WIRTSCHAFT
25/12/2016 16:16 CET | Aktualisiert 25/12/2016 16:20 CET

So viele Frauen braucht ein Unternehmen, um erfolgreich zu sein

So viele Frauen braucht ein Unternehmen, um erfolgreich zu sein
Gettystock
So viele Frauen braucht ein Unternehmen, um erfolgreich zu sein

Unternehmen mit Frauen in der Chefetage sind kreativer als Firmen ohne weibliches Personal an der Spitze. Aber erst, wenn Frauen einen bestimmten Anteil der Führungskräfte stellen.

Zu diesem Ergebnis sind die Technischen Universität München (TUM) und die Boston Consulting Group (BCG) in einer neuen Studie gekommen. Ihr Titel: "The Mix That Matters: Innovation Through Diversity", also "Es kommt auf die Mischung an: Innovation durch Vielfalt".

"Innovationsschub ab Frauenanteil von 15 Prozent"

"Ein deutlicher Innovationsschub durch Frauen ist erst ab einem Frauenanteil von 15 bis 20 Prozent im Management sichtbar", sagen die Forscher. Sie haben dafür 171 Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz befragt.

"Der Umsatzanteil von innovativen Produkten lag bei den Top-Performern um durchschnittlich 35 Prozent höher als bei den Schlusslichtern im Hinblick auf den Frauenanteil", heißt es in der Mitteilung.

Inwiefern andere Effekte als das Geschlecht der Mitarbeiter das Ergebnis beeinflussen könnten, wird in der Mitteilung allerdings nicht thematisiert.

Skandinavische Staaten sind viel weiter als Deutschland

Im internationalen Vergleich der Arbeitsmarktsituation landet Deutschland in der Studie nur auf Rang 10 von 15 untersuchten Staaten in Nordeuropa, Italien und Nordamerika und liegt weit hinter Spitzenreiter Schweden (Platz 1), Island (Platz 2) und Norwegen (Platz 3).

Hierzulande sind nur knapp 70 Prozent der Frauen berufstätig, in Island sind es fast 82 Prozent. Auch in der Schweiz, in Schweden, Norwegen und Dänemark arbeiten mehr Frauen.

Außerdem arbeiten Frauen im Vergleich zu Männern in Deutschland wesentlich weniger und viel öfter in Teilzeit als in vielen Staaten Nordeuropas. In der Führung sind deutsche Frauen im internationalen Vergleich unterrepräsentiert.

Die Forscher finden, Deutschland lasse damit ungenutztes Potenzial liegen – und büße damit an Innovationskraft ein.

Was die Forscher konkret vorschlagen

In der Verantwortung sehen die Forscher die Politik: "Politische Besonderheiten wie Ehegattensplitting, aber auch das Betreuungsgeld und traditionelle Rollenbilder für Männer und Frauen schwächen die Wirtschafts- und Innovationskraft unserer Ökonomie“, sagt Isabell Welpe, Professorin für Strategie und Organisation an der Technischen Universität München und Koautorin der Studie. „Solange sich die Bedingungen in Politik und Gesellschaft nicht deutlich verbessern, laufen zusätzliche Förderinitiativen der Wirtschaft wie etwa Mentorenprogramme oft ins Leere.“

Konkret fordern die Autoren der Studie

  • Abschaffung des Ehegattensplittings

  • Abschaffung des Betreuungsgeld

  • Ausbau der Ganztagsbetreuung

  • finanzielle Anreize für Familienteilzeit

  • Regeln für Gehaltstransparenz und gleiche Bezahlung von Männern und Frauen

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