ENTERTAINMENT
26/12/2016 05:04 CET | Aktualisiert 26/12/2016 06:06 CET

George Michael als Mann der Extreme: Schillerndes Leben und früher Tod

  • David Bowie, Prince und nun George Michael

  • Das Jahr 2016 meinte es nicht gut mit den Popikonen der 80er und 90er Jahre

  • Mit Michael geht ein Star, der von den Massen, Kritikern und Kollegen gleichermaßen geschätzt wurde

  • Eine Zusammenfassung seht ihr im Video oben

Die treibende Kraft hinter den ersten musikalischen Gehversuchen von George Michael war ziemlich trivial. "Ich wollte geliebt werden", gab der britische Sänger einst unumwunden zu. "Das war ein Ego-Befriedigungs-Ding."

Auf dem Olymp des Ruhms schien er dann mit seinem Dasein als Star zu hadern. Er würde gerne mit den Tourneen und Interviews etwas kürzer treten und sein Werk für sich selbst sprechen lassen, sagte er.

Als einer von wenigen Poplegenden gelang Michael der Spagat: Am Anfang als Teenieidol von der MTV-Generation vergöttert, imponierte er den Kritikern später als gereifter Solo-Künstler mit goldener Stimme.

Fans erwarteten sogar ein Comeback des Popstars

Dass Michael nach erster Zurückhaltung in seiner Kunst selbstbewusst zu seiner sexuellen Orientierung stand, machte ihn bei seinen Fans umso beliebter. Die hielten ihm trotz seiner Eskapaden treu die Stange, erwarteten sogar ein großes Comeback.

Das sollte ihm aber nicht mehr vergönnt sein. Just zur Weihnachtszeit, da vielerorts wieder der Wham!-Schlager "Last Christmas" erklingt, starb Michael im Alter von 53 Jahren in England. Als Todesursache nannte sein Manager Herzversagen. Weggefährten und Musikkollegen verneigten sich vor Michael.

Mehr zum Thema: "Last Christmas": Das steckt wirklich hinter George Michaels bekanntestem Hit

Zu Ruhm gelangte er schon in jungem Alter als Leadsänger von Wham!. Es klang wie eine klassische Showbiz-Geschichte: ein Junge namens Georgios Kyriakos Panagiotou mit griechisch-zyprischen Wurzeln nennt sich George Michael und gründet mit seinem Schulfreund Andrew Ridgeley ein Pop-Duo, das ihn unsterblich macht.

Fotos und Videos aus jener Ära in den frühen 80er Jahren zeigen einen blendend aussehenden Michael mit langen Locken, durchdringenden Augen und einem kecken, einnehmenden Lächeln.

Ein Rebell, wie er im Buche steht

Er schien wie gemacht für das um die Zeit aus der Taufe gehobene MTV: Bei dem Sender kam Michaels imposante Präsenz vor der Kamera bestens zur Geltung. Einige seiner Tanzschritte schaute er sich bei Elvis Presley ab. Zugleich stilisierte er sich als Motorrad-Rebell, der James Dean oder Marlon Brando stolz gemacht hätte.

Als er sich von Wham! emanzipierte und eigene Hits landete, schien er ganz oben in der Popwelt angekommen zu sein. Doch bekannte Michael später, dass er damals mit seiner Sexualität gerungen habe. Seine Jahre als Endzwanziger habe er als sehr deprimierende Phase in Erinnerung.

"Ich hatte meine erste Beziehung mit 27 Jahren, weil ich mich meiner Sexualität erst richtig mit 24 gestellt hatte", sagte Michael. "Ich verlor meinen Partner an HIV, dann brauchte ich rund drei Jahre fürs Trauern; danach verlor ich meine Mutter. Ich hatte fast das Gefühl, verflucht zu sein."

Unruhig und traurig war er damals, und doch fielen in diese Zeit seine größten Chart-Triumphe. Bei Preis-Galas konnte sich Michael vor Trophäen kaum retten, mit Musikgiganten wie Aretha Franklin, Ray Charles, Luciano Pavarotti und Elton John ging er für Duette ins Aufnahmestudio.

Michael testete Grenzen aus - bei allem, was er tat

Michaels Erfolgsrezept beruhte neben der gekonnten Melange aus Soul- und Dance-Elementen wohl auf dem Austesten von Grenzen. Da war etwa der schlüpfrige Song "I Want Your Sex" aus seinem Hitalbum "Faith" von 1987, dem ein nicht weniger provokatives Video beigestellt wurde.

Das Lied galt nicht nur wegen seines unzweideutigen Inhalts als kontrovers, sondern wegen der als Ermunterung zum Gelegenheitssex verstandenen Botschaft in Zeiten einer Aids-Epidemie. Die Kritik versuchten Michael und sein Management notdürftig einzufangen, indem der Sänger im Video die Worte "Erkunde Monogamie" auf die Beine und den Rücken eines Models kritzelt.

Damals hatte sich der Popstar noch nicht als schwul geoutet, seine Erfolge fußten vor allem auf seinem Sex-Appeal bei jungen Frauen. Doch das sollte sich 1998 abrupt ändern: In Los Angeles wurde er von einem Zivilpolizisten auf einer öffentlichen Toilette bei der Suche nach Sex erwischt. Der Vorwurf: unsittliches Verhalten.

Zu einem früheren Zeitpunkt hätte der Vorfall wohl das Ende seiner Karriere besiegelt. Doch statt einzuknicken, ging Michael mit der Single "Outside" und einem dazu passenden Video in die Offensive. Der Song nahm die Anschuldigungen gegen ihn auf die Schippe - und den Polizisten, der ihn festnahm, gleich mit.

Lange versteckte er seine Homosexualität

Viele können sich an die Szene mit den zwei sich küssenden Polizisten in Uniform erinnern. Manche empfanden das als schreiend komisch, andere als Affront. Und Michael nutzte die Episode für einen Befreiungsschlag. Fortan sprach er mit Stolz über seine Homosexualität und war sich auch nicht zu schade, sich über sich selbst lustig zu machen.

Der Strom der Hits begann mit den Jahren jedoch abzuebben, dafür gab es reichlich Sorgen um seinen Gesundheitszustand und zunehmenden Ärger mit der Polizei wegen seines offenen Drogenkonsums. Ungerührt gab er zu, dass er Marihuana und Schmerzmitteln verfallen war.

Mehrmals saß er mit Rauschgift im Blut am Steuer, baute Unfälle oder wurde hinter dem Lenkrad zusammengesunken aufgefunden. Seine erratische Fahrweise wurde häufig Zielscheibe von Spott, doch waren die zugrundeliegenden Probleme ernst.

2010 wurde Michael schließlich für fünf Jahre der Führerschein entzogen, nachdem er seinen Rover mit voller Wucht in einen Fotoladen gelenkt hatte.

Seine Songs wurden zu Pop-Hymnen der LGBT-Gemeinde

2008 wurde Michael im Norden von London ein zweites Mal auf einer öffentlichen Toilette festgenommen, diesmal wegen Drogenkonsums. Der Vorfall veranlasste ihn zu einer Entschuldigung bei den Fans und dem Schwur, sein Leben in Ordnung zu bringen.

Auf einer Pressekonferenz zeigte er sich gut drei Jahre später ebenfalls reumütig. Er habe das Gefühl, gerade junge Menschen mit seinem Verhalten enttäuscht zu haben.

Obendrein habe er es anderen leicht gemacht, auf Homosexuelle herabzusehen, sagte er nachdenklich. Doch wahr ist, dass seine Songs zu diesem Zeitpunkt für viele Menschen zu Pop-Hymnen der LGBT-Gemeinde geworden waren.

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(pb)