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24/12/2016 09:24 CET | Aktualisiert 25/12/2016 02:08 CET

Weihnachtsgrüße aus Aleppo: Die Botschaft eines jungen Syrers an die Menschen in Deutschland

Karam Shaker vor der Zitadelle in Aleppo
Privat
Karam Shaker vor der Zitadelle in Aleppo

Aleppo. Der Name der syrischen Großstadt steht wie kein zweiter für Grauen, für Tod, für Hoffnungslosigkeit.

Karam Shaker lebt dort. Und hat sich für Weihnachten einen Kraftakt vorgenommen: Er möchte Partys organisieren. Und so gegen die Traurigkeit in seinem Land ankämpfen.

"Die Menschen wollen tanzen, Musik hören und trinken", sagt der 28-Jährige der Huffington Post. Sie wollen anfeiern gegen die Angst und den Alltag - der genau genommen für viele keiner ist. Sondern ein täglicher Kampf ums Überleben.

Etwa 40.000 Christen sind in Aleppo verblieben

Wie viele Christen heute in Aleppo leben, ist schwer zu sagen. Pro-christliche Organisationen sprechen von etwa 40.000 Menschen.

Große Teile der Stadt sind zerstört, weite Teile der Bevölkerung geflohen, Unzählige tot. Erst vor zwei Tagen sind Zehntausende endlich aus dem von Milizen dominierten Ostteil evakuiert worden. Zum ersten Mal seit 2012 ist Aleppo jetzt wieder unter Kontrolle von Präsident Bascher al-Assad und seiner Verbündeten.

Shaker lebt im Westteil Aleppos, wo die Verhältnisse nicht unbeschreiblich dramatisch, aber immer noch dramatisch genug sind. Eine Party zu organisieren, das ist selbst für Shaker, der Profi auf dem Gebiet ist, verdammt schwierig. "Das ist das Wunder, die schwierigste Sache der Welt", sagt Shaker.

Partys mitten im Krieg

2008, noch vor dem syrischen Bürgerkrieg, fing Shaker an, Partys in Aleppo zu organisieren, holte später internationale Musiker in die Stadt. Wie das deutsche DJ-Duo Cosmic Gate, das im Sommer 2010 in Aleppo auftrat - genau zwei Jahre bevor der syrische Bürgerkrieg die Stadt erfasste.

Shaker hat auch im Krieg weiter Partys veranstaltet, eben in den Stadtvierteln, wo der Konflikt nicht so heftig tobte. Zuletzt Ende September, 1000 Leute wollten damals zwei lokale Sänger sehen.

"Ich wünsche euch frohe Weihnachten"

Shaker macht das, weil ihn die Menschen darum bitten. Und weil es ein gutes Geschäft ist, wie er offen sagt.

Für Weihnachten organisiert Shaker gerade zwei größere Abendveranstaltungen - jeweils mit etwa 100 Gästen, vor allem natürlich für die Christen.

Auch Shaker selbst stammt aus einer christlichen Familie. Aber wegen des Jobs sind seine eigenen Pläne fürs Fest noch vage: "Ich bin in einem Kirchenchor, also werde ich vielleicht in die syrisch-orthodoxe Kirche gehen."

Für seine Partys will er trotz schwieriger Versorgungslage die ganze Bandbreite der regionalen Küche auftischen lassen: Libanesische Salate, Hummus, verschiedene Dips, Börek und Kebab.

Er hat seine Quellen, um die Delikatessen aufzutreiben. In Syrien feiern die meisten Christen zwar erst am Sonntag Weihnachten, Shaker schickt trotzdem schon mal Grüße zum Fest.

Und wenn man weiß, wo er lebt, was er erlebt, dann entfaltet diese Weihnachtsbotschaft eine ganz besondere Kraft. Er schreibt dem HuffPost-Autor via WhatsApp: "Ich wünsche euch frohe Weihnachten, Frieden und keinen Terror. Den sollte es nirgendwo geben - egal ob in Aleppo, Deutschland, Europa oder der ganzen Welt."

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(pb)