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26/12/2016 05:44 CET | Aktualisiert 26/12/2016 15:14 CET

Eine junge Italienerin starb bei dem Anschlag in Berlin - das schrieb sie in einem ihrer letzten Tweets

Vergangenen Montag raste ein Lastwagen in den Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz. Es war ein terroristischer Akt, der 12 Menschen mit in den Tod riss - darunter auch die junge Italienerin Fabrizia.

Seit drei Jahren lebte sie in der Hauptstadt. In den sozialen Medien setzte sie sich für die Rechte von Flüchtlingen ein, lobte Bundeskanzlerin Merkel des Öfteren. Besonders tragisch: Ausgerechnet ein Flüchtling aus Tunesien lenkte den Todes-Lkw in die Menschenmenge.

"Mama ich gehe jetzt auf den Markt"

Fabrizia, die aus dem italienischen Dörfchen Sulmona stammt, kam aus beruflichen Gründen nach Berlin. Sie arbeitete in einem Logistik-Unternehmen. Am Montagabend wollte sie auf den Weihnachtsmarkt gehen. Laut der "Bild"-Zeitung sagte sie ihrer Mutter kurz zuvor am Telefon: "Mama, ich gehe jetzt auf den Markt, noch ein paar Geschenke kaufen. Wir sehen uns am Mittwoch."

Als im italienischen Fernsehen die Meldung über das Attentat gesendet wurde, bekam Fabrizias Vater ein mulmiges Gefühl. Er versuchte laut "Bild", seine Tochter auf dem Handy zu erreichen. Vergeblich. Patrizia hob nicht mehr ab, war zu dem Zeitpunkt wohl schon tot.

"Es ist ein Fehler, Terrorismus über Einwanderung zu stellen"

"Fräulein F." nannte sich die hübsche Italienerin auf Twitter. Auf jedem Bild lacht sie in die Kamera. Sie sprach sich für offene Grenzen aus. Für Toleranz gegenüber Flüchtlingen. Fabrizia war begeistert von Angela Merkels Flüchtlingspolitik.

In einem ihrer letzten Tweets schrieb die junge Frau: "Es ist ein Fehler, Terrorismus über Einwanderung zu stellen." Sie zitierte den Spruch aus einem Artikel der italienischen Tageszeitung "Corriere".

Im Oktober 2015 teilte die junge Frau einen Artikel der italienischen Zeitung "Internazionale". Dazu schrieb sie: "Deutschland ist so großzügig zu Flüchtlingen."

"Es ist ein Fehler, Terrorismus über Einwanderung zu stellen"

Fabrizia liebte die Hauptstadt. Sie war ganz offensichtlich glücklich, in Berlin leben zu dürfen. "In Deutschland hat es sich noch nie so gut gelebt wie jetzt" twittert sie im Mai 2015 - dazu ein Artikel aus der italienischen Ausgabe der Huffington Post.

Flüchtling aus Tunesien soll Lastwagen gefahren haben

Für den Terroranschlag in Berlin wird der Tunesier Anis Amri verantwortlich gemacht. Der Mann reiste 2015 als Flüchtling nach Deutschland ein. Monatelang hielt er die deutschen Behörden zum Narren, er soll sieben Aliasnamen benutzt haben. Amri bekannte sich zur Terrormiliz Islamischer Staat.

Am Montag soll er einen Lastwagen einer polnischen Spedition entführt haben und ihn als Waffe genutzt haben: 12 Menschen starben, als Amri mutmaßlich den 25 Tonnen schweren Lkw in den Berliner Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz lenkte.

Anschließend erschoss er wohl den entführten Lkw-Fahrer Lukasz U., der den Anschlag auf dem Beifahrersitz miterlebte. Tausende fordern nun das Bundesverdienstkreuz für den Polen - er könnte noch Schlimmeres verhindert haben, indem er mit dem Attentäter kämpfte.

Mehr zum Thema: Anis Amri ist tot - doch viele Fragen bleiben

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(lk)