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23/12/2016 12:32 CET | Aktualisiert 23/12/2016 14:00 CET

Putins Propaganda-Show: "Aleppo war größte humanitäre Rettungsaktion der Neuzeit"

MOSCOW, RUSSIA - DECEMBER 23: Russia's President Vladimir Putin is seen during his annual end-of-year news conference at Moscow's World Trade Centre in Moscow, Russia, on December 23, 2016.  (Photo by Russian Presidential Press and Information Office/Anadolu Agency/Getty Images)
Anadolu Agency via Getty Images
MOSCOW, RUSSIA - DECEMBER 23: Russia's President Vladimir Putin is seen during his annual end-of-year news conference at Moscow's World Trade Centre in Moscow, Russia, on December 23, 2016. (Photo by Russian Presidential Press and Information Office/Anadolu Agency/Getty Images)

Es war der Tag des Wladimir Putin. Der russische Präsident lud 1.400 Journalisten aus dem In- und Ausland in den Kreml zu seiner jährlichen Pressekonferenz.

Wenn man die vierstündige Propaganda-Veranstaltung vor größtenteils wohlgesonnenen Reportern so bezeichnen kann. Die Journalisten mussten auch in diesem Jahr wieder Plakate und Transparente hochhalten, um die Aufmerksamkeit von Putin auf sich zu ziehen.

Und – wie sollte es anders sein – auch in diesem Jahr, in dem sehr viel in Putins Sinne lief, prallte jegliche Kritik am russischen Präsidenten ab. Herausgekommen sind absurde Antworten auf berechtigte Fragen.

1. Putin zu Donald Trump

"Niemand hat an seinen Sieg geglaubt, außer uns hier", sagte Putin zum Sieg Donald Trumps bei der amerikanischen Präsidentschaftswahl. Trump habe die Stimmung in der Bevölkerung genau erfühlt und gegen alle Erwartungen darauf seinen Wahlsieg gebaut.

Im Gegensatz zu Hillary Clinton, die für ihre Fehler immer andere verantwortlich machte. Sollte Trump ihn in die USA einladen, werde er selbstverständlich kommen, sagte der russische Präsident.

Natürlich habe er rein gar nichts mit Trumps Sieg zu tun. Die Manipulationsvorwürfe der Demokraten seien unwahr und würden nur zeigen, welche "systematischen Probleme" die aktuelle Regierung habe.

2. Putin zur heimischen Wirtschaft

Gut geht es der russischen Wirtschaft nicht, da konnte nicht mal Putin etwas anderes behaupten. Aufs Jahr gesehen wird das Bruttoinlandsprodukt um 0,5 bis 0,6 Prozent zurückgehen, sagte er. Im November konnte die russische Wirtschaft leicht wachsen. Deshalb wird natürlich bald alles besser. Der russische Präsident sieht sein Land auf dem Weg der Stabilisierung.

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Die Inflationsrate wird 2016 vermutlich 5,5 Prozent betragen – für Putin ein Grund zum Jubeln. Denn seit 25 Jahren liegt die beständig bei über sechs Prozent im Jahr.

Vorgezogene Wahlen wegen der Krise schließt der Kreml-Chef aber aus. Es wird immer wieder spekuliert, dass er die Wahlen, eigentlich im Frühjahr 2018 angedacht, vorzieht und schon im nächsten Jahr abstimmen lässt – bevor die Bevölkerung wegen der schlechten Wirtschaftslage zu unzufrieden ist.

Als ein US-Journalist den Kremlchef am Freitag nach einer Vorverlegung der Wahl fragte, reagierte Putin erst mit einem Witz: "In welchem Land?", fragte er zurück. Dann stellte er klar, dass ein Vorziehen der Wahl "möglich, aber nicht zweckmäßig" sei.

3. Putin zu Syrien

Die rund 1.400 Journalisten bekamen auch noch überraschendes geboten: Putin möchte nämlich die Nachkriegsordnung für Syrien auch mit den USA abstimmen. "Es wäre nicht richtig, solche Fragen ohne die USA zu entscheiden."

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Natürlich war aber laut Putin die Rückeroberung Aleppos absolut ok und nicht die große humanitäre Katastrophe als die sie der Westen bezeichnet hat. Vielmehr sei es die "größte humanitäre Rettungsaktion der Neuzeit" gewesen.

Syrien brauche jetzt überall im Land Waffenstillstände, auf denen dann eine politische Lösung aufbauen könne, sagte der Kremlchef.

Obwohl es seiner Meinung nach so gut läuft, will Putin seinen Marinestützpunkt in der syrischen Hafenstadt Tartus vergrößern. Den Deal mit Syrien gab der Kreml ebenso am Freitag bekannt.

4. Putin zu Atomraketen

Russland habe das Recht, seine Atomraketen weiterzuentwickeln sagte der russische Präsident und wiederholte damit seine Aussage vom Donnerstag. Schließlich seien die USA 2001 aus dem ABM-Vertrag zur Beschränkung von Raketenabwehrsystemen ausgestiegen.

"Wenn jemand einen Rüstungswettlauf beginnt, dann sind das nicht wir." TTrump hatte nach Putins Äußerungen erklärt, die USA müssten "ihre nuklearen Fähigkeiten erheblich verstärken".

5. Putin zu Doping

Natürlich kamen auch Fragen zum Staats-Doping, das die Welt-Anti-Doping Agentur WADA Russland vorwirft. Putin wiegelt alles ab: "In Russland hat es nie ein staatliches Dopingsystem oder Doping-Unterstützung gegeben, das ist einfach unmöglich."

Der kürzlich von WADA-Chefermittler Richard McLaren verfasste Report hatte den Russen Staatsdoping vorgeworfen. Die nationale Anti-Doping-Agentur Rusada, das Moskauer Kontrolllabor und der Inlands-Geheimdienst FSB hätten Sportlern geholfen, Dopingtests zu manipulieren.

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