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23/12/2016 17:48 CET | Aktualisiert 24/12/2016 04:15 CET

"Merkel rech­net mit dem Schlimms­ten" - Wie sich die Kanzlerin auf Trumps Präsidentschaft vorbereitet

"Merkel rech­net mit dem Schlimms­ten" - Wie sich die Kanzlerin auf Trumps Präsidentschaft vorbereitet
Larry Downing / Reuters
"Merkel rech­net mit dem Schlimms­ten" - Wie sich die Kanzlerin auf Trumps Präsidentschaft vorbereitet

Angela Merkel und Barack Obama. Die deutsche Kanzlerin und der US-Präsident gaben sich wie gute Freunde.

Das letzte Treffen in Berlin Mitte November verdeutlichte das besonders. Da veröffentlichten sie einen Beitrag in der "Wirtschaftswoche", den man als gemeinsame Botschaft an Obamas Amtsnachfolger Donald Trump werten konnte.

Obama geht, Merkel bleibt - und muss ab Januar mit Trump auskommen. "Zwei Menschen, die unterschiedlicher kaum sein könnten", wie "Spiegel Online" kurz nach der US-Wahl schrieb.

Anders als Trump, der Merkel insbesondere wegen ihrer Flüchtlingspolitik heftig kritisiert und diese sogar als "geisteskrank" bezeichnet hatte, hat sich Merkel bisher mit Äußerungen über ihn zurückgehalten.

Trumps Worte seien "kulturell in­ter­es­sant"

Nach der Amtseinführung Trumps am 20. Januar wird sich das wohl ändern. Doch schon jetzt gab Merkel tiefere Einblicke, was sie tatsächlich über den künftigen US-Präsidenten denkt.

Wie der "Spiegel" berichtet, kommentierte sie kürzlich im CDU-Prä­si­di­um eine Dankesrede Trumps. "Es ist in­ter­es­sant zu se­hen, in wel­cher Ge­dan­ken­welt er lebt", seine Worte seien "kulturell in­ter­es­sant", zitiert der "Spiegel" die CDU-Chefin. All das habe sie zwar in ruhigem Ton gesagt, aber vor Ort hätten alle gespürt, wie be­sorgt Mer­kel gewesen sei. "Sie rech­net mit dem Schlimms­ten", glaubt der "Spiegel".

Diese Sorgen klangen bereits in Merkels Rede zu Trumps Wahlsieg an. Sie gratulierte ihm und erinnerte ihn zugleich eindrücklich an die hohe Verantwortung, demokratische Spielregeln und Werte, die mit der Führung der größten Wirtschaftsmacht - und des wichtigsten Partners Deutschlands - einhergehen.

Der "Spiegel" nimmt an, dass Mer­kel weniger Trumps Ideologie fürchtet, sondern eher dessen narzisstischen Charakter - und dessen aggressives Vorgehen gegen all jene, die ihm negativ gegenüberstehen.

Trumps Prioritäten lassen viele Fragen offen

Trumps Reaktionen gelten als schwer vorhersehbar. Um ihn und sein Team kennenzulernen, schickte Merkel in der vergangenen Woche ihren außenpolitischen Berater in die USA. Dort sollte er sich mit dem Team des künftigen Präsidenten treffen.

Denn insbesondere Trumps Prioritäten in der Außenpolitik lassen selbst bei den engsten Verbündeten der USA viele Fragen offen. Im Kanzleramt herrscht nach Darstellung des "Spiegels" die Sorge, dass sich Trump mit seinem außenpolitischen Team über bereits beschlossene Sanktionen gegen Russland hinwegsetzen und eine gemeinsame Haltung des Westens gegenüber Moskau unmöglich machen könnte.

Putin, Ber­lus­co­ni, Trump

Immerhin hat Merkel aus der Sicht des Nachrichtenmagazins bereits ei­ni­ge Er­fah­rung "im Um­gang mit schwie­ri­gen Män­nern" gesammelt - CSU-Politiker Ed­mund Stoi­ber, Russlands Präsident Wla­di­mir Pu­tin oder Sil­vio Ber­lus­co­ni aus Italien. Letzterem kommt Trump auch am nächsten. Und Ber­lus­co­ni musste sich letztendlich Merkel fügen. Das ist schwer vorstellbar bei Trump, und die USA sind nicht vergleichbar mit Italien.

Es wird in jedem Fall eine Reise ins Ungewisse. Zumal bei Kanzlerin viel auf dem Spiel steht, im Wahlkampfjahr.

Doch zugleich bietet sich für Merkel die Chance, sich außenpolitisch noch weiter hervorzuheben - für den Fall, dass sie Trump tatsächlich die Stirn bieten kann.

(Mit Material der dpa)

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