POLITIK
24/12/2016 02:29 CET | Aktualisiert 24/12/2016 03:33 CET

Gaucks Weihnachtsansprache: "Die Gräben in unserer Gesellschaft nicht vertiefen"

Joachim Gauck
dpa
Joachim Gauck

  • In seiner Weihnachtsansprache ruft Bundespräsident Gauck die Deutschen zu menschlichem Miteinander auf

  • In einer Zeit des Terrors dürfe man die Gräben in der Gesellschaft nicht vertiefen

Es ist die fünfte und letzte Weihnachtsansprache von Bundespräsident Joachim Gauck. Und angesichts des erst wenige Tage zurückliegenden Anschlags in Berlin wohl auch die wichtigste.

Denn Gauck rief angesichts von Ängsten und Wut nach dem Attentat zum Zusammenhalt und einem weiterhin menschlichen Miteinander in Deutschland auf.

"Gerade in Zeiten terroristischer Attacken sollten wir die Gräben in unserer Gesellschaft nicht vertiefen, weder Gruppen pauschal zu Verdächtigen noch Politiker pauschal zu Schuldigen erklären", sagte Gauck laut vorab verbreitetem Text in seiner Weihnachtsansprache.

"Der Terror ist plötzlich vorgedrungen bis in unsere Hauptstadt"

Das bedeute nicht, auf Auseinandersetzungen über die Flüchtlingspolitik oder auf weitere Sicherheitsmaßnahmen zu verzichten. Es gelte aber, Augenmaß und die Achtung vor dem politischen Gegner zu bewahren.

Der Lkw-Anschlag auf dem Weihnachtsmarkt in Berlin mit Toten und Verletzten habe viele zutiefst erschreckt und verstört. "Der Terror, den wir seit Jahren weltweit erleben, ist plötzlich vorgedrungen bis in unsere Hauptstadt", sagte Gauck. Damit seien Wut, Zorn, aber auch Gefühle von Angst und Ohnmacht entstanden.

Wenn man genau hinschaue, erkenne man jedoch: "Wir sind zusammengerückt als Gemeinschaft derer, die die Mitmenschlichkeit verteidigen." Unterschiedliche Menschen hätten sich Halt, Wärme und Nähe gegeben. "Konfrontiert mit dem mörderischen Hass haben sie ihr Ja zum friedlichen und menschenfreundlichen Miteinander bekräftigt – ihr Ja zum Leben."

Gesellschaft soll Ort des solidarischen Miteinanders bleiben

Gauck betonte in der Ansprache, die am ersten Weihnachtsfeiertag ausgestrahlt wird, dies seien "keine Wunschträume". So habe er Augenzeugen des Anschlags getroffen, die - einem inneren Impuls folgend - zu sterbenden und verletzten Menschen geeilt seien, um zu helfen.

Hierin zeige sich auch die christliche Weihnachtsbotschaft, empfindsam, zugewandt und hilfsbereit zu leben. "Dann können sich Wut und Zorn in Kräfte verwandeln, die dem Hass, der Gewalt und der Verachtung des Anderen wehren. Dann bleibt unsere Gesellschaft ein Ort des solidarischen Miteinanders."

Deutschland ringt mit ungelösten Problemen

In seiner letzten Weihnachtsansprache hob Gauck das Engagement vieler Bürger hervor, die sich in Beruf, Familie oder als Ehrenamtler für die Gemeinschaft engagierten. Das Staatsoberhaupt, das im März 2017 aus dem Amt ausscheidet, mahnte aber auch: "Dieses Land verdient das Vertrauen seiner Bürger. Auch gegenwärtig, da es mit ungelösten Problemen ringt."

Gerade in Zeiten der Unsicherheit wisse er das zuverlässige Wirken so vieler Menschen zu schätzen, sagte Gauck und dankte unter anderem Krankenschwestern, Lehrern, Polizisten, Gewerkschaftern, Unternehmern und Flüchtlingshelfern. Diese zeigten, "dass man das Fremde nicht ablehnen und abweisen muss, um das Eigene zu bewahren und zu leben".

Gauck schloss seine Rede mit den Worten: "Denn wir wissen: Friede auf Erden will erst noch werden."

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(sk)