POLITIK
23/12/2016 00:40 CET | Aktualisiert 13/07/2017 11:29 CEST

Schnittwunden im Gesicht: 5 neue Erkenntnisse über Anis Amri

Nach dem Anschlag von Berlin fahnden die Ermittler mit Hochdruck europaweit nach dem verdächtigen Tunesier Anis Amri. Fast stündlich treffen neue Hinweise zu seiner Person ein. Neue Hinweise könnten darauf hindeuten, dass der europaweit gesuchte Tunesier nach dem Anschlag Unterschlupf in Berlin gesucht hat.

Überwachungs-Aufnahmen sollen zudem Anis Amri nach dem Anschlag in Berlin zeigen - ihr könnt sie selbst im Video oben sehen.

Hier fünf neue Erkenntnisse über den mutmaßlichen Attentäter vom Breitscheidplatz:

1. Anis Amri scheint sich weiterhin in Berlin aufzuhalten

Der öffentlich-rechtliche Sender rbb veröffentlichte am Donnerstagabend Überwachungsbilder, die den Terrorverdächtigen knapp acht Stunden nach dem Lkw-Anschlag vor einem Berliner Moschee-Verein zeigen sollen.

Dem rbb zufolge wurde Amri am 14. und 15. Dezember vor dem als Salafistentreffpunkt bekannten Moscheeverein in Berlin-Moabit von Sicherheitskräften gefilmt. Weitere Observationsbilder sollen ihn am frühen Dienstagmorgen an gleicher Stelle zeigen. Alle Aufnahmen wurden demnach jeweils zwischen 3 und 4 Uhr morgens angefertigt.

Die Bilder wurden an der Vorderseite des Gebäudes des Moschee-Vereins "Fussilet 33" gemacht. Der war am Donnerstag laut Informationen der DPA von einem Spezialeinsatzkommando der Polizei gestürmt worden. Der Moschee-Verein wird im jüngsten Bericht des Berliner Verfassungsschutzes als Treffpunkt von Islamisten geführt.

Beim Islamunterricht sollen dort Muslime - meist Türken und Kaukasier - für den bewaffneten Kampf der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Syrien radikalisiert worden sein. Der Lkw-Stellplatz, von dem der Lastwagen vor dem Anschlag losfuhr, ist nur wenige Hundert Meter von dem Moschee-Verein entfernt.

2. Er soll Schnittwunden im Gesicht habe

Nach Informationen des "Tagesspiegels" gehen die Ermittler davon aus, dass sich Amri noch in Berlin versteckt hält. Ein Zeuge habe ihn nach dem Anschlag mit Verletzungen im Gesicht fliehen sehen, die versorgt werden müssten.

3. Er soll seine Geldbörse und sein Handy im Führerhaus zurückgelassen haben

Nach rbb-Informationen soll Amri zudem auf der Flucht nicht nur seine Geldbörse mit diversen Dokumenten im Lkw-Führerhaus liegen gelassen, sondern auch sein Handy verloren haben. Die Berliner Polizei wollte den Bericht nicht kommentieren und verwies auf die Bundesanwaltschaft, von der zunächst keine Stellungnahme zu bekommen war.

Mehr zum Thema: Kein Einzelfall: Darum lassen Terroristen ihre Papiere am Tatort zurück

4. Im Fahrerhaus wurden seine Fingerabdrücke gefunden

Amris Fingerabdrücke wurden am Fahrerhaus des Lastwagens sichergestellt, der am Montagabend in den Weihnachtsmarkt gerast war. Dies teilte Innenminister Thomas de Maizière (CDU) am Donnerstag mit. Es gebe auch weitere Hinweise, "dass dieser Tatverdächtige mit hoher Wahrscheinlichkeit wirklich der Täter ist".

Die Ermittler haben kaum noch Zweifel, dass Amri für den Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt mit zwölf Toten und rund 50 Verletzten verantwortlich ist.

Gegen Amri selbst wurde inzwischen Haftbefehl erlassen. Die Bundesanwaltschaft wies am Donnerstag darauf hin, dass verschiedene Orte in Berlin und Nordrhein-Westfalen, an denen er sich aufgehalten haben soll, durchsucht worden seien. Auch ein Reisebus in Heilbronn sei inspiziert worden. Festnahmen habe es nicht gegeben.

5. Er trainierte in Niedersachsen für den Kampf für den IS

Amri soll auch in Niedersachsen aktiv gewesen sein. Das berichtet die "Süddeutsche Zeitung". Dokumente der Ermittler sollen darauf hinweisen, dass er möglicherweise eine Ausreise nach Syrien plante, um dort für den Islamischen Staat zu kämpfen.

So soll er sich häufiger in Niedersachsen aufgehalten haben, um sich Tipps für eine Ausreise geben zu lassen. Im vergangenen Jahr sei er auch Teil einer Truppe gewesen, die sich für den Kampf in Syrien trainieren ließ. Vor allem die körperliche Fitness soll die Gruppe gemeinsam trainiert haben.

Mit Material der dpa

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(ks)