel ausgesprochen

  • Obwohl der in den Umfragen weiterhin extrem unbeliebt ist

Ungeachtet guter Umfragewerte für Martin Schulz haben sich führende SPD-Politiker für eine Kanzlerkandidatur von Sigmar Gabriel ausgesprochen. "Der Vorsitzende einer so stolzen Partei wie meiner ist dazu prädestiniert, seine Partei in den Wahlkampf zu führen", sagte Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig der Deutschen Presse-Agentur.

Auch Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller glaubt nicht, dass ein anderer besser geeignet wäre. Alle früheren Wahlkämpfe widerlegten die Ansicht, dass allein ein anderer Kandidat zu besseren Umfragewerten führe.

Das Bekenntnis der SPD-Oberen ist ein Rückschlag für Martin Schulz, den Präsidenten des Europäischen Parlaments, der vor einigen Wochen seinen Wechsel in die Berliner Politik erklärt hatte.

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Düsteres Bild in den Umfragen

Die Sozialdemokraten wollen am 29. Januar verkünden, mit welchem Kanzlerkandidaten sie in den Bundestagswahlkampf 2017 ziehen. Gabriel hat als Parteichef das erste Zugriffsrecht. Sollte er verzichten, könnte Schulz zum Zuge kommen.

Der scheidende EU-Parlamentspräsident, der im Januar in die Bundespolitik wechseln will, erzielte in Umfragen zuletzt deutlich höhere Zustimmungswerte als Gabriel. Er wird auch als möglicher Außenminister gehandelt.

Albig betonte, er schätze Schulz sehr und habe eine außerordentlich gute Beziehung zu ihm. "Aber der Umstand, als Präsident des EU-Parlaments sehr beliebt zu sein, bedeutet nicht zwangsläufig, dass man nach einer Ernennung zum Kanzlerkandidaten noch genau so beliebt bleibt wie davor", sagte Albig.

Zuvor hatten sich auch andere SPD-Ministerpräsidenten eindeutig zu Gabriel bekannt.

"Kraftvoller, ideenreicher Politiker"

Für die SPD sieht es in den Umfragen weiter düster aus. Im jüngsten Sonntagstrend, den das Meinungsforschungsinstitut Emnid wöchentlich für die "Bild am Sonntag" erhebt, erreichen die Sozialdemokraten nur noch 21 Prozent (minus 1).

Auf diesem Niveau rangierte die Partei zuletzt im Juni 2016. Schlechter war die Partei in den Sonntagstrends nur noch im Oktober 2009 nach der Wahlniederlage von Frank-Walter Steinmeier. Damals war noch Franz Müntefering Parteichef.

Berlins Regierender Bürgermeister Müller räumte ein: "Ja natürlich, unsere Umfragen könnten besser sein. Aber zu sagen, es liegt nur am Parteivorsitzenden, man müsste da eine andere Entscheidung treffen und schon würde es andere Werte geben, das ist nicht richtig", sagte Müller der Deutschen Presse-Agentur.

Er habe in den letzten Wochen keinen Hehl daraus gemacht, dass aus seiner Sicht der Parteichef den ersten Zugriff auf die Kandidatur habe und Gabriel seiner Meinung nach "ein guter, kraftvoller, ideenreicher Politiker ist, der das auch kann".

"Kraftvoller, ideenreicher Politiker"

Der Hamburger Bürgermeister Olaf Scholz verteidigte den Fahrplan für die Kandidatenkür. "Es gibt keinen Anlass, an dem sorgfältig verabredeten Zeitplan etwas zu ändern", sagte der stellvertretende SPD-Bundesvorsitzende der dpa.

Obwohl der SPD-Kanzlerkandidat erst im Januar feststehen soll, hat die Partei aus Sicht der rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) noch genug Zeit für den Bundestagswahlkampf.

"Wir haben schon sehr viel inhaltlich gearbeitet", sagte Dreyer der Deutschen Presse-Agentur in Mainz. "Wenn festgelegt ist, wer der Kandidat oder die Kandidatin sein wird, ist die Kampagne ganz schnell entwickelt. Da habe ich keine Bedenken."

Beim künftigen Kanzlerkandidaten der SPD müssen nach den Worten von Partei-Vize Thorsten Schäfer-Gümbel Programm und Person zusammen passen. "Die Union ist und bleibt ein Kanzlerwahlverein, die sich darauf reduzieren kann, den Status quo irgendwie zu erhalten", sagte der hessische SPD-Landeschef der dpa.

"Die SPD ist als Programmpartei darauf angewiesen, überzeugende Antworten dazu zu geben, dass das Leben für die Menschen gerechter und besser wird."