POLITIK
23/12/2016 03:04 CET | Aktualisiert 23/12/2016 03:11 CET

"Systemisches Versagen": Terror-Experte rechnet mit deutschen Behörden ab

Der Terror-Experte Peter Neumann kritisiert die deutschen Behörden
Joshua Roberts / Reuters
Der Terror-Experte Peter Neumann kritisiert die deutschen Behörden

  • Nach dem Attentat auf eine Berliner Weihnachtsmarkt hagelt es Kritik an den deutschen Behörden

  • Der Terrorismusforscher Peter Neumann wirft deutschen Behörden "systemisches Versagen" vor

  • Die Deutschen müssten die Zusammenarbeit ihre Landes- und Bundesbehörden überprüfen

Nachdem bekannt geworden ist, dass der Verdächtige Anis Amri, der mutmaßlich den Anschlag auf den Weihnachtsmarkt am Berliner Breitscheidplatz verübte, lange als gewaltbereiter Islamist bekannt gewesen war, hagelt es Kritik an den deutschen Behörden.

Besonders gnadenlos geht der Terrorismusforscher Peter Neumann vom King's College in London mit den deutschen Sicherheitsbehörden ins Gericht. Er hat den deutschen Behörden ein "systemisches Versagen" bei der Bekämpfung des Terrorismus vorgeworfen.

"Die Strukturen haben nicht funktioniert"

"Der mutmaßliche Attentäter Anis Amri war den Behörden bekannt. Man wusste, dass er die Absicht hatte, in Deutschland einen Anschlag durchzuführen und trotzdem haben die Strukturen nicht funktioniert", sagte Neumann am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur.

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Es sei nicht ausgeschlossen, dass der Verdächtige sich in die Enge getrieben fühle und zu weiteren Taten bereit sei, sagte Neumann. "Das ist wirklich im Moment keine gute Situation."

Tatverdächtiger könnte "gar nicht so weit weg" sein

Er könne sich vorstellen, dass der Tatverdächtige "gar nicht so weit weg und dass er nach wie vor mit Leuten aus der Szene in Kontakt ist".

In Deutschland müssten Personal und Befugnisse, die Kooperation zwischen Landes- und Bundesbehörden und die Zusammenarbeit innerhalb Europas überprüft werden, forderte der Radikalisierungsforscher. Nur dann sei eine umfassende Anti-Terrorismus-Strategie möglich.

Stattdessen seien bislang nach jedem Anschlag nur Einzelforderungen aufgestellt worden - etwa Burkaverbot oder aktuell die Fußfessel.

Mit Material der dpa

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