LIFE
23/12/2016 11:17 CET

Patienten sterben seltener, wenn sie von weiblichen Ärzten behandelt werden

iStock

Dass Frauen bessere Ärzte sind als Männer, wissen wir schon seit ein paar Jahren. Eine Untersuchung der University of Montreal zeigte im Jahr 2013, dass Ärztinnen sich - zumindest statistisch betrachtet - besser um Patienten kümmern als ihre männlichen Kollegen.

"Bei der Einhaltung von Krankenhausrichtlinien schnitten Frauen deutlich besser ab als Männer", sagte Valérie Martel von der University of Montreal in einem Statement.

"Sie verschrieben mit höherer Wahrscheinlichkeit als Männer die empfohlenen Medikamente und planten die erforderlichen Untersuchungen."

Die Überlebenschancen von Patienten sind besser, wenn Frauen sie behandeln

Die Untersuchung zeigte zudem, dass weibliche Ärzte sich für ihre Patienten mehr Zeit ließen als männliche.

Jetzt haben Harvard-Forscher herausgefunden, dass Patienten von Ärztinnen auch ein geringeres Sterberisiko haben. Die Wissenschaftler der Harvard T.H. Chan School of Public Health analysierten die Daten von 1,5 Millionen älteren Patienten, die zwischen 2011 und 2014 in Krankenhäuser eingeliefert wurden.

Es geht um 32.000 Menschenleben

Patienten, die von Ärztinnen behandelt wurden, hatten geringere Sterblichkeitsraten (11,07 Prozent bei weiblichen, 11,49 Prozent bei männlichen Ärzten) und geringere Wiedereinlieferungs-Raten (15,02 Prozent im Vergleich zu 15,57 Prozent).

Auf den ersten Blick scheinen die Unterschiede gering zu sein - doch die Forscher merken in ihrer Studie an, dass es sich bei diesem scheinbar geringem Unterschied um 32.000 Patientenleben handelt:

"Wir schätzen, dass jedes Jahr 32.000 Patienten weniger sterben würden, wenn männliche Ärzte die gleichen Ergebnisse erzielen würden wie weibliche", schreiben die Wissenschaftler im Fachmagazin "JAMA Internal Medicine".

Studie aus dem Saarland zeigt Parallelen

Auch Ärzte der Universitätsklinik Homburg an der Saar sind der Frage nachgegangen, ob Frauen die besseren Ärzte sind. Dafür hatten sie 2015 Daten von Patienten mit chronischer Herzschwäche untersucht.

Sie stellten fest, dass weibliche Patienten häufig unzureichend behandelt wurden, männliche Patienten hingegen nur selten. Wie sich zeigte, wurden weibliche Patienten von männlichen Ärzten häufiger unzureichend behandelt, während weibliche Ärzte alle Patienten gleich gut behandelten.

Weibliche Patienten werden von männlichen Ärzten schlechter behandelt

Studienleiter Magnus Baumhäkel vermutet, dass Ärztinnen die Symptome von Frauen genauer zur Kenntnis nehmen. Der "Rheinischen Post" sagte er:

"Männliche Ärzte vermuten bei Patientinnen gern entweder nervliche Nebenaspekte für Erkrankungen, oder sie nehmen die Krankheit anfangs generell nicht so ernst."

Eine Teilschuld trügen jedoch die Patientinnen selbst. Sie seien im Arztzimmer eines Mannes weniger offen in der Selbstbeschreibung und wirkten robuster. Männer hingegen schilderten ihre Leiden oft sehr realistisch.

Frauen hören Patienten mehr zu

Angelika Haus, Vorsitzende des Hartmannbundes Nordrhein, hat eine klare Meinung dazu, warum Ärztinnen bessere Werte erreichen als ihre männlichen Kollegen:

"Nach meiner Erfahrung hören Frauen dem Patienten mehr zu. Sie nehmen stärker an, was er sagt, und zeigen erkennbare Bereitschaft, den Patient zu akzeptieren, bevor man ihm gute Ratschläge gibt", sagte sie der "Rheinischen Post".

Der Wert der Behandlung sei deshalb aber nicht besser oder schlechter, sondern anders.

Pointiert und meinungsstark: Der HuffPost-WhatsApp-Newsletter

2016-07-22-1469180154-5042522-trans.png

Auch auf HuffPost:

Er wollte wissen, warum seine Frau abends immer so müde ist – also spionierte er ihr nach

(lk)