POLITIK
26/12/2016 22:13 CET | Aktualisiert 27/12/2016 05:17 CET

Attentat in Berlin: Obduktion stellt unsere Vorstellung vom Ablauf in Frage

  • Es gibt neue Hinweise, wie der Terroranschlag auf den Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz abgelaufen ist

  • Bisher ging man davon aus, dass der polnische Lastwagenfahrer mit dem mutmaßlichen Attentäter Anis Amri kämpfte und so möglicherweise Leben rettete

  • Die Obduktion der Leiche deutet nun jedoch darauf hin, dass das nicht stimmt

Der Ablauf des Anschlags auf den Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz stellt sich offenbar anders dar, als bislang angenommen. Neuesten Ermittlungsergebnissen zufolge hat es im Führerhaus des Lkw keinen Kampf zwischen dem Attentäter und dem polnischen Lastwagenfahrer gegeben.

Darauf deuten die Ergebnisse der Obduktion der Leiche des Fahrers hin.

Der Fahrer, der nach dem Lastwagenanschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt tot auf dem Beifahrersitz gefunden wurde, hatte nach "Bild"-Informationen schon Stunden vor der Tat einen Kopfschuss erlitten.

Täter schoss dem Fahrer schon am Nachmittag in den Kopf

Bislang war vermutet worden, dass der Mann noch kurz vor dem Anschlag mit dem Attentäter im Führerhaus gekämpft hatte. Es war angenommen worden, dass er dem Attentäter ins Lenkrad griff und so Dutzende Menschenleben rettete. Doch dies trifft offenbar nicht zu.

Die abschließenden Obduktionsergebnisse hätten ergeben, dass der Pole am Tag der Bluttat schon zwischen 16.30 und 17.30 Uhr einen Kopfschuss erlitten und viel Blut verloren habe, berichtete die "Bild"-Zeitung am Montagabend in ihrem Onlineportal.

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Möglich sei, dass er zum Zeitpunkt des Attentats noch gelebt habe. Doch das er in diesem Zustand mit dem Attentäter gekämpft haben soll, ist unwahrscheinlich.

Alles deutet darauf hin, dass der Angreifer dem Lastwagenfahrer sofort in den Kopf schoss, als er das Fahrzeug vor dem Gelände der Thyssen-Krupp-Niederlassung am Friedrich-Krause-Ufer in Berlin-Moabit in seine Gewalt brachte.

Online-Petition fordert Bundesverdientskreuz für den Fahrer

Der 37-jährige Lastwagenfahrer hatte seinen Sattelschlepper dort am 19. Dezember in Berlin geparkt, um auf die Entladung seiner Fracht zu warten. Nach Angaben des Spediteurs war er etwa ab 16.00 Uhr telefonisch nicht mehr erreichbar.

Kurz nach 20.00 Uhr steuerte der Attentäter den Lastwagen auf den Weihnachtsmarkt. Auf dem Markt starben elf Menschen, mehr als 50 wurden verletzt.

In einer Online-Petition wird zurzeit das Bundesverdienstkreuz für den Mann gefordert, weil er durch sein Eingreifen Schlimmeres verhindert habe. Die Petition erfährt derweil weiter großen Zulauf. Auf der Plattform Change.org gab es bis Dienstagmorgen rund 37.000 Unterstützer für das Anliegen.

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(mf)