POLITIK
26/12/2016 23:00 CET | Aktualisiert 27/12/2016 02:26 CET

Weil er Erdogan keinen Tee servieren will: Kantinenchef im Gefängnis

Der Kantinenchef der türkischen Oppositionszeitung "Cumhuriyet", Senol Buran, wurde festgenommen. Ihm wird eine "Beleidigung des Staatschefs" Recep Tayyip Erdogan vorgeworfen. Das berichtete die Zeitung am Montag.

Der Grund: Er soll geäußert haben, dass er Erdogan keinen Tee servieren wolle, falls dieser in seine Kantine kommen solle. Buran sei am Sonntag deshalb in Untersuchungshaft genommen worden. Zuvor war seine Wohnung am Samstag von der Polizei durchsucht worden, sagte sein Anwalt Özgür Urfa.

Polizist zeigt den Kantinen-Chef an

Der Kantinenchef wurde dem Bericht zufolge von einem der Polizisten angezeigt, die für die Sicherheit des Redaktionsgebäudes in Istanbul zuständig sind.

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Nach einem Dokument, das der Nachrichtenagentur Reuters vorliegt, weist Buran den Vorwurf der Beleidigung zurück, bestätigt aber, dass er gesagt habe, er wolle Erdogan keinen Tee servieren. Außerdem sagte er, er habe vor zwei Jahren einen Streit mit dem Polizisten gehabt, der ihn anzeigte.

"Starker Verdacht einer begangenen Straftat"

Dem Dokument nach hat ein Gericht in Istanbul am Sonntag die Festnahme wegen des "starken Verdachts einer begangenen Straftat" angeordnet. Die Untersuchungshaft wurde verhängt, damit der Kantinenchef keinen Druck auf Zeugen ausüben könne, steht darin.

Auf Präsidentenbeleidigung stehen in der Türkei bis zu vier Jahre Haft. Seitdem Erdogan im August 2014 das Amt des Staatschefs übernahm, wurden schon fast 2000 Verfahren unter diesem Vorwurf in Gang gesetzt.

"Cumhuriyet" ist eine der Erdogan-kritischsten Zeitungen in der Türkei. Mehrere Journalisten des Blattes wurden in den vergangenen Wochen festgenommen, die meisten von ihnen wegen des Vorwurfs "terroristischer Aktivitäten".

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(mf)